Berufung beginnt im Kindergarten


Zeigen sich Begabungen, Berufungen schon im Kindergartenalter? Soll es, darf es „Berufungspastoral“ schon im Kindergarten geben? Der WEGBEREITER befragte dazu Frau Emma Feuchter, Leiterin, und Frau Brigitte Rennack, Stellvertretende Leiterin des Kindergartens der Pfarrei „Erscheinung des Herrn“ in München-Blumenau.

WB: Jemand hat einmal gesagt: Berufung beginnt schon im Kindergarten. Stimmt das, wenn ja, wie zeigt sich das?
Frau Emma Feuchter: Wir können auch anders fragen: Was können wir tun, dass Kinder sich für Gott, für Kirche interessieren und eventuell dann für den Priesterberuf? Da geht es um Vorbereitung oder Förderung; dass Berufung da ist, dass da irgendwo etwas unbewusst da ist, das glaube ich sicher.

WB: Kann man bei Kindern schon sehen, wo ihre Begabungen, Fähigkeiten, Interessen liegen?
Frau Brigitte Rennack: Im religiösen Bereich ist das schwierig, aber im kreativen Bereich etwa lässt sich das leichter feststellen. Ich hatte mal ein Kind, das konnte mit 6 Jahren malen, das war außergewöhnlich.
Frau Feuchter: Aber wenn ich jetzt an meine Anna denke, 4 oder 5 Jahre, was die in sich hat und was die von sich geben kann, wenn wir über Religiöses sprechen, das ist erstaunlich. Da, finde ich, ist eine Begabung da.

WB: Spielen Berufe im Kindergarten schon eine Rolle?
Frau Feuchter: Die Kinder diskutieren immer wieder: was macht die Mama, was macht der Papa, was möchte ich selber mal werden? Und dann spielen sie verschiedene Berufe wie Arzt oder Pilot. Es würden bestimmt auch mehr Kinder sagen, ich möchte gern Pfarrer sein, wenn sich die Pfarrer mehr Zeit nehmen würden für den Kindergarten. Allgemein muss man sagen, dass der Pfarrer sich viel zu wenig sehen lässt. Dann kann ein Kind nicht sagen, ich möchte gern ein Pfarrer sein, weil einfach der Kontakt zu selten ist. Die Chance, die die kath. Kirche im Kindergarten hätte, glaube ich, sieht sie noch nicht. Bei uns sprechen wir den Pfarrer immer wieder an und laden ihn ein. Er braucht gar nichts zu machen, einfach nur dasein. Es ist irgendwie wie bei Jesus, wo die Menschen schon glücklich waren, wenn sie nur sein Kleid berühren durften.
Frau Rennack: Letztes Jahr beim Abschlussgottesdienst der Vorschulkinder hat der Pfarrer jedem Kind ein Moosröschen geschenkt. Die Kinder waren ergriffen: der Pfarrer hat mir was geschenkt. Und es ist für die Kinder auch etwas großes, wenn sie den Pfarrer dann in liturgischer Kleidung sehen, dem sie bei anderer Gelegenheit in seiner Alltagskleidung begegnet sind.

WB: Könnte es nicht auch die Versuchung geben, Kinder zu vereinnahmen.
Frau Feuchter: In der heutigen Zeit sehe ich die Gefahr nicht so sehr, weil die Eltern doch kritisch genug sind. Ich denke da an meinen Neffen, der unbedingt ins Internat wollte. Meine Schwester war entschieden dagegen. Schließlich aber hat sie nachgegeben. Als er dort war, kam der Junge bald darauf, dass das doch nichts für ihn ist. Diese Erfahrung, die er jetzt selbst gemacht hat, war für ihn ganz wichtig. Was ich damit sagen will: Was das Innerste eines Kindes ist, das wird sich durchsetzten, das kann man nicht machen und man kann es auch nicht verhindern.

WB: Würden Sie sagen, dass „Berufungspastoral“ durchaus im Kindergarten beginnen könnte?
Frau Feuchter: Ja. Und die Kirche nimmt hier viele Chancen noch lange nicht wahr. Mir tut es sehr leid, dass man das nicht sieht. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Vielleicht kommen die Verantwortlichen eines Tages auf das Stück Kindergarten zurück, wo mit offenen Armen aufgenommen wird, was man sonst oft an Strohhalmen herbeizieht.

WB: Und was würden sie sich konkret wünschen?
Frau Feuchter: Ich würde mir wünschen, dass sich der Pfarrer einmal in der Woche für jede unserer drei Gruppen 20 Minuten Zeit nehmen würde.