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Akademiearbeit mit jungen Leuten Das Privileg weniger Jahre Ruth Jung, Junge Akademie, Katholische Akademie in Bayern, München |
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Die
Katholische Akademie in Bayern, München, geht neue Wege,
um junge Menschen, Oberstufenschüler/-innen und
Studierende anzusprechen. Dafür wurde eine eigene Stelle
zum Aufbau der „Jungen Akademie" eingerichtet. Die
Münchner Akademie ist bislang die einzige in der
Bundesrepublik, die solche Angebote grundsätzlich nicht
für feste Gruppen aus Schulen und Verbänden gestaltet,
sondern offen ausschreibt. Der WEGBEREITER sprach mit Ruth
Jung (27), die als Wissenschaftliche Mitarbeiterin für
die „Junge Akademie" verantwortlich ist. WEGBEREITER: Ruth Jung: Ausgerechnet der Referent, den ich am längsten gejagt habe, sagte ab. Dann hat es bei der Bergtour in Strömen gegossen, schließlich ist eine Teilnehmerin umgekippt. Das sind die Sachen, die man sich als Tagungsleitung zwar vorstellen kann, von denen man aber immer denkt, dass sie einem nie passieren. Aber ansonsten, die Tagung selber – inhaltlich und stimmungsmäßig - ist gut gelaufen, eine der schönsten, die ich bisher geleitet habe.WB: Zum Programm gehörte eine Bergtour?Ruth Jung: Ja. Wir probieren immer wieder neue Veranstaltungsformen aus, die junge Leute ansprechen. Diesmal hatten wir ein sehr persönliches Thema. Der Titel war: „AusLeben! Lebenskunst und -konzepte". Dazu wählten wir zwei unterschiedliche Veranstaltungsorte, einmal die Evangelische Akademie Tutzing, mit der zusammen wir diese Tagung organisierten , und die Willersalm bei Hindelang, deshalb die Bergtour.WB: Und was war der Inhalt der Tagung?Ruth Jung: Das Thema hat sich relativ schnell auf die Frage nach dem Glück zugespitzt. Was ist das Glück? Was heißt glücklich sein, und was heißt Glück haben? Es war interessant, wie sich die Referent/inn/en, die sowohl biografisch als auch wissenschaftlich für ganz unterschiedliche Per-spektiven standen , in einem großen Plädoyer für das Individuum trafen - politisch, philosophisch, theologisch und psychologisch. So entstand ein roter Faden, den wir gar nicht erwartet hatten. Das ist schön, wenn man merkt, dass die Referenten zusammenkommen, sich untereinander gut verstehen und sich dann fast wie Teilnehmer einbringen. Das ist auch der Vorteil einer solchen Tagung mit jungen Leuten, bei der die Grenzen zwischen Referenten, Tagungsleitung und Teilnehmern ins Schwimmen kommen, so dass es dann oft ziemlich lustig zugeht.WB: Wie viele Teilnehmer waren es?Ruth Jung: Wir hatten 27 Teilnehmer. Dazu kamen eine ganze Reihe Referenten und mein Kollege Ulrich Dettweiler von der Evangelischen Akademie Tutzing und ich als Tagungsleitung, so dass wir die ganze Zeit über etwa 35 Leute waren. Das war für das Thema und den Aufbau der Tagung ideal.WB: Haben Sie das Ziel der Tagung erreicht?Ruth Jung: Ja, absolut würde ich sagen. Ziel der Tagung ist immer, keine fertigen Sachen zu servieren, sondern die Leute zum Nachdenken zu bringen. Allein schon an den Diskussionen hat man gemerkt, dass die Tagung etwas in Bewegung gesetzt hatte. Am ersten Abend auf der Hütte haben die Leute noch bis Mitternacht diskutiert, sich gut unterhalten und viel gelacht – und das, obwohl wir alle klitschnass angekommen waren, weil wir zwei Stunden Dauerregen hatten. |
