Seelsorge im Altenheim dringend notwendig

von Roland Joos

WEGBEREITER: Was sind Sie von Beruf?
Roland Joos: Rentner, Diakon mit Zivilberuf.
Es waren aber in meinem beruflichen Leben immer wieder Neuorientierungen notwendig. Zunächst erlernte ich von 1955-58 den Beruf des Mechanikers.
Später besuchte ich eine private Handelsschule um als Technischer Kaufmann bessere Berufsaussichten und Chancen zu haben. Von 1971- 76 habe ich berufsbegleitend die Ausbildung zum Diakon gemacht und wurde im Okt. 76 zum Diakon geweiht.
1987 berufliche Weiterbildung zum Personalfachkaufmann.

WB: Wo und wie lange arbeiten Sie schon als Seniorenseelsorger?
Roland Joos: Bereits in meiner Ausbildung zum Diakon gehörten Seniorenbesuche und Betreuung älterer Menschen im Altenheim zu meinen Aufgaben.

WB: War Arbeit mit alten Leuten schon immer Ihr Ziel oder hat sich das im Laufe der Zeit so ergeben?
Roland Joos: Nein, Altenarbeit war nicht von Anfang an mein Ziel. Zunächst waren Jugendarbeit, Gemeindediakonie, Firmvorbereitung, ökum. Campingseelsorge etc. meine Schwerpunkte.
Gelegentlich auch mal ein Seniorennachmittag oder ein Gottesdienst im Altenheim.
Seit 1999 beschäftige ich mich intensiv mit Seniorenarbeit vor allem auf Diözesan - und Dekanatsebene.

WB: Was bedeutet Seelsorge in einem Altenheim oder in einer Pfarrei?
Roland Joos: Seelsorge muß immer den ganzen Menschen im Blick haben d.h. Leib und Seele. Sowohl im Altenheim als auch in der Pfarrei sollte sich Seelsorge immer an den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen orientieren.
Die Pfarrei ist der verantwortliche Träger der Seelsorge auch im Altenheim, deshalb ist eine gute Vernetzung von haupt - und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr wichtig, Heimleitung und Pflegepersonal sollten ebenfalls mit integriert werden.

WB: Welche Schwerpunkte sehen Sie in dieser Seelsorge?
Roland Joos: Schwerpunkte kirchlicher Seniorenarbeit sehe ich vor allem in der Pflege, Hilfe, Bildung, Politik und Seelsorge. Wobei keiner dieser Bereiche nur für sich gesehen werden darf, sie gehören alle fünf untrennbar zusammen und müssen miteinander verbunden werden.

WB: Wie reagieren die Heimbewohner auf Sie?
Roland Joos: In den meisten Fällen freuen sich die Heimbewohner über einen Besuch oder ein persönliches Gespräch (vorherige Anmeldung ist selbstverständlich).
Strikte Ablehnung habe ich noch nie erlebt. Das zeigt mir aber auch, dass Seelsorge im Altenheim dringend notwendig und unerlässlich ist.

WB: Mit welchen Problemen werden Sie am meisten konfrontiert?
Roland Joos: Einsamkeit - zu wenig Ansprache, Trauer um einen lieben Menschen -Ehepartner, Kinder, Angehörige - Krankheiten, alle möglichen Einschränkungen die das Alter mit sich bringt- Demenz.

WB: Es werden immer mehr alte Menschen in unserer Gesellschaft. Hat die Kirche darauf reagiert? Hat das in der Seniorenseelsorge etwas verändert?
Roland Joos: Die Kirche hat auf die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft reagiert und tut dies Gott sei Dank auch heute noch, aus meiner Sicht als Engagierter vielleicht ein wenig zu spät und mit zu wenig Mitteln, auch im finanziellen Bereich.
Der Priestermangel in Deutschland macht sich natürlich auch im Seniorenbereich und in der Altenheimseelsorge bemerkbar.
Um so wichtiger sind meines Erachtens deshalb funktionierende Netzwerke mit haupt - und ehrenamtlichen Mitarbeitern in Pfarreien und Altenheimen, die z.B. Besuchsdienste und andere Tätigkeiten und Aufgaben übernehmen können.
In der Diözese Rottenburg - Stuttgart laufen zur Zeit verschiedene Projekte mit Seniorennetzwerken, die vom Sozialministerium initiiert wurden und wissenschaftlich begleitet werden, um die Übertragbarkeit auf andere Pfarreien und Gemeinden zu ermöglichen.
Das Forum Kath. Seniorenarbeit in der Diözese Rottenburg - Stuttgart bemüht sich um einige Projekte in der Altenheimseelsorge.
Ich glaube, dass in allen Diözesen in Deutschland die Seelsorge für Ältere etwas anders aussieht, dies hat Vor - aber auch Nachteile.
Bei der Deutschen Bischofskonferenz gibt es z.B. einen Bischof der für die Jugendseelsorge zuständig ist, ich fände es gut, wenn auch für die Seniorenseelsorge ein Bischof zuständig wäre. Es gibt zwar viele alte Bischöfe, aber keinen Altenbischof.

WB: Was würden Sie Menschen sagen, die sich für Seniorenseelsorge interessieren?
Roland Joos: Sie haben Interesse an einem Beruf mit Zukunft.
Wenn sie gerne mit Menschen zu tun haben, das Evangelium verkünden und danach leben wollen, wenn Sie freundlich und hilfsbereit sind, dann ist Seniorenseelsorge für Sie der richtige Weg.