|
Die Pfarrgemeinde Holzkirchen unterhält zusammen mit dem Kolping Bezirksverband Bad Tölz-Wolfratshausen-Miesbach eine rege und vielfältige Verbindung mit unterschiedlichen Einrichtungen und mit den Kolpingfamilien in der Provinz Misiones, Argentinien.
Misiones liegt im Norden von Argentinien und grenzt an Paraguay und Brasilien. Das Klima dort ist subtropisch und die berühmten Iguazu-Wasserfälle liegen auf ihrem Territorium. Die Bewohner dort blieben damals im Jahr 2000 nicht vom Zusammenbruch des Finanzsystems verschont. Im Gegenteil, Misiones als eine Randprovinz gehörte nie zu den Reichen. Folge war, dass die vormals so genannte Mittelschicht durch die Krise in die Armut rutschte und die zahlreichen schon damals am Existenzminimum lebenden nun seither noch mehr ums Überleben kämpfen müssen. Gerade die hohe Erwerbslosigkeit, mit kaum einer (oder gar keiner?) staatlichen Unterstützung verursacht extreme Exis-tenzprobleme. Nicht selten führt diese Perspektivlosigkeit auch zu Alkoholproblemen, welche wiederum die Chancen auf Arbeit mindern. Ein Teufelskreislauf, der viele Einzelschicksale kennt. Die Leidtragenden dieser Misere sind dabei vor allem Kinder und Jugendlichen. Unterernährung, Verwahrlosung und körperliche Übergriffe auf sie sind keine Seltenheit.
Projekte, die die Pfarrei Holzkirchen und der Kolping-Bezirksverband Bad Tölz - Wolfratshausen - Miesbach unterstützt sind deshalb auch gerade Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Diese Projekte haben auch eine Spendennummer und werden vom Päpstlichen Missionswerk der Kinder Aachen durch Zulage bei Spenden unterstützt.
Zu nennen sind hier unter anderem ein Mutter-Kind-Zentrum, in dem Babys bis hin zum Schulalter tagsüber Betreuung, Nahrung und Förderung erhalten. Das Kinderdorf „Jesus Niño“, in dem mittlerweile in vier Häusern um die 40 Kinder und Jugendliche ein Zuhause mit der dazugehörigen Zuwendung, Förderung und Bildung finden. Zwei Comedore (Armenspeisungen), durch welche über 100 Kinder täglich zumindest einmal eine Mahlzeit bekommen.
Die Projekte der Kolpingfamilien bieten vor allem Kurse und Ausbildungen, durch die den Teilnehmer zumindest eine Perspektive eröffnet, und somit auch ein Grundstein gelegt wird aus dem Teufelskreislauf auszubrechen. Die Kurse und Ausbildungen reichen dabei von Informatik über Schreinern hin zum Bäcker. Auch ganz unspektakuläre Aktionen wie das Erlernen der Geflügelzucht sind dabei. Sie sollen hel-fen die existenzielle Not ein wenig zu lindern. Gerade bei der letztgenannten Aktion, wird deutlich, dass dabei langfristig gedacht wird. Es soll eine Hilfe zur Selbsthilfe sein, in der die Kolpingfamilie nicht einfach nur der Geber ist, sondern auch die Teilnehmer mit in die Verantwortung für die gesamte „Familie“ hineingenommen werden. Konkret war dies z. B. bei der Hühnerzucht folgendermaßen: Familien bekamen 25 kleine Küken inklusive Anleitung und Futtermittel. Als die Hühner dann ausgewachsen waren, behielten die Familien 15 Stück für sich und 10 Stück gingen zurück an die Kolpingfamilie, so dass mit deren Erlös wieder neue Aktionen gestartet werden konnten.
Möglich ist diese vielfältige Unterstützung nur durch die verschiedensten Initiativen hier in Holzkirchen und Umgebung. So besteht auf Initiative und Begleitung von Pfr. Walter Waldschütz in Holzkirchen schon seit 15 Jahren ein Missionskreis, der u. a. durch die Veranstaltung von Flohmärkten, Musikabenden, der Vermarktung eines eigenen Kalenders, der Organisation von Patenschaften Geld vor allem für das Kinderdorf sammelt. Aber auch Schulklassen und der Kindergarten stehen mit dem Kinderdorf im Kontakt und erzielen bei verschiedensten Aktionen beachtliche Summen.
An dieser Stelle ist zu nennen, dass die Pfarrkirchenstiftung Holzkirchen eine Entsendeorganisation für den Missionarischen Dienst auf Zeit (MaZ) ist.
