70 Jahre monatlicher Gebetstag für geistliche Berufe

Auch das Gebet braucht Kreativität

Neue Formen für das Gebet um und für geistliche Berufe

Mehr als „nur" Rosenkranz beten?!

Aus der Pfarrei St. Johannes d. T. Schlüsselfeld, Erzdiözese Bamberg, schreibt Diakon Georg Paszek über die Erfahrungen mit den verschiedenen Formen des Gebets um geistliche Berufe. Im Zivilberuf ist Paszek (34) Verwaltungsfachangestellter und Standesbeamter, er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Was zunächst wie eine Abwertung des Rosenkranzes klingt, soll eigentlich bewusst neugierig machen auf die vielfältigen Formen des Gebets um geistliche Berufe. Deshalb steht das Wort „nur" in Anführungszeichen und soll so deutlich machen, dass der Rosenkranz eine der am weitesten verbreiteten Gebete um geistliche Berufe ist. Auch in unserer Pfarrgemeinde ist jeweils der Rosenkranz am ersten Dienstag des Monats diesem Anliegen gewidmet. Die Überschrift soll aber auch darauf aufmerksam machen, welche Möglichkeiten es denn darüber hinaus noch gibt.

Vielfältige Formen und Anlässe beim Gebet um geistliche Berufe

Seit mehreren Jahren haben wir bei uns die Gebets- und Gottesdienstformen erweitert. Anlass dazu waren die von unserer Diözesanstelle Berufe der Kirche initiierten Gebetsnächte. Spontan entschlossen wir uns damals, daran teilzunehmen und die Nacht als Gebetsweg zwischen unseren zahlreichen (Filial-)Kirchen und Ortschaften zu gestalten. So konnten wir viele verschiedene Gruppen ansprechen und auch aktiv mit einbeziehen. Schön ist es, am Ende einer Gebetsnacht oder einfach zwischen den einzelnen Einheiten, sich zum gemeinsamen Frühstück oder einer kleinen Stärkung zusammenzufinden und damit ein weiteres verbindendes Element zu erleben.

In manchen Jahren war es jedoch aus terminlichen Gründen nicht möglich, eine ganze Gebetsnacht abzuhalten und so teilten wir den „nächtlichen Weg" auf und machten eine Gebetswoche daraus, während der täglich ein besonderer Akzent bzw. eine Gebetseinheit in jeweils einer Ortschaft stattfand.

Darüber hinaus versuchen wir, bei den verschiedenen Anlässen im Kirchenjahr immer wieder das Thema der geistlichen Berufe zu integrieren. Sei es am Tag der Ewigen Anbetung mit einer eigens gestalteten Betstunde oder einem Stationsaltar an Fronleichnam. Auch eine unserer großen Wallfahrten steht im Wechsel mit einem „marianischen" Leitwort immer unter dem Thema Berufung und geistliche Berufe.

Aktuelle Anlässe wie Pfarrfeste, Jubiläen, Weihen usw. bieten sich außerdem immer wieder an, um dieses Anliegen in den Köpfen und vor allem in den Herzen der Menschen wach zu halten und immer wieder über die Vielfalt in diesem Bereich zu informieren und die Besucher zum Gebet einzuladen.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht immer nur das Gebet um Priester- und Ordensberufungen, sondern es geht auch darum, das eigene Leben, die eigene Berufung und das Klima für das Thema Berufung in unseren Gemeinden und in der Gesellschaft in den Blick zu nehmen.

Heilige Stunden

Seit einigen Monaten gibt es in unserer Pfarrgemeinde an wechselnden Tagen die Heilige Stunde mit stiller Anbetung. Inhaltlich orientieren sich die Gebete und Texte am Kirchenjahr, an den Intentionen der monatlichen Gebetstage sowie an aktuellen Anlässen. Die Gottesdienstbesucher äußerten sich bisher sehr positiv. Wichtig ist es allerdings, die Gläubigen an solche „neuen" Formen heranzuführen, nachdem beispielsweise die Stille für viele ungewohnt und daher unerwünscht ist. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass man nur den Mut braucht, um neue Schritte zu gehen und sich mit den Gläubigen zusammen auf diesen Weg begeben muss.

Materialien und viele Helfer

Von großem Vorteil sind bei all diesen Angeboten die schier unerschöpflichen Quellen, aus denen wir bei unserer Diözesanstelle Berufe der Kirche und anderen Stellen (z. B. Paul Weismantel, Würzburg) schöpfen können.

Unentbehrlich sind aber vor allem die vielen Helfer/-innen in unserer Pfarrei, die jeweils für die einzelnen Aktionen zur Verfügung stehen. Dazu gehören die verschiedenen Gremien wie Liturgiearbeitskreis und Kirchenverwaltungen, Schüler/-innen zum Abtippen der Texte, Computerspezialisten zur Gestaltung der Gebetshefte, Organisten, Kuchenspender usw.. Ohne deren Unterstützung wäre dies alles undenkbar.

