Ein Jahr für geistliche Berufungen im Bistum Passau 2006/07 

„Da steckt noch mehr drin!“

von Dr. Hans Bauernfeind und Sr. Chiara Hoheneder

 

Zum 1. Adventssonntag 2006 eröffnet unser H. H. Bischof Wilhelm Schraml ein Jahr für geistliche Berufungen. Alle Gläubigen lädt der Passauer Bischof ein, sich der Sorge um geistliche Berufungen zuzuwenden.

In seinem Vorwort betont er, dass die lebendige Kirche aus der Vielfalt der Berufungen lebt. In dieser Vielfalt haben die geistlichen Berufungen einen besonderen Platz. Mit Sorge und Hoffnung hebt er hervor, dass wir im Bistum Priester, Diakone und Ordenschristen brauchen.
Er erinnert uns daran, gemeinsam von Jesus Christus beauftragt zu sein, uns um geistliche Berufungen zu kümmern.

Das Jahr für geistliche Berufungen ist in das Kirchenjahr eingebettet. 
In drei zeitlichen Phasen entfalten wir das Verständnis der Berufung. 

Christus beruft Menschen, ihre Menschlichkeit anzunehmen und so zu leben, dass sie immer mehr dem Bild Gottes entsprechen, zu dem er sie geschaffen hat. 
Als Menschen beruft er uns, Christen- und Christinnen zu werden und zu sein. Christen sind berufen füreinander und für jeden Menschen im Geiste Jesu zu wirken. Zu dieser gelebten Berufung gehören u. a. der ehrenamtliche und hauptamtliche Dienst in der Kirche. 
Eine Kirche, in der die Berufung zum Christsein gelebt wird, wird immer auch die Berufung zum Menschsein fördern. 
Eine Kirche, in der die Berufung zum Christsein gelebt wird, wird sich zugleich um geistliche Berufungen sorgen. 
Durch die sakramentale Weihe vergegenwärtigen der Priester und der Diakon in ihrer je eigenen Person die Gegenwart Christi in Kirche und Welt und sie stärken alle Christen, die frohe Botschaft zu leben. 
Ordensmänner und Ordensfrauen erinnern uns in ihrem Leben nach den evangelischen Räten der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams an Christus, der auch heute in dieser Welt gegenwärtig ist. Zugleich nehmen sie die Welt in ihr Gebet hinein. 

Wenn wir den Schwerpunkt dieses Jahres auf die Berufung zum geistlichen Dienst legen, dann wollen wir alle Gläubigen auf die Bedeutung der Sakramentalität der Kirche und die Nachfolge im geweihten Leben hinweisen. 

Wir nehmen heute wahr, dass die Berufung zum geistlichen Dienst immer spärlicher wird und stellen uns die Frage, warum dies so ist. Wir glauben nicht, dass der Ruf Jesu nachgelassen hat. Vielmehr entdecken wir immer mehr, dass das tägliche Leben für den Ruf Christi unempfänglicher macht. Umso wichtiger ist es uns, durch gemeinsames Gebet, durch Informationsveranstaltungen, durch viele Begegnungen von und mit Jugendlichen, durch geistliche Einkehr, durch Materialien und Medien und durch viele weitere Initiativen in diesem Jahr für den Ruf Christi neu aufmerksam zu machen. Mit Hilfe von drei Bonheften werden diese Angebote für die Menschen im Bistum zugänglich und sie können sich mit ihnen persönlich auseinandersetzen. 

Immer leiten uns dabei folgende vier Ziele:

Gemeinsam werden wir, 
1. den Berufungsbegriff als Schlüsselwort der Kirche im Bistum Passau tiefer beheimaten;
2. die Freude an der Vielfalt und an der je eigenen Berufung entdecken;
3. die Mitverantwortung an der Berufungspastoral erkennen und wahrnehmen;
4. geistliche Berufungen fördern und wecken.

Für uns steckt in diesem geistlichen Jahr eine große Erneuerungskraft für die Kirche. 

„Da steckt noch mehr drin“