MAGAZIN FÜR BERUFE DER KIRCHE

„Nachdem ich wusste, dass es diesen Beruf gibt, war es mein Traumberuf!“

von Alexander Krause, Pastoralreferent

Aufgewachsen in Bergatreute, in einem oberschwäbischen katholischen Milieu, war ich seit meiner Erstkommunion immer stark in der kirchlichen Jugendarbeit vor Ort engagiert. Erst als Ministrant und bald darauf auch in der Katholische Landjugendbewegung.

Alexander Krause mit der Familie
Diese beiden Pfeiler waren für mich und meine Laufbahn in der Kirche wegweisend: Die klare Aufgabe als Ministrant in der Liturgie und die „freie“ Landjugendluft, in der es keine Idee gab, die von vornherein als unmöglich oder undurchführbar abgetan wurde.
So habe ich Kirche kennengelernt und sie hat mich wegen dieser Bandbreite als Jugendlichen fasziniert und tut es bis heute. Denn mein Beruf als Pastoralreferent hat genau diese beiden Perspektiven: Klare Vorgaben durch den Alltag und den Arbeitgeber, aber auch Raum für Kreativität und Verrücktheiten.
Wie ich zu diesem Beruf gekommen bin, ist eine ganz lustige Geschichte denn ich habe diesen Beruf gewählt, ohne jemals als Jugendlicher einen Pastoralreferenten kennengelernt zu haben. Einen kirchlichen Beruf zu ergreifen, konnte ich mir aufgrund der positiven Jugenderfahrungen gut vorstellen.  Aber der Priesterberuf kam für mich, nicht zuletzt wegen des Zölibats, nicht in Frage.
Mein damaliger Religionslehrer, ein Vikar, erzählte mir deshalb von der Möglichkeit, als verheirateter Volltheologe in der Kirche zu arbeiten. Ich wurde neugierig.
Nachdem ich Infomaterial geordert und gesichtet und diverse Gespräche mit echten Pastoralreferenten geführt hatte, wurde mein Wunsch zur Gewissheit:
Ich wollte Theologie studieren und anschließend die Ausbildung zum Pastoralreferenten machen.
Da ich in der Schule weder Griechisch, Latein geschweige denn Hebräisch gelernt hatte, ging es erst mal für ein Jahr nach Ehingen ins Ambrosianum.
Das anschließende Jahr Zivildienst bot mir noch einmal die Chance, in einen ganz anderen Bereich hinein zu schnuppern. Aber die Gewissheit Pastoralreferent zu werden blieb.So ging es zum Studium nach Tübingen mit einem Auswärtsjahr in Paris.
Nach fünf schönen Jahren durfte ich mit meiner Frau, die ebenfalls Pastoralreferentin ist, meine dreijährige Pastoral-Praktische Ausbildung in der Seelsorgeeinheit Iller-Weihung südlich von Ulm machen.

Meine Vorstellungen über diesen Beruf waren zu Beginn relativ vage. Ich hoffte aber, dass ich mein bisheriges ehrenamtliches Engagement in der Kirche einfach hauptamtlich weitermachen könnte: Das Hobby sozusagen zum Beruf zu machen. Und ich muss sagen, irgendwie ist es auch so.
Allerdings mit zwei fulminanten Unterschieden:
Man trägt als Hauptamtlicher viel mehr Verantwortung und die Anspruchshaltung der Menschen ist gegenüber Hauptamtlichen wesentlich höher, als gegenüber Ehrenamtlichen. „Sie haben doch studiert… .“ Das stimmt zwar, aber alles zu wissen und zu können, davon bin ich doch weit entfernt. 
Alexander Krause bei Mottoradwallfahrt

Eine Hauptfaszination dieses Berufes ist für mich, dass man persönliche Vorlieben, Fähigkeiten und Passionen in den Berufsalltag einbauen kann. Wenn jemand, wie ich, gerne Motorrad fährt, dann kann daraus eine Motorradwallfahrt entstehen. Ein anderer wandert gerne und bietet deshalb für seine Gemeinden, oder darüber hinaus, Wanderexerzitien an. Wieder eine andere ist sehr musikalisch und gründet deshalb eine Band für spirituelles Liedgut. Der Phantasie sind dabei „fast“ keine Grenzen gesetzt. „Fast“ deshalb, weil es natürlich auch fixe Aufgaben gibt,die einfach getan werden müssen. Und weil man nicht unendlich viel Zeit zur Verfügung hat, sondern Berufs- und Privatleben unter einen Hut bringen muss.
Zu den Dingen,die einfach gemacht werden müssen, gehören bei mir u.a.die Schule (insgesamt acht Stunden am Immanuel-Kant-Gymnasium in Tuttlingen), die Sakramentenkatechese, der Beerdigungsdienst, viele Abendsitzungen und die Begleitung diverser Gruppen in der Seelsorgeeinheit. Die Seelsorgeeinheit gleicht schon manchmal einem Dschungel, durch den man sich irgendwie einen Weg bahnen muss. Das ist anstrengend, aber natürlich auch spannend und alles andere als langweilig. Vor Ort in einer Seelsorgeeinheit ist immer ein Pfarrer der Leiter des ganzen Gebildes.
Das steckt Streitpotential drin.Zwei gleichwertig ausgebildete Personen begegnen sich und arbeiten miteinander, aber einer ist dank der Weihe immer der Chef.Ich hatte bisher immer das Glück, Chefs zu haben, die eine ganz flache Hierarchie gelebt und zum Ausdruck gebracht haben. Ihnen war das christliche Miteinander im Team immer wichtiger. Mit der sogenannten strukturellen Zweitrangigkeit habe ich deshalb kein Problem.Außerdem heißt weniger Verantwortung mehr Raum für oben genannte kreative Angebote. Allerdings kenne ich Kollegen, die unter dieser Hierarchie leiden, von daher sollte dies in diesem Artikel zumindest erwähnt werden. Noch ein Wort zu meiner familiären Situation.Wie gesagt, meine Frau ist ebenfalls Pastoralreferentin und wir haben zwei kleine Töchter. Familie und Beruf sind durch die flexiblen Arbeitszeitmodelle sehr gut vereinbar. So konnte ich ohne Probleme ein Jahr Elternzeit nehmen und „nebenher“ nur vier Stunden unterrichten. Es können praktisch alle erdenklichen Zeitmodelle genommen werden. Als wir allerdings beide 100% arbeiteten, haben wir uns abends nicht besonders oft vor 23.00 Uhr gesehen. Die Abendtermine sind in diesem Beruf einfach zu häufig. Meine Frau macht deshalb im Moment zu 100% Elternzeit und wird später mit 50% wieder einsteigen. Mein ganz persönliches Fazit lautet: Ich bin sehr gerne Pastoralreferent. Der Beruf ist erfüllend und spannend. Kein Tag gleicht dem anderen. Man hat viel mit Menschen zu tun, das kann natürlich anstrengend sein (nicht umsonst ist Sartre zu dem Schluss gekommen: „die Hölle, das sind die anderen!“), trotzdem ist es auch bereichernd und befruchtend und wir Christen glauben ja, dass uns Christus selbst im anderen begegnet.
„Nachdem ich wusste, dass es diesen Beruf gibt, war es mein Traumberuf!“ so habe ich diesen Artikel begonnen und ich ende mit dem Zusatz:„Und hab´ es bis heute nicht bereut.“  ⊗