Im Pfarrverband Bernhardswald, Diözese Regensburg, wurde die Sorge um geistliche Berufe inzwischen zur Chefsache. Pfarrer Thomas Schmid (46) berichtet wie es dazu kam und welche neuen Ideen mit den Gemeinden entwickelt und umgesetzt wurden.

Beten - Informieren - Gemeinschaft stärken

In den zurückliegenden drei Jahren haben wir - Seelsorger und Pfarrangehörige - miteinander versucht, die Seelsorge in unseren Dörfern so umzugestalten, dass sich jede der vier Pfarreien von der versorgten zur mitsorgenden Gemeinde wandeln kann und erkennen konnte, dass die umzusetzenden Veränderungen nötige Schritte im Zuge der Pastoralen Planung der Diözese Regensburg sind und weiterhin sein werden.

Dabei sind wir über wundervolle Höhen und durch grauenhafte Tiefen gegangen. Immer wieder landeten wir dabei in den Diskussionen über den mangelnden Priesternachwuchs. Oft und oft glaubten wir Grund zum Jammern zu haben. Manchmal stand den Verantwortlichen das Wasser bis zum Hals und in den Herzen der Gläubigen brannte ein sehnsüchtiger Feuereifer für die je eigene Pfarrei, den zu stillen niemand in der Lage war, es sei denn, „jeder hätte am Ende doch wieder seinen eigenen Pfarrer!"

Dieses Kämpfen und Sehnen habe ich immer als Zeichen der Wertschätzung der je eigenen Pfarrei und der Hochachtung des Priesters oder Kirchlichen Mitarbeiters verstanden.

Jammern und klagen, schreien und streiten haben uns aber nicht im Geringsten soweit gebracht, wie die Einsicht, dass wir nur miteinander und aus der Kraft Gottes all unsere Probleme lösen werden. So ist in uns wieder in Erinnerung gekommen, was durch die vergangenen Jahre fast in Vergessenheit geraten war:

Der Gebetsabend um kirchliche Berufe

Mit vierfacher Zielsetzung machten wir uns Gedanken, wie wir diese monatliche Zusammenkünfte anziehend und tiefgehend gestalten könnten, sodass sich nicht nur ein kleiner Kreis angesprochen fühlt.

Die Gebetsabende sollen:

- einladen zum Gebet um kirchliche Berufe und zur Begegnung mit Gott in liturgischen Feiern unterschiedlicher Gestalt (in der Kirche).

- informieren über die Katholische Kirche, sowie ihre Ämter und Dienste so wie sie das II. Vatikanum beschreibt (im Pfarrheim/ Referenten).

- vorstellen von Leitbildern aus Bibel und kirchlicher Tradition auf dem Weg der Berufung (im Pfarrheim/ Referenten).

- stärken der Mitglieder in ihrer christlichen Identität und schaffen einer Atmosphäre, in der Berufungen reifen können.

Alte Strukturen neu beleben

Soweit vom Kirchenjahr her möglich hatten wir uns vorgenommen, uns jeden zweiten Freitag im Monat zum Gebet zu treffen und anschließend dem nachzuspüren, was Papst Johannes Paul II. schon 1980 in Fulda so ermutigend sagte: „Viele sagen, die Geschichte des Christentums in eurem Land neige sich dem Ende zu. Ich sage euch: Die Geschichte des Christentums in eurem Land soll jetzt neu beginnen, und zwar durch euer Zeugnis!"

Wie aber sollten wir unserem Vorhaben einen guten Start schenken? - Wie dieses Anliegen in möglichst viele Herzen tragen? - Nach einigem Überlegen entdeckten wir in unseren Pfarreien uralte Gebetsgemeinschaften (Arme-Seelen-Bruderschaft, Rosenkranzbruderschaft) die zwar durch jährliche Messintentionen noch auftauchten, die aber ihre eigentlichen Zielsetzungen längst verloren hatten. Schriftlich luden wir die Mitglieder der Bruderschaften, sowie Hausgebetskreise zu einem ersten gemeinsamen Abend ein. Dazu kamen auch die örtlichen Mitglieder der Gebetsgemeinschaft um Kirchliche Berufe.

Wir stellten unser Konzept vor und ernteten an diesem Abend und in Folge an allen Gebetsabenden sehr positive und zahlreiche Resonanz und gute Ideen zur Gestaltung. Von Anfang an war für alle auch selbstverständlich, dass unser großes Anliegen „Chefsache" sein und bleiben muss, und ich habe als Pfarrer die Aufgabe der Begleitung von rund 50 Männern und Frauen zusammen mit unserer dafür zuständigen Pfarrhelferin Sr. Apollonie Baumann sehr gerne und bewusst übernommen.