Brigitta Wimmer, Pastoralreferentin im Pfarrverband St. Clemens und St. Vinzenz, München
„Es war einmal ein Mädchen, das auszog, um Seelsorgerin zu werden…..“ Was wie ein Märchen beginnt, hat sich in Wirklichkeit in der Diözese München und Freising zugetragen. Im Jahr 1971, als an der Ludwigs-Maximilians-Universität noch mancher Theologieprofessor die Vorlesung mit den Worten begann: “Meine Herren!“, saßen ganz schüchtern ein paar junge Abiturientinnen im Hörsaal, um mit dem Studium der Diplomtheologie zu beginnen. 1971 war auch das Jahr, in dem die ersten Theologiestudenten durch Julius Kardinal Döpfner zum Seelsorgsdienst als Laien in der Pfarrgemeinde ausgesendet wurden. 1976 war es nach jahrelangen Gesprächen zwischen Diözesanleitung, Universität und Ausbildungsverantwortlichen schließlich so weit, dass der damalige Münchner Kardinal Joseph Ratzinger zwei Frauen in den Seelsorgsdienst sendete, eine davon war ich selbst. Durch den Aufbruch des Zweiten Vatikanischen Konzils waren viele neue Arbeitsfelder entstanden, in denen wir tätig waren und bis heute sind: Sakramenten- und Gottesdienstvorbereitung zusammen mit Ehrenamtlichen, Kinderbibelwochen organisieren, Taufgespräche führen und so weiter. Mit den Jahren haben sich manche Aufgaben verändert, wichtig ist mir aber bis heute: die Zeichen der Zeit wahrzunehmen, um Seelsorge gemeinsam mit allen pastoralen Berufsgruppen und mit den Ehrenamtlichen zu gestalten.
Andreas Ihm, Pastoralreferent in der Diözese Augsburg
Aus einer Zwischenlösung entwickelte sich für Andreas Ihm der Traumjob. Der 32-Jährige arbeitet zu gleichen Teilen in der Hochschulseelsorge und als Bildungsreferent der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ). Die sei seine „Klientel von morgen“, sagt er lachend: „Diese Schnittstelle finde ich total spannend.“ Schon in seiner Heimatgemeinde war der gebürtige Memminger von Jugend an sehr aktiv gewesen. Ein religiöses Elternhaus, Freunde in Jugendgruppen und ein Pfarrer, der „uns einfach machen ließ“ etwa bei der Gottesdienstgestaltung weckten in Andreas Ihm bald den Wunsch, etwas mit Menschen zu machen. Und „am liebsten mit dem Glauben“, betont er. Doch zuvor absolvierte er seinen Zivildienst im Haus der Begegnung „St. Claret“ für Jugendliche in Weißenhorn. Damals lebte er mit einer Ordensfrau auf demselben Stockwerk. Wir haben viel über Gott und die Welt geredet, ins Kino gegangen, diskutiert, so Andreas Ihm rückblickend. „Das war eine total tolle Zeit.“ Die ihn zur Entscheidung für das Theologiestudium bewog – und den Eintritt ins Priesterseminar. Er wollte den Weg gehen, erinnert sich Ihm: Schauen, ob das was für ihn ist. Das Argument hat auch seinen Vater überzeugt. Drei Jahr blieb Andreas im Seminar, dann merkte er: „Der Rolle als Priester kann ich nicht gerecht werden.“ Ich hätte mich zu sehr verbiegen müssen, erklärt Ihm.
Das wollte er nicht. Trotzdem konnte er das letzte Jahr im Seminar verbringen und schloss das Studium ab. Die Zeit im Priesterseminar findet Andreas Ihm heute als „sehr, sehr wichtig“. Doch: „Dann bin ich zurückgeschwenkt zu meiner alten Berufung.“ Denn als Pastoralreferent habe er nicht die „Vorschusslorbeeren“ des Priesters: „Man muss die Leute richtig gewinnen“, findet Andreas Ihm: „Wenn ich sage: Ich bin Pastoralreferent, kommt erstmal ein großes Fragezeichen.“ Dann heißt es sich bewähren. Den Ausbildungsplatz zum Pastoralreferenten nach dem Studium bekam Andreas Ihm jedoch nicht sofort. „Ich wurde für ein Jahr geparkt“ als Referent für die Hochschulseelsorge in der Fachhochschule Augsburg. Zu dieser Zeit begann er parallel ein Studium der Umweltethik. „Aus existentiellen Gründen“. Außerdem gibt es in der Diözese auch einen Umweltbeauftragten: „Man soll nie nie sagen.“ Die Zeit als Pastoralassistent je zur Hälfte in der Gemeinde im Univiertel und in der Hochschule schloss sich nahtlos an. Bald darauf löste die KSJ-Referentenstelle die Gemeindearbeit ab. Andreas Ihm ist glücklich mit seiner Arbeit. „Viele junge Menschen können mit dem Glauben nichts anfangen. Doch im Laufe der Gespräche merkt man, dass sie ganz viele Sehnsüchte haben.“ Auch religiöse Sehnsüchte. Hier Wege zum Glauben zu finden, „das Geheimnis des Glaubens wecken“, Gott für den Menschen sichtbar zu machen: Das ist die Aufgabe. „Das Tolle ist: Der Gott, an den man glaubt, ist eigentlich schon da“, sagt Andreas Ihm lächelnd. Auf jeden Fall aber möchte er später mal in einen anderen Bereich wechseln. In die Schulpastoral vielleicht; oder eine Jugendkirche in Augsburg aufbauen. Und „die Liturgie zu den Menschen auf etwas einfachere Weise bringen.“
Silvia Schwaiger, Pastoralreferentin in der Dekanatsjugendseelsorge im Dekanat Pasing

Silvia Schwaiger
Mein berufliches Handeln soll dazu dienen, dass Menschen hautnah erleben können: „Kirche, das sind Menschen, die mich im Glauben unterstützen. So gelingt mein Leben besser. Außerdem darf ich hier so sein, wie ich bin und meine Weiterentwicklung wird gefördert. Kirche ist gestaltbar, wenn ich mich dafür einsetze.“ In all diesen Anliegen kann ich in meiner Arbeit als Pastoralreferentin in einer Dekanatsjugendstelle aktiv sein. Es freut mich, meine theologische Kompetenz einzubringen, wenn ich Angebote entwickle, die den Glauben und somit die ganze Persönlichkeit der Jugendlichen anregen und fördern, z.B. „Exerzitien im Alltag für Jugendliche“. Das Vorbereiten von jugendgerechten liturgischen Formen gefällt mir am allerbesten, denn da treffen sich Fachlichkeit, Bedarf und persönliches Faible. In Zeiten der Umstrukturierung kommt noch ein Thema zum Tragen: Strukturen weiterentwickeln. Jugendliche hierbei zu beteiligen, lässt sie erleben, wie sie Kirche mitgestalten können und wo Grenzen sind. Das ist sehr reizvoll und gelingt mal weniger, mal mehr. Ich bin mir sicher, dass diese und viele weitere „unscheinbare“ Handlungen dazu beitragen, dass unsere Kirche von Jugendlichen als positiv erlebt wird. ⊗