Nicht mehr im Gleichgewicht?
Eintauchen und auftauchenVon Prof. Paul M. Zulehner, Wien |
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Gesellschaftliche Vernützlichung |
Lebensbewegung seiner Kirche, die und insofern sie in der Spur Jesu geht. Markenzeichen christlicher Kirche ist also, „Gott und den Menschen nahe“ zu sein, wie der hervorragende Passauer Pastoralplan 2000 in seinem Titel formuliert. Diese Doppelstruktur kehrt in der theologischen und spirituellen Arbeit heutiger Kirchen in Variationen wider: als Mystik und Politik (Dorothee Sölle, Johann B. Metz) oder im Programm der Brüdergemeinschaft von Taizé (Roger Schutz) als Kontemplation und Aktion. Die Rottenburger Synode von 1985 hatte formuliert: „Je mystischer desto politischer“ und ließt theologisch dieses Motto auch in umgekehrter Abfolge zu. Es geht also immer um die Doppelbewegung von „eintauchen“ und „auftauchen“. So heißt es im Passauer Pastoralplan: „Wer ... in Gott eintaucht, taucht neben dem Menschen auf. Dabei kann der Weg auch in der anderen Richtung verlaufen: Wer den Menschen begegnet, findet in diesen auch Gott (vgl. Mt 25).“ Das Gleichgewicht wieder herstellen Unter gesellschaftlichem Rückenwind ist den Kirchen hierzulande das „Auftauchen“ bei den Menschen, und hier wiederum bei jenen, die es nicht gut haben in ihrem Leben, vorzüglich gelungen. Aber, so gilt es behutsam zu fragen, ist dabei nicht oft das „Eintauchen“ auf der Strecke geblieben? Diese Frage kann nicht abwertend an die vielen Frauen und Männer gerichtet werden, die sich von den caritativen Einrichtungen in Dienst nehmen lassen und eine vorzügliche Arbeit verrichten. Es ist aber eine Frage an die Einrichtungen selbst und jene, die für ihre „Organisationskultur“ Verantwortung tragen: Kommen diese kirchlichen Einrichtungen wie die Kirche selbst „vom Berg“ herab? In caritativen Einrichtungen von Orden ist es selbstverständlich, dass die Schwestern und Brüder in der eucharistischen Feier sich Christus gleichformen lassen und so christusförmig zu den anvertrauten Leidenden gehen. Das hat Auswirkungen auf die Begegnung mit den Menschen, auf den Respekt vor ihrer Würde. Woher beziehen aber die caritativen Einrichtungen, die nicht (mehr) von Orden getragen sind, ihre spirituelle Kraft? Wie tauchen sie in Gott ein, um gottförmig bei den Menschen aufzutauchen? Buchhinweis: Zulehner, Paul M. Aufbrechen oder untergehen. So geht Kirchenentwicklung, Ostfildern 2003, ISBN 3-7966-1102-8 Das Buch ist ein Kommentar zum Passauer Pastoralplan 2000. Der Pastoralplan kann bestellt werden beim Bischöflichen Seelsorgeamt, Domplatz 3, D-94032 Passau. |
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