EntängstigungVon Paul Schobel, Stuttgart |
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Pfarrer Paul Schobel gehört zu den Betriebsseelsorgern der ersten Stunde in der Diözese Rottenburg-Stuttgart: Von 1973 bis 1993 übte er diesen Dienst im Raum Böblingen/Sindelfingen aus, seither ist er Leiter der Betriebsseelsorge in der Diözese. |
Kundgebungen und Betriebsversammlungen. Und da wird unsere Solidarität hart geprüft und gewogen, ob sie auch wirklich trägt und durchhält bis in die Parteilichkeit hinein. Wer sich da ins kirchlich so geschätzte, angeblich neutrale Hinterland verkrümelt, hat schon verloren. Prophetische Kirche Prophetie ist Anruf und Aufgabe auf dem Hintergrund der Vision vom „Reich Gottes“: wach sein, die Zeichen der Zeit erkennen, mahnen und anmahnen. Prophetie hilft aber auch, durchzuhalten im Scheitern. Sie ist Trost und Ermutigung aus dem lebendigen Glauben an den lebendigen Gott. Betriebsseelsorge meldet sich daher – gemeinsam mit den Betroffenen – zu Wort, mischt mit, mischt sich ein, sucht den gesellschaftlichen Dialog und ergreift Partei für die Benachteiligten. Überall, wo sich purer Ökonomismus breit macht, legen wir den Maßstab der Kath. Soziallehre an: „Der Mensch ist Schöpfer, Träger und Ziel der Wirtschaft...“ Damit hinterfragen wir staatliche „Reformen“ ebenso wie wirtschaftliche Entscheidungen. Das bedeutet: Stellungnahmen, Diskurse in Foren und Bildungsveranstaltungen, Kontakte zu Entscheidungsträgern und oft auch provokatorische Aktionen und Symbolhandlungen zu brennenden Nöten in der Arbeitswelt. Missionarische Kirche Die Arbeitswelt ist pastorales „Niemandsland“. Der Auftrag Jesu aber lautet: „Gehet hin in alle Welt...“ , also auch in die Arbeitswelt. Kirche wird lebendig in der Präsenz und im Zeugnis. Wenn Vertrauen da ist, lassen sich Menschen aber auch herausrufen und einladen, um ihr Leben zu reflektieren und es mit dem Evangelium in Verbindung zu bringen. Wenn wir Gemobbte beraten, Armseligen ein wenig Mut zufächeln, Arbeitslose annehmen, Betriebsräte und Gewerkschaftsleute begleiten, dann ist sie plötzlich da, die Frage nach dem Sinn des Lebens, nach Gott und der Welt. Dann bleiben wir nahe dran in Freud und Leid, in Krankheit und Tod, dann wird Seelsorge konkret. Wir organisieren – zumeist für kirchlich „Fernstehende“ - religiöse Freizeiten, laden Betriebsräte ein zu „Oasentagen“, lesen die Bibel mit Menschen aus der Arbeitswelt, feiern Gottesdienste. Das verändert unsern eigenen Glauben, wir werden selbst zu Beschenkten, und schenken weiter, was wir erfahren. Wo Betriebsseelsorge Profil entfaltet, wird sie als „Kirche in der Arbeitswelt“ wahrgenommen, von Arbeitenden, Arbeitslosen, Betriebsräten und Gewerkschaften, aber auch von Führungskräften geschätzt und anerkannt. Viele Menschen kommen durch die Betriebsseelsorge wieder oder erstmals mit Evangelium und Kirche in Berührung. |
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