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Bernhard Scholz, Dipl.-Theol. M.A., Augsburg Erwachsenenbildung ist meine Berufung Als Bildungsreferent für die kath. Erwachsenenbildung in Augsburg verantwortlich |
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Die
größeren Städte und die Landkreise haben jeweils eigene
Katholische Bildungswerke. Sie bieten selbst größere
Veranstaltungen an und unterstützen und begleiten die
Erwachsenenbildung auf Gemeinde- und Dekanatsebene.
Bernhard Scholz (47) ist als Bildungsreferent für die
kath. Erwachsenenbildung in Augsburg verantwortlich. Er
ist verheiratet und hat einen Sohn. Zusammen mit
Kolleginnen und Kollegen plant und gestaltet Scholz das
Programm für die Stadt Augsburg und arbeitet mit den
Ehrenamtlichen zusammen, die vor Ort für die
Erwachsenenbildung verantwortlich sind. Darüber hinaus
ist er auch selbst als Referent mit dem Schwerpunkt „Weltreligionen"
tätig . Dabei ist es ihm zur Zeit ein besonderes
Anliegen, in die Welt des Islam einzuführen und etwa auf
die Frage einzugehen, wo die Gefahren liegen. Für das
Ende des Winter/Frühjahr-Programms organisierte Scholz
einen Abend mit dem Thema: „Wenn es im Leben anders
kommt als man denkt …" Referent war Pfarrer Dr.
Hubert Kranzfelder, Klinikseelsorger in Augsburg. Der
WEGBEREITER besuchte die Abendveranstaltung und sprach mit
Bildungsreferent Scholz. Erfahrung
macht glaubwürdig
Schon nach dem
ersten Satz von Dr. Kranzfelder wird es ganz still im
Saal: „Wo wirkliches Leid geschieht, helfen Worte nicht
weiter, deswegen fällt es mir auch nicht leicht, darüber
zu sprechen." Dr. Kranzfelder weiß, wovon er
spricht, und das merken die Leute sehr schnell. Seit 20
Jahren ist er in Augsburg Klinikseelsorger. In dieser Zeit
hat er auch das Haus „Tobias" aufgebaut zur
Ausbildung aller, die im Klinikbereich tätig sind, so
auch der vielen, die sich ehrenamtlich im
Krankenbesuchsdienst engagieren. Er ist über Augsburg
hinaus ein anerkannter Fachmann, aber bei aller Kompetenz
hat er die Fähigkeit zum Mitfühlen nicht verloren. So
hält er auch keinen wissenschaftlichen Vortrag, sondern
bevorzugt Beispiele, die er selbst erlebt hat. Etwa
dieses: Er wird in die
Intensivstation gerufen, weil ein Kind verstorben ist. Er
trifft die Eltern an, die Mutter hält das tote Kind in
ihren Armen. Erstarrung vor Schmerz. Hilflosigkeit und
Tränen auch bei den Krankenschwestern. „Da war es
wichtig, dass ich einfach da war, da geblieben bin, dass
ich mit den Eltern den Schmerz ausgehalten habe. Und ich
habe meine Hände auf sie gelegt, bin ganz konkret mit
ihnen in Kontakt getreten. Nach einer Weile konnten die
Eltern wieder etwas sagen, das war schon viel wert",
so schildert der Seelsorger diese dramatische Situation.
Und er zitiert, wie der Vater sich später äußerte, dass
er nie gedacht habe, dass ein Pfarrer in eine solche
Situation hineingehe, vor allem aber sagte der Vater: „In
dieser Begegnung ist etwas gewachsen, was Zuversicht
genannt werden kann, dass das Leben weitergehen
kann." Den Schmerz mit
jemandem aushalten, das sei das Schwierigste für den
Begleiter, aber darauf komme es an, kluge Ratschläge
seien hier fehl am Platze. Zuversicht wachse, wenn jemand
da bleibe, bis er merke, dass neues Leben entsteht, so Dr.