WB: Wie ist es ihnen selber ergangen, hat es Ihnen Spaß gemacht? Ruth Jung: Ja, sehr. Das war eine der Tagungen, bei der man merkt, dass das einerseits ein Wahnsinns-Job ist, und andererseits natürlich das Privileg weniger Jahre. Ich glaube, schon wenn jemand Mitte/Ende 30 ist, funktioniert das nicht mehr so, wie es jetzt gerade funktioniert. Der Reiz ist, dass man in der „Jungen Akademie" keine Berührungsängste zwischen Tagungsleitung und Teilnehmern hat. Mal salopp gesagt, man macht mal den Hampelmann, muss halt alles organisieren, kümmert sich um das Haus, kümmert sich um die Referenten, kümmert sich um die Teilnehmer, aber andererseits, wenn man dann abends beim Wein sitzt, ist man auch ganz persönlich gefragt. Außerdem finde ich schön, dass ich mit enorm vielen interessanten Leuten in Kontakt komme, ich sie schlicht und ergreifend einladen kann. Ich rufe einen Dietmar Mieth an, und der kommt dann auch. WB: Was ist Ihnen in Ihrer Arbeit wichtig?Ruth Jung: Mir ist wichtig, dass das hier ein Ort ist, an dem man Kirche auf eine sehr offene Art erleben kann. Wo sich Kirche einmischt in alle politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Diskussionen dieser Zeit, wo man den Standpunkt der Kirche oder zuerst einmal den christlichen Standpunkt hören kann. Es geht mir um ein Angebot auf möglichst hohem Niveau. Wobei ich nicht meine, dass ich zu jedem aktuellen Thema eine Veranstaltung machen muss, sondern zu den Themen, von denen ich glaube, dass unser Menschenbild in Frage steht; wo ich denke, dass wir uns als Christen oder Kirche zu Wort melden sollten oder uns vielleicht schon längst gemeldet haben und eben diesen Standpunkt nach außen tragen können.WB: Es ist ihnen ein Anliegen, Kirche ins Gespräch zu bringen, das heißt, Kirche ist ihnen wichtig. Wie ist es dazu gekommen?Ruth Jung: Wir sind zu Hause eine große Familie, vier Kinder und, was vielleicht nicht unwichtig ist, ich komme nicht aus Bayern, sondern aus Ludwigshafen am Rhein, vielleicht ein etwas härteres Pflaster. Unsere Eltern haben uns, glaube ich, auf eine ganz gute Art den Glauben nahe gebracht, das heißt, sie haben das eben selber gelebt, nicht großartig thematisiert. Seit ich acht Jahre alt war habe ich mich in der kirchlichen Jugendarbeit bei den Ministranten engagiert und dort alles Mögliche gemacht, in der Pfarrei, im Dekanat, in der Diözese. Das hat dann mit dem Abitur ein abruptes Ende gefunden.Im Studium hatte ich dann die Chance, ins Cusanuswerk zu kommen, die Begabtenförderung der deutschen Bischöfe. Das war für mich enorm wichtig. Hier konnte ich die Auseinandersetzung, die in der Schulzeit angefangen hatte, mit ganz anderen Leuten fortsetzen. Die Veranstaltungen im Cusanuswerk haben mich natürlich auch für die Arbeit hier inspiriert: immer möglichst interdisziplinär, mit jungen bzw. wichtigen Referenten und mit genügend Platz für Kreativität und Spaß. WB: Haben Sie Theologie studiert?Ruth Jung: Nein, ich bin Historikerin.WB: Sie haben also zunächst gar nichts mit Theologie zu tun? Ruth Jung: Nein, nur ein bisschen, insofern einer meiner Brüder Priester geworden ist.WB: Wird Ihr Glaube und Ihre Kirchlichkeit nicht auch in Frage gestellt in der Konfrontation mit den Wissenschaften und den kritischen Anfragen unserer Zeit?Ruth Jung: Von einer radikalen Infragestellung bin ich persönlich bis jetzt verschont geblieben. Also sagen wir mal so, die Fragen, in denen man gerade als Frau berechtigtermaßen mit dieser Kirche in Konflikt geraten kann, z.B. das Frauenpriestertum, haben bei mir bis jetzt noch nie die innere Überzeugung in Sachen Glaube oder Katholizität in Frage gestellt. Da kann man sich noch so ärgern, aber das ist doch etwas anderes. Und die konkrete Arbeit hier eröffnet einfach noch mal einen viel weiteren Blick für den Namen Kirche, für alles, was da so passiert, politisch, weltkirchlich und so weiter …Das Gespräch führte P. Konrad Werder SDS |
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