Dr. Birkenmaier, Direktor des ZfB Freiburg

Ein Wort zum Abschied

Bei der Jahreskonferenz der Beauftragten der Berufungspastoral im September 2003 in Münster wird Dr. Birkenmaier als Direktor des Zentrums für Berufungspastoral Freiburg verabschiedet. Er tritt nach 14 Jahren ein Jahr vor Ablauf seiner dritten Amtszeit zurück, damit seinem Nachfolger im Hinblick auf das große Ereignis des Weltjugendtags 2005 in Köln mehr Zeit zur Einarbeitung bleibt. Aus Anlass seines Abschieds gab Dr. Birkenmaier dem WEGBEREITER folgendes Interview. 

Wegbereiter: Ihre Amtszeit fiel in eine für die Berufungspastoral schwierige Zeit: 1996 sank die Zahl der neu in ein Seminar eingetretenen Priesterkandidaten mit 182 auf einen historischen Tiefpunkt, seither stabilisiert sich die Zahl mit über 200 auf niedrigem Niveau. Was sind die Gründe?
Dr. Birkenmaier: Ich habe immer wieder betont, dass man die Zahlen der Priesterkandidaten und Priesterweihen nicht isolieren darf, sondern sie in einem Kontext sehen muss mit anderen kirchlichen Daten. Alle vergleichbare Daten, vor allem wenn sie Ereignisse im Leben der Katholiken festhalten, die eine Entscheidung verlangen, liegen tendenziell in der gleichen Richtung. Als Gründe für den Rückgang der Priesterkandidaten nenne ich vor allem vier: 
Der massive Rückgang der Kinder in unserem Land. Kinder, die nicht geboren sind, können auch nicht Priester werden oder in ein Kloster eintreten.
Der immer geringer werdende Grad der Einbindung junger Menschen in das kirchliche Leben. Jugendliche, die ihren Glauben fast nicht kennen, können auch keinen geistlichen Beruf entdecken und sich dafür entscheiden. 
Ein starker Verlust an Glaubwürdigkeit der Kirche insgesamt und ein größer werdender Abstand zwischen den Werten des Evangeliums und dem, was durchschnittlichen Menschen in unserem Land wichtig ist. 
Wir haben ein Kommunikationsproblem: Über den Priester wird – selbst in den innersten Kreisen der Kirche – meistens problembezogen gesprochen. Ein Beruf, der mit so vielen Fragezeichen belastet wird, scheint nicht attraktiv zu sein. 

WB: Was kann die Berufungspastoral tun? Hat sie überhaupt eine Chance, junge Leute für Berufe der Kirche zu gewinnen oder gar eine Trendwende zu bewirken?
Dr. Birkenmaier: Man muss sich klar machen, dass die Berufungspastoral ein ganz kleines Rädchen ist im kirchlichen Leben. Es fehlt oft die Vernetzung mit anderen Bereichen und die notwendige 

Unterstützung in einflussreichen Ebenen. Als Ortskirche in Deutschland kümmern wir uns darüber hinaus um unseren – abnehmenden – Bestand, aber wir gewinnen (fast) keine neue Gläubigen. Die Berufungspastoral setzt voraus, dass Menschen Christus entdeckt haben und bereit sind, ihm mit ihrem Leben zu dienen. Erst dann setzt die Berufungspastoral an. Wir versuchen, alle Verantwortlichen auf den verschiedenen Ebenen der Kirche daran zu erinnern, dass sie Wegbereiter der Berufungen sind und diese Aufgabe nicht an eine Stelle delegieren können. 

WB: Mir sagte kürzlich ein Seelsorger: „Interesse für kirchliche Berufe ist auch heute da, aber mehr als früher fragen die jungen Menschen auch bei der Kirche: stimmen die äußeren Bedingungen wie Gehalt und Aufstiegsmöglichkeiten, freie Wahl der Lebensform?“
Dr. Birkenmaier: Die Fragen haben in ihrem Kontext ihre Berechtigung. Die Fragen sind teilweise Ausdruck unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit, die von ihren Wertmaßstäben ausgeht. Sind sie die Maßstäbe des Evangeliums? Die kritischen Anfragen erinnern uns auch daran, dass es die Berufungen nur um den Preis der Selbst-Evangelisierung der Kirche gibt. 
WB: Was hat Sie in den Jahren Ihres Dienstes aufgebaut, gab es auch Belastendes?
Dr. Birkenmaier: Am Ende meiner Amtszeit habe ich immer noch Freude und Begeisterung für das Thema „Berufung“. Das betrachte ich als ein Geschenk. Ich gehe also nicht aus Resignation. Aufgebaut haben mich die Weggemeinschaft mit vielen, die mit ganzem Herzen sich für die Berufungspastoral eingesetzt haben. Wir haben Schönes erlebt und manches miteinander bewegt. Belastendes ergibt sich aus der Rückkoppelung auf die schwierige Situation, in der wir uns bewegen. Da gibt es unterschiedliche Meinungen, die nicht immer leicht zu bündeln waren. 

WB: Sie haben in Ihrer Zeit auch den WB immer mit Wohlwollen begleitet. Dafür sind wir Ihnen von der Ordensgemeinschaft der Salvatorianer sehr dankbar. Was würden Sie ihm gern mit auf den Weg geben?
Dr. Birkenmaier: Ganz persönlich gesprochen: Die Initiative des monatlichen Gebetstages geht auf einen Mitbruder der Salvatorianer, Pater Paschalis Schmid, zurück. Ich bin der Meinung, dass ein solches Charisma eine Quelle ist, die man nutzen kann. Ich würde mich sehr freuen, wenn der Wegbereiter noch sehr viel selbstverständlicher in allen Diözesen eingesetzt würde als ein Mittel – neben anderen natürlich – um junge und nicht mehr so junge Menschen für die Fragen der Berufe der Kirche zu interessieren.