Kranzfelder und wörtlich: „Die Hoffnung, dass so etwas
entsteht, ist mein Teil als glaubender Mensch." |
Atmosphäre des Vertrauens Aber Dr. Kranzfelder ist kein Referent, der zuerst seinen Vortrag hält und dann eine Aussprache anschließt, die vom Veranstalter moderiert wird, die Beteiligung des Publikums gehört vielmehr schon zu seinem Referat. Unsere Zeit sei oft dabei, Leid auszublenden, aber das sei nicht möglich. „Wir müssen die Illusion einer heilen Welt loslassen und das Leben anschauen wie es ist", so Dr. Kranzfelder, mehr noch, „es ist unsere Aufgabe, ins Leid hineinzugehen, wenn es uns trifft." Da stellt er fast unvermittelt die Frage an seine Zuhörer: „Was machen sie, wenn sie dem Leid begegnen?" Offensichtlich hat der Referent das Vertrauen der Besucher schon gewonnen und eine Atmosphäre geschaffen, die es Einzelnen ermöglicht, sich zu öffnen, denn es gibt gleich eine ganze Reihe von Wortmeldungen: Ich schiebe es weg und versuche wieder zu lachen, denn dann komme ich auch bei den Leuten wieder besser an; ich bete den Psalm 23: Der Herr ist mein Hirte … muss ich auch wandern durchs finstere Tal, ich fürchte mich nicht, denn du bist bei mir; wichtig ist eine Aufgabe, die mich ganz in Beschlag nimmt; ich gehe in die Natur, suche Freude in der Kunst … Schließlich vertieft Dr. Kranzfelder das Thema biblisch, spirituell. Er zitiert das klassische Beispiel des Alten Testaments, wie ein gläubiger Mensch mit Leid umgehen kann, nämlich Ijob. Er deutet die Erfahrung, dass im Aushalten und Anschauen von Leid neues Leben wachsen kann, aus der christlichen Hoffnung: „Ganz am Grund geschieht das Wunder, das nach oben führt, geschieht Auferstehung." Mit einem anderen Aspekt spitzt er das Thema zu. Wir hätten uns heimisch gemacht in dieser Welt, die Bibel aber spreche vom Reich Gottes. Dieser neuen Welt aber stünden oft unsere geliebten Verhaltensmuster im Weg. Wenn wir sie nicht freiwillig loslassen, werden manche schmerzlich herausgerissen, die Bibel spreche dann von Drangsalen. So könne dieses Leid schon der Anfang des Reiches Gottes sein, darauf deuteten ja auch die Seligpreisungen hin, etwa „selig die Trauernden". Und Dr. Kranzfelder wagt die provokative Aussage: „Das Leid ist vielleicht sogar das Hoffnungszeichen, dass Gott am Wirken ist." Diese Aussage ist Herausforderung genug, um mit den Teilnehmern wieder ins Gespräch zu kommen. Es regt sich Widerspruch in der ersten Wortmeldung: „Das ist vielleicht für den Begleiter anders als für den Betroffenen". Die Frau erzählt von ihrem Schicksal, das sie schwer getroffen hat. Nach einigen Beiträgen dazu tritt Stille ein. Betroffenheit. Aber das Gespräch, die Atmosphäre entgleitet dem Referenten nicht: „Schön, dass sie es uns erzählt haben, sie haben gemerkt, wir haben alle mit großen Ohren zugehört", so leitet er zu weiteren Wortmeldungen über. Betroffenheit statt Wissenschaft Er sei nicht oft für die Erwachsenenbildung tätig, seine Aufgabe sehe er vor allem in der Begleitung von einzelnen, mehr noch von Gruppen, das mache ihm auch am meisten Freude, so sein erster Kommentar zu diesem Abend. In seinem Haus „Tobias" biete er auch offene Veranstaltungen an, das sei dann auch Erwachsenenbildung. Bei Vorträgen gehe es nicht so sehr darum, Wissenschaft zu vermitteln, sondern Betroffenheit herzustellen. „Dazu ist es wichtig, auch sich selber einzubringen mit der eigenen Betroffenheit, die eigene Betroffenheit zuzulassen", so seine Erfahrung. Dann könne in einem Vortragspublikum ein Vertrauen entstehen, das es erlaube, auch persönliche Dinge mitzuteilen, manche trauten sich erst jetzt, mit ihm Kontakt aufzunehmen, ihn um ein persönliches Gespräch zu bitten. „In unserem Haus ´Tobias` sind auf diesem Wege schon eine Reihe von neuen Arbeitskreisen entstanden", freut sich Dr. Kranzfelder. Auf Nachfrage am Ende der Veranstaltung bestätigen Teilnehmer den Referenten: Der Abend hat mich nachdenklich gemacht, er geht mir nach, weil es so dramatisch war; es gab Zeit zum Nachdenken, jeder hat nach innen geschaut: wo sind meine Leidpunkte; der Referent war sehr behutsam, er gab keine Ratschläge, da wird viel falsch gemacht; man hat gespürt, dass der Referent aus Erfahrung gesprochen hat.Bildungsreferent Scholz, der den Abend eröffnet hat, beschließt ihn auch. Dabei nimmt er die Gelegenheit wahr, bereits für das Herbst/Winter-Programm zu werben. „Die Werbung gehört auch zu unserem Geschäft und ist sogar ein bedeutender Kostenfaktor in der Erwachsenenbildung", so beschreibt Scholz einen anderen Aspekt seiner Aufgabe. Aber sein Bemühen ist nicht umsonst, immerhin gaben zwei Besucher an, dass sie erst am Nachmittag in der Zeitung von der Veranstaltung gelesen hätten: „Wir haben uns dann spontan entschlossen, den Vortagsabend zu besuchen." |
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