„Ganz beim Herrn sein"

von Marietheres Lehmann-Dronke, ZfB Freiburg

„Fahr hinaus!" (Lk 5,4) – das Wort des Herrn ermutigt, wieder ganz neu aufzubrechen. Schon jetzt freue ich mich sehr auf die Menschen, denen ich begegnen werde und mit denen ich mich gemeinsam auf den Weg machen werde, um Gott zu suchen und zu finden.

Was die Berufungspastoral betrifft, so wird mir diese weiterhin – ich werde schwerpunktmäßig mit jungen Menschen arbeiten – ein wirkliches Herzensanliegen bleiben.

Mir fallen hierzu folgende 8 Punkte ein:

1. Gebet – ganz beim Herrn sein

Mit welchen Menschen auch immer ich in Kontakt sein werde und wie auch immer meine Arbeit aussehen wird: alles soll im Gebet seinen Anfang nehmen. Wichtig ist das Wort des Herrn „Ohne mich könnt ihr nichts tun!" (Joh 15,4) – ich ergänze es für mich: wir brauchen auch nichts ohne den Herrn zu tun! In der (Berufungs-)Pastoral ist eine lebendige Freundschaft zu Jesus Christus unerlässlich. Das sich aus dieser Freundschaft mit Christus ergebende Sich-Verschenken, die „Berufung zur Heiligkeit", ist ja Grund und Ziel jedes christlichen Lebens und auch Basis für eine spezifische Berufung.

2. Wach sein – Lebendiges in der Kirche wahrnehmen

Wer wach und offen ist, der wird viel neues Leben in der Kirche wahrnehmen. In mancher Gemeinde sind das einzelne Bibelkreise, ermutigende Predigten des Pfarrers oder schöne Jugend- und Familiengottesdienste. Mancher bekommt außerdem mit, dass Jugendliche Hunderte von Kilometern zurücklegen, um in geistlichen Zentren, auf Wallfahrten, Weltjugendtagen oder in neuen geistlichen Bewegungen Gleichgesinnten zu begegnen. Es gibt sehr viele Neuaufbrüche! Mithelfen möchte ich, dass junge Menschen diese lebendigen Orte in und außerhalb der Pfarrgemeinde kennen lernen. Und vielleicht wird der eine oder die andere dann auch entdecken, dass Gott etwas sehr Schönes und Großes mit ihm oder ihr vorhat.

3. Weltkirche – den Blick über das eigene Land hinaus weiten

Beim XX. Weltjugendtag ist - auf Einladung des Papstes - die Weltkirche bei uns zu Gast gewesen. Wir sind jungen Menschen begegnet, die sehr viel investiert haben, um wenigstens einmal auf einem Weltjugendtag gewesen zu sein. Wir sind vielleicht auch Jugendlichen, Seminaristen, Priestern und Ordensleuten begegnet, die nach dem WJT in ein Land zurückkehrt sind, wo es nichts oder nur wenig zum Leben gibt. Vielleicht wird uns das noch mehr herausfordern, Sorge zu tragen, dass es Heilige auch unter den Politikern, den Wirtschaftsleuten, den „Großen" in der Welt geben muss. Die Welt kann besser werden, wenn jeder Christ den tiefen Wunsch hat, alles für Christus und für den Aufbau des Reiches Gottes einzusetzen.

4. Öffentlichkeitsarbeit – Medien nutzen

Ein wichtiger Weg könnte hier sein, dass wir uns als Christen noch mehr in die ganz normalen „Alltagsmedien" mischen. Wie viele Menschen haben heute kein Geld und keine Zeit für eine Tageszeitung. Aber wie viele von diesen, wir nennen sie „die Masse", lesen Sonntagsblättchen und hören viel Radio. Wenn mehr und mehr Geistliches und etwas zu den geistlichen Berufen und kirchlichen Diensten auch in diese „Massenblättchen" oder „Massensender" käme, dann können ungeahnt noch sehr viel mehr Menschen mit der Frohen Botschaft in Kontakt kommen. Im Blick auf die Berufungsfrage scheint das Medium Internet für erste Kontaktaufnahmen ein geeigneter - weil „geschützter" - Raum zu sein. Nichtsdestotrotz bleibt aber die persönliche geistliche Begleitung auf dem Berufungsweg entscheidend.

5. Berufung konkret ins Wort nehmen

Bei diesem Punkt hoffe ich, dass ich - wenn ich in Zukunft wieder mehr mit Jugendlichen in Kontakt sein werde - den Mut haben werde, auch ganz konkret das Thema „Priestertum" oder „gottgeweihtes Leben" anzusprechen. Wie sehr bleibt mir das in Erinnerung, was ich früher in der Gemeinde erlebt habe. Ich habe manch einen Jungen konkret angesprochen, ihm konkret gesagt, dass ich mir ihn gut als Priester vorstellen könnte. Viele haben sich darüber gefreut und haben mir den Wunsch, Priester zu werden auch anvertraut - für sie alle bete ich von Zeit zu Zeit.

6. Lebendige Glaubenszellen bilden und auf diese aufmerksam machen

Es wird auch in Zukunft Familien geben, in denen morgens und abends mit genügend Zeit gebetet wird, in denen sowohl gefastet als auch gefeiert wird. Junge Erwachsene werden sich zu Gebetskreisen zusammen schließen. Es sind Kreise - es gibt sie schon jetzt-, die oft keinen offiziellen Charakter haben. Es wird auch Pfarrgemeinden geben, in denen jeder spürt, dass es ein Zentrum gibt: Jesus Christus. In diesen Gemeinden, die sich versammeln, um immer wieder neu in der Eucharistie den Herrn als Mittelpunkt von allem zu feiern, wird es einerseits eine starke Sehnsucht geben, dass viele Menschen etwas über Jesus Christus erfahren. Und andererseits wird es dort Junge und Alte geben, die – weil sie aus der Eucharistie leben - tief in ihrem Inneren erkennen, wie sehr die Kirche (gute) Priester braucht und wie wichtig es ist, dass alle zusammen den Herrn verkünden.

7. „Wer Menschen gewinnen will, muss das Herz zum Pfande einsetzen" (Adolph Kolping)

Nicht zuletzt ist es Adolph Kolping, den ich mit dem obigen Zitat zum Schluss zu Wort kommen lassen möchte. Dies deshalb, weil ich mich - meine Einsatzstelle wird in Kerpen, dem Geburtsort A. Kolpings sein - dem Weltjugendtagspatron Adolph Kolping sehr verbunden fühle. Auch schätze ich sehr, was er über das „Menschen gewinnen" gesagt hat. Nur derjenige, der wirklich sein Herz einsetzt in der (Berufungs-)Pastoral, in seinem Beruf, in seiner Berufung, wird „Durststrecken" aushalten und Menschen für Gott begeistern und gewinnen können.