„Hilfsmissionsgesellschaft”

„Mutter Afrikas“

von Clemens Gütl

 

Maria Theresia, Ledóchowska ist am 29.4. 1863 in Loosdorf (Österreich) geboren. Sie entstammte der Beziehung des polnischen Grafen Antonius Ledóchowski und einer Schweizer Mutter. Sie wird die „Mutter Afrikas” genannt. 

Ihre Bedeutung für die Kirchengeschichte liegt vor allem in ihrem überragenden Engagement für die afrikanischen Missionen. 

Sie gründete 1894 eine „Hilfsmissionsgesellschaft”. Als Patron für ihre Organisation wählte sie den Jesuitenmissionar Petrus Claver und gab ihr den Namen „St. Petrus Claver Sodalität für die afrikanischen Missionen”. 

Die „St. Petrus Claver Sodalität” war keine Missionskongregation im engeren Sinn, d. h. sie entsandte selbst kein Personal ins Ausland. Ledóchowska hatte sich zur Aufgabe gestellt, in Afrika tätigen Geistlichen in Europa durch Spendensammlungen (Geld, (Alt-) Kleider, Kirchenausstattung, usw.) und einer intensiven Missionspropaganda (Missionsschriften, Vorträge, Ausstellungen) zu helfen. 

Einzigartig für eine Frau der damaligen Zeit und deshalb mit einigem Widerstand konfrontiert, gründete Ledóchowska in Salzburg eine Druckerei, in der sie Berichte der AfrikamissionarInnen, aber auch religiöse Schriften und Schulbücher in mehreren hundert afrikanischen Sprachen druckte, die für die Missionsarbeit nach Afrika verschifft wurden. Die Motivation für ihren intensiven Einsatz zur Förderung des Missionsgedankens in der Österreich-Ungarischen Monarchie hängt eng mit ihrem Engagement im Kampf gegen die Sklaverei, insbesondere gegen den arabischen Sklavenhandel in Afrika zusammen. Das tat sie unter Einsatz von so genannten Wandermuseen und eigenen Theaterstücken, die auf mehreren europäischen Bühnen aufgeführt wurden. Bereits im April 1889 hatte sie bspw. ihr Stück „Zaida, das Negermädchen” fertig gestellt. Unter dem Pseudonym „Alexander Halka”, in anderen Publikationen verwendete sie das Pseudonym „Africanus”, schrieb sie: „An Seine Eminenz den Cardinal Lavigerie. 

Ew. Eminenz! Im November vergangenen Jahres las der Unterzeichnete die herrliche Rede, welche Ew. Eminenz über Abschaffung der Sklaverei am 31. Juli 1888 in London hielt. Seit jenem für ihn denkwürdigem Tag beseelte ihn das glühende Verlangen, seine geringen Kräfte dieser schönen Sache zu weihen. Die Frucht dieses Verlangens ist das vorliegende Drama. Möge es ein wenigstes beitragen zur heiligen Begeisterung, welche Ew. Eminenz allerorts für den neuen Kreuzzug wachrufen. Mit diesem Wunsche legt der Autor Ew. Eminenz seine bescheidene Arbeit zu Füssen und bittet in aller Ehrfurcht um Ew. Eminenz Segen für den Erfolg. 

Wien, April 1889. 
Alexander Halka.” 

Das Manuskript zu diesem „Volksdrama in 5 Aufzügen” enthält den Hinweis: „Der Ertrag des Dramas ist dem Werk der Sklavenbefreiung gewidmet.” Ledóchowska organisierte und koordinierte die Aktivitäten der Sodalität zunächst von Maria Sorg bei Salzburg und dann von Rom aus. Zahlreiche Vortragsreisen führten sie in viele Orte Europas. Ihre Publikationen erschienen in mehreren Sprachen. Die in Salzburg und Wien errichteten ethnologischen Museen der Sodalität wurden 1938 leider unter dem Druck der Nazis aufgelöst. Zu diesem Zeitpunkt ging auch eine Vielzahl von Schriftstücken und Literatur verloren.

Maria Theresia starb am 6. Juli 1922 in Rom und wurde von Papst Paul VI. am 19. Oktober 1975, dem Missionssonntag des Heiligen Jahres, seliggesprochen. Ihr Festtag ist der 6. Juli.