Weltjugendtag

und Berufungspastoral

von Dr. Peter Birkhofer, Direktor des ZfB Freiburg

Wer die Statistiken der deutschen Bistümer und Ordensgemeinschaften anschaut, muss erschrecken angesichts der dramatisch zurückgehenden Zahlen der an einem geistlichen Beruf Interessierten. Ein Blick über die innerkirchlichen Statistiken hinaus zeigt, welch eklatanter Umbruch im kirchlichen Leben sich abzeichnet.

Für die Berufungspastoral ist dabei die Hoffnung prägend, die weiß, dass Gott mit seinem Wort und Ruf zwar ein sicheres Ziel auch in Zeiten des Umbruchs verheißt, aber im Aufbruch nicht schon ein ruhiges Leben schenkt. Weil das Wagnis der Nachfolge auch in solchen Zeiten lohnend ist und Zukunft eröffnet, will die Berufungspastoral das Interesse an Gott wach halten bzw. neu wecken, damit im Alltag Gott entdeckt werden kann. In aller Nüchternheit müssen dabei die Zahlen wahrgenommen und den sich abzeichnenden Entwicklungen ins Auge geschaut werden. Die demoskopischen Erhebungen und soziologischen Untersuchungen machen deutlich, dass die Fragen nach geistlichen und kirchlichen Berufen eingebettet sind in das komplexe Gefüge von kirchlichem und gesellschaftlichem Leben. Dabei zeigen die verschiedenen Umfragen, dass bei aller Kritik an Kirche das Ansehen konkreter Zeugen dennoch sehr hoch ist. Es kommt auf die Begegnung mit glaubwürdigen Christen an – „Berufung entzündet sich an Berufung". Deswegen versinkt Berufungspastoral nicht in resignativem Schweigen sondern will Berufung als Lebensprogramm ins Gespräch bringen und Mut machen, das Wagnis der Nachfolge, das Zukunft eröffnet, einzugehen.

Das Jahr 2005 steht für die Berufungspastoral unter dem Leitwort „Christus begegnen – Berufung erkennen". Jede Begegnung ist zunächst einfach das Zusammentreffen, die Konfrontation mit dem anderen. Im biblischen Denken ist gerade die Begegnung mit Gott die Geburtsstunde der Berufung. Aus der Begegnung mit Ihm kann Vertrauen wachsen, können Entscheidungen getroffen und Nachfolge gewagt werden.

Solche Begegnungen sind nicht planbar oder gar machbar – echte Begegnung ist immer Geschenk.

Ein besonderes Geschenk der Begegnung war für uns in Deutschland der XX. Weltjugendtag im August in Köln. Unter dem Leitwort, „Wir sind gekommen, um IHN anzubeten", sind junge Menschen aus der ganzen Welt nach Deutschland gekommen, um ein Fest des Glaubens zu feiern, um Christus zu begegnen in der Feier der Sakramente, im Hören auf sein Wort und im zwischenmenschlichen Miteinander.

Unter dem Leitwort „vocation-face-to-face" (Berufung von Angesicht zu Angesicht) hat die Berufungspastoral im Geistlichen Zentrum des Weltjugendtages zur Begegnung – zur Begegnung untereinander und vor allem mit Jesus Christus in der Feier der Eucharistie, der Anbetung, dem Sakrament der Versöhnung und im persönlichen Gespräch – eingeladen.

Die Vorbereitungen für diese Tage waren geprägt von folgenden Gedanken: Gottes schöpferisches Wort hat den Menschen ins Dasein gerufen. In der Taufe ruft Gott durch die Zusage seiner Liebe den einzelnen in seine Nähe. Durch den Ruf in die Nachfolge macht Gott dem einzelnen Mut, sich zu entscheiden.

Auf diesem Hintergrund ist es unsere Hoffnung, dass durch die Begegnungen in Köln Berufung als Lebensprogramm wieder neu ins Gespräch kommt, dass Menschen den Ruf Gottes hören, die eigene Berufung entdecken und voll Vertrauen die Entscheidung für das Leben wagen.

Weil dies nicht einfach gemacht werden kann, sondern immer Geschenk Gottes ist, kommt dem Gebet eine sehr hohe Bedeutung zu, wie es das Weltjugendtagsmotto deutlich macht: „Wir sind gekommen, um IHN anzubeten" (Mt 2,2). Tag und Nacht war die Krypta der Basilika St. Gereon für das Gebet geöffnet. Sinnbildlich veranschaulicht dies, dass die Begegnung mit Jesus Christus in der eucharistischen Anbetung das Fundament für unser Kirche-Sein und alle Aktivitäten in um die Kirche darstellt.

Daher ist es auch das Anliegen der Berufungspastoral die Gebetsgemeinschaft (PWB), die sich seit nahezu achtzig Jahren regelmäßig zum Gebet im Anliegen der geistlichen Berufe und kirchlichen Dienste trifft, zu unterstützen. Es ist unser Wunsch, dass durch die Tage in Köln und die vielen Treffen und Veranstaltungen vorher und nachher diese Gebetsinitiative gestärkt werde, damit in unseren Gemeinden das Gebet um Berufungen nicht verstummt.

Wenn uns das gelingt, wenn durch den XX. Weltjugendtag Berufung zum Thema in den Gemeinden und beim Einzelnen und vor allem zum Anliegen des Gebetes wird, dann brauchen wir keine Angst vor Statistiken, sinkenden Zahlen oder zurückgehenden Finanzmitteln haben – denn die Begegnung mit Jesus Christus schenkt Vertrauen und macht Mut, mit IHM die Zukunft zu wagen.