Seelsorge statt ÜberforderungVon Prälat Karl-Heinz Zerrle, Direktor des Landes-Caritasverbandes Bayern. |
|
Auf die Frage Johannes des Täufers, ob er der Messias sei, antwortete Jesus: „Geht hin und sagt dem Johannes, was ihr seht und hört: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird das Evangelium verkündet.“ (Mt 11,4f) |
zweifelt. Das geht auch unseren Mitarbeitenden so, vielleicht ihnen noch mehr als anderen. Sie sind täglich mit dem Leid der Menschen, mit ihrer Not, mit dem Tod konfrontiert. Dass hier die Frage nach dem Sinn des Lebens viel stärker aufbricht, als bei einer Tätigkeit in einer Bank oder einem Industriebetrieb, ist verständlich. Und dass die Frage nach dem Warum von Leid und Tod auch zum Zweifel an Gott führen kann, das wissen wir seit Hiob. Mitarbeiterseelsorge Ich wünsche mir, dass in der Caritas Möglichkeiten geschaffen werden, damit die Mitarbeitenden ihren Glauben leben, ihn vielleicht sogar wieder finden und ihn stärken können. Dafür gibt es bereits viele Beispiele. Regelmäßige Gottesdienste, das Angebot von Exerzitien, Besinnungstagen, Wallfahrten und religiösen Fortbildungen gehören dazu. Manche Caritasverbände geben ihren Mitarbeitenden täglich einen „Spruch in den Tag“ über das Intranet mit. Größere Verbände haben eigene Stellen für die Mitarbeiterseelsorge eingerichtet, die sehr stark beansprucht werden. Diese Verbände sind überzeugt, dass auch das Scheitern von persönlichen Lebensentwürfen ihrer Mitarbeitenden zuerst eine Anforderung an die Seelsorge im persönlichen Gespräch statt eine bloße Frage des Arbeitsrechtes ist. In den überall laufenden Leitbild- und Organisationsentwicklungsprozessen spielt „das spezifisch Christliche“, unser Proprium eine entscheidende Rolle. Dabei wird reflektiert, wie die tägliche Pflege und Sozialarbeit nicht nur aus einer christlichen Motivation heraus geleistet, sondern auch mit christlichen Inhalten gefüllt werden kann. Dahinter steht die Überzeugung, dass Caritas „aus einem tieferen Verständnis um Lebenswirklichkeit, Lebensschicksal, Erwartungen und Möglichkeiten des bedürftigen, leidenden und zu erziehenden Menschen heraus handelt. Von der Kirche erhofft man also einen ganzmenschlichen, heilsorientierten Dienst, der über die Hilfen zur unmittelbaren Lebensbewältigung und Selbstverwirklichung hinausgeht, und, im Unterschied zu innerweltlichen Heilslehren, auch noch das Schicksal von Leid, Not, ja selbst den Tod zu umgreifen vermag.“ (Weihbischof Dr. Franz Dietl, München). Um dieses Verständnis den Mitarbeitenden nahe zu bringen, gibt es inzwischen „Seelsorgehandbücher“, die darauf abgestimmt sind, vor allem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Glauben heranzuführen, die wenig oder keine Erfahrungen im Glauben haben oder ihn verloren haben. Es geht also auch um eine Mitarbeiterpastoral. |
|
|
|