Jährlich werden hier zwischen 8 und 10 junge Menschen nach einer einjährigen Vorbereitung für ein Jahr nach Misiones entsandt. Die Vorbereitung und Begleitung dieser jungen Menschen geschieht neben den spirituellen Hilfen und den praktischen Diensten durch Pfr. Waldschütz, Pastoralreferentin Maria Thanbichler und 3 ehemalige MaZler: Franz Späth, Dipl. Theol und Dipl. Soz.Päd.; Annemarie Nefzger, Erzieherin und Rel. Päd.; Matthias Hackl, Geologe. Die frühere Mitarbeiterin in dieser Projektgruppe, Monika Steinberger, Dipl. Theol. ist inzwischen in den Orden der Steyler Missionarinnen eingetreten.
|
In Misiones arbeiten die Jugendlichen in den genannten Projekten kostenlos. Sie wollen hier ihren Grundsatz verwirklichen und dadurch auch einen Friedensdienst leisten. Auch wenn die Menschen vor Ort ebenso ohne die Arbeit der jungen Leute von hier gut auskommen würden, so ist diese Hilfe doch eine unterstützende und entlastende. Zudem ist dieser Dienst als Missionar auf Zeit ein sprechendes Zeichen der Verbundenheit und nicht zuletzt kehren die MaZler mit einer Erfahrung nach Hause, die zumeist das weitere Leben des jeweiligen sowie die unmittelbare Umgebung hellhörig werden lässt für die Probleme und Fragestellungen der Einen Welt. Und immer wieder bleiben MaZler und ihre Heimatgemeinden den Menschen in Misiones durch Unterstützerkreise in einer speziellen Weise verbunden. Hier könnte man viele Projekte nennen, wie z.B. den Anbau einer Kinderklinik, der allein durch die Initiative einer ehemaligen MaZlerin geschehen konnte. So können Mütter aufgeklärt und Kinder behandelt werden. Daneben gibt es viele weitere Einzelpersonen, die auf die Projekte und Patenschaften aufmerksam wurden und durch Sach- oder Geldspenden das Ihre für ein besseres Leben von vielen Menschen in Misiones beitragen. Eine Anwaltskanzlei aus München trägt inzwischen Sorge, dass täglich 100 Kinder einmal am Tag ein warmes Essen bekommen, durch die Vermittlung und Infor-mation eines ehem. MaZlers.
Das Hauptprojekt ist das Kinderdorf in Puerto Rico. Bereits seit 15 Jahren ist die Pfarrei Holzkirchen Trägerin dieses Projektes. Durch Familienpatenschaft, Sternsingeraktion, viele wertvolle Einzelspenden und Gönner, aber auch durch großen Einsatz des Missionskreises bringt die Pfarrei hier jährlich 65.000 Euro auf, damit die Kinder dort leben können, gut betreut werden, versichert sind und auch eine gute Ausbildung bekommen. Die wirtschaftliche und politische Situation in Argentinien ist nicht gerade gut, der Staat dort kann fast gar keine sozialen Leistungen für die Gesellschaft erbringen und die Gehälter der Menschen dort sind niedrig. Außerdem gibt es viele Kinder die verwahrlosen und keine ausreichende Schulbildung erhalten. Das Kinderdorf Puerto Rico versucht solchen Kindern eine Heimat und eine Chance für eine bessere Zukunft zu geben. Geld allein aber ist es auch noch nicht. Gerade der Dienst der MaZler, wenn jährlich bis zu drei junge Menschen hier helfen, den Kindern eine neue Chance zu geben, verwirklicht, was A. Kolping sagt: Tue jeder in seinem Kreise das Beste, dann wird sich die Welt verändern.
So sind viele Christen hier in Holzkirchen und andere Unterstützer auch dankbar und etwas stolz, dass durch diesen Dienst ein weltkirchlicher Auftrag durch die Pfarrei erfüllt wird und dass so ein anderes und neues Bewusstsein für Weltkirche geschaffen wurde.
Es ist wirklich auch wertvoll, dass durch diese lebendige Beziehung der Pfarrei und dieses Missionarischen Dienstes die freundschaftliche Beziehung sich so weit ausgeweitet hat, dass heuer bereits zum zweiten Mal ein Feuerwehrfahrzeug nach Misiones gesandt werden konnte, um hier auch zu helfen, dass weniger Menschen durch Brände und Verkehrsunfälle sterben müssen. Im August werden 10 Feuerwehrleute (8 aus Holzkirchen und 2 aus Miesbach) aufbrechen, um dort die Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehr in den gestifteten gebrauchten Rüstwagen einzuführen und die Leute dort zu schulen.
Im letzten Jahr war es dann so weit, dass sich die Patenschaft von einer bis dahin noch ungekannten Seite zeigte. Nicht Deutsche flogen nach Argentinien, sondern argentinische Jugendliche aus den jeweiligen Kolpingfamilien kamen zum Weltjugendtag nach Deutschland und besuchten auch Holzkirchen. Dieses Mal waren sie es, die mit ganz vielen Eindrücken und Anregungen heimkehrten.
Vergessen werden darf auch nicht das Gebet, welches auf beiden Seiten den Patenschaften und Freundschaften ein Fundament gibt und sie stützt und eine tiefe Verbindung schafft.
Die nahezu 80 Jugendlichen, die inzwischen über Holzkirchen diesen Dienst geleistet haben, haben sich nicht nur selbst verändert, sondern haben ein Stück weit die Welt um sich verändert.
Kontakt
Katholisches Pfarramt Holzkirchen
Pfr. Walter Waldschütz
Pfarrweg 3, 83607 Holzkirchen
Tel.: 08024-995719
Bankverbindung
Kath. Pfarrkirchenstiftung Holzkirchen
Raiffeisenbank Holzkirchen-Otterfing
Konto: 8486 BLZ 701 694 10
MaZ-Projekt
|