Leben aus Gottes Kraft

Berufung aus Gottes Kraft

Die Berufungspastoral auf dem Katholikentag in Ulm

Wie bei jedem Katholikentag, so präsentierte sich die Berufungspastoral auch auf dem Katholikentag in Ulm mit eigenen Veranstaltungen. Marietheres Bücking vom Zentrum für Berufungspastoral (ZfB), Freiburg, berichtet.

Wer beim 95. Deutschen Katholikentag, der vom 19. – 20. Juni 2004 in Ulm stattfand, mit dabei war, der dürfte im Rückblick dem Motto des Katholikentags und auch dem Zusatz „Berufung aus Gottes Kraft" als Fazit zustimmen.

Drei Podiumsgespräche (Ruf – Beruf - Berufung)

Bunt wie die Kirche war das vielseitige Angebot des Katholikentags insgesamt und auch was die Berufungspastoral betrifft. Drei ganz unterschiedliche Podien hatte das Zentrum für Berufungspastoral mit vorbereitet. Zunächst das Podium „Ruf – Beruf – Berufung. Entscheidung braucht Entschiedenheit", bei dem Dr. Heiner Geißler und Christa Nickels MdB ins Gespräch kamen mit Sr. Angela Benoit FCJM (Ausbildungsleiterin der Franziskanerinnen, Salzkotten), P. Johannes Siebler SJ (Kollegleiter St. Blasien) und Prof. Dr. Werner Tzscheetzsch (Religionspädagoge, Freiburg).

Priester für das 21. Jahrhundert

Lebendig war auch das Podium „Welche Priester brauchen wir? Priester für das 21. Jahrhundert", das die Deutsche Regentenkonferenz vorbereitet hatte. Neben den einzelnen Statements verschiedener Interview-
partner gaben hier junge Priester und Priesteramtskandidaten Zeugnis davon, wie auch in heutiger Zeit die Berufung zum Priester entdeck- und lebbar sei. Dr. Peter Birkhofer hob hervor, dass Berufung bereits in der Schöpfung grundgelegt sei, denn die ganze Welt und jeder einzelne Mensch verdanke sich dem Ruf Gottes. In der Berufungspastoral müsse es darum gehen, dem einzelnen zu helfen, den Ruf Gottes zu hören. Einig waren sich sowohl Podiumsteilnehmer als auch Zuhörer darin, dass den zwölf Optionen der Regentenkonferenz zum Thema „Priester für das 21. Jahrhundert" zuzustimmen sei. Dr. Peter Klasvogt, Vorsitzender der Regentenkonferenz, unterstrich in diesem Zusammenhang noch einmal: „Es gibt mehr Priesterberufungen, als wir derzeit ansprechen und in unsere Konvikte und Seminare aufnehmen."

Leben und arbeiten in der Kirche

Auch die Halle im Jugendzent-
rum Roxy füllte sich gut, als unter dem Motto „Weil es meine Berufung ist! Leben und arbeiten in der Kirche" Weihbischof Dr. Rainer Woelki (Köln), Sr. Birgit Maria Krietemeyer OSF (Bad Dürrheim), Br. Achim Gimbel OFMCap (Münster) und der Theologe und Volkwirt Martin Priebe (Stuttgart) von Moderatorin Marietheres Bücking eingeladen wurden, offen und ehrlich den jeweiligen Berufungsweg jungen Teilnehmer/innen des Katholikentags vorzustellen. Eine Fragerunde ließ erkennen, dass junge Menschen sich sehr wohl mit der Frage der Berufung befassen; interessant war hier etwa die Frage, ob man denn als Priester gar keine Glaubens- oder Berufszweifel mehr hätte. Ehrlich und jeweils verschieden machten ferner die Podiumsreferenten deutlich, dass die zölibatäre Lebensform ihr Fundament und ihren Sinn in einer Liebesbeziehung zu Jesus Christus habe, dass es aber auch sehr wichtig sei, Geborgenheit und Annahme in der eigenen Kommunität, Familie oder im Freundeskreis zu erfahren.

Gebet um Berufungen

Der Katholikentag in Ulm hatte einen deutlich geistlichen Charakter. So war es auch ein ermutigendes Zeichen, dass sich sehr viele Menschen zu den Mittagsgebeten des Zentrums für Berufungspastoral in St. Georg eingefunden hatten. „Den Herrn der Ernte bitten", unter diesem Ruf Jesu stand an drei Tagen das „Gebet um Berufungen für das dritte Jahrtausend". Am Donnerstag rief Bischof Dr. Joachim Wanke den Gottesdienstteilnehmern neu ins Bewusstsein: "‚Ich bin gerufen!’ Eine solche Perspektive taucht das ganze Leben auf einmal in ein neues Licht, in ein Licht von oben. Darum soll und muss es uns gehen: Mein Mensch-Sein, mein Christ-Sein, ja auch mein Leben im Beruf, in Ehe und Familie, als allein Lebende oder Geschiedene, als Gesunde oder Kranke, als Priester oder Weltchristen neu vom Ruf Gottes her zu verstehen."

Bischof Franz-Josef Bode erinnerte am Freitag daran, dass es nicht darum gehe als Priester oder Hauptamtlicher „einen Fanclub um sich zu scharen", sondern mehr denn je brauche unsere Zeit „Menschen, die über sich hinaus auf Gott verweisen".