Engagiert und innovativDie Diözese Rottenburg-Stuttgart setzt neue pädagogische Konzepte um. |
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Was macht eine
katholische Schule aus? Das war in der Vergangenheit gar
keine Frage. Sie steht in der Trägerschaft der Diözese
oder eines Ordens, es herrscht eine gewisse Strenge, der
einzelne Schüler wird mehr wahrgenommen und gefördert
als es sonst manchmal der Fall ist, und natürlich gibt es
das Schulgebet und öfter einen Schulgottesdienst. Das genügte
kirchlich orientierten Eltern, und auch eher Fernstehende
schätzten das oft - denn „für Kinder ist Kirche,
Religion allemal gut“. Heute sind kirchliche Schulen
nicht mehr die einzige Alternative zur staatlichen Schule,
es gibt einen Wettbewerb verschiedener Schulformen und pädagogischer
Konzepte. Das ist eine Herausforderung, am eigenen Profil
zu arbeiten. Darüber hinaus gibt es seit einiger Zeit die
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schildert
ihre Erfahrungen so: „Es ist etwas ganz Anderes als der
normale Unterricht. Da geht es nicht nur um die Aneignung
eines Stoffes, da bin ich auch selbst mit meinen eigenen
Gedanken gefordert. Einmal sind wir von der Frage
ausgegangen: was ist ein Punkt? Es ist unglaublich, wohin
einen solche Überlegungen führen können“. Im
Unterschied zum Religionsunterricht sei Philosophie eben
mehr weltlich ohne das Geistliche, ergänzt Silke Geiss. Der Morgenkreis ist eine eher meditative Stunde am Montagvormittag. Das sei dann ein sanfter Einstieg in eine harte Woche, meint Sarah Schumann. Eine Bildbetrachtung etwa sei auch eine Chance, in sich selbst hineinzuschauen, weiß Silke Geiss und Christine Müller ist sich bewusst, „dass hier mehr ist als Schule, dass nicht einfach der Unterricht durchgezogen wird, dass man an dieser Schule vielmehr auch Zeit hat für Besinnung, dass das nicht als Nichtstun angesehen wird, sondern dass es in den Unterricht eingebunden ist“. Das Grundanliegen der Schule Dr. Böckerstette, der Schulleiter, ist einer der Väter des Marchtaler Plans, er kann Freude haben an seinen Schülerinnen und Schülern. Was ihn zutiefst bewegt, schildert er so: „Schon im Studium war es für mich eine Kernfrage: Kann ich, ohne intellektuell zu verarmen, in der modernen Welt noch glauben? Da hat mich Kant gelehrt, dass Wirklichkeit mehr ist, als was man in der Moderne wissenschaftlich fassen kann. Das war für mich eine Befreiung, ein Weg ins Weite.“ Seine Motivation sei im Glauben verankert, ein Leben ohne eine solche Vertiefung könne er sich nicht vorstellen. „Ich empfand es als eine besondere Chance, an der Entwicklung eines pädagogischen Konzepts mitzuarbeiten, das aus unserem christlichen Glauben Antwort auf die Moderne gibt. Und da spielt die Vernetzung eine wichtige Rolle, sie eröffnet Wege, dass wir uns in den Kontext des Lebens und der Welt stellen. Und dann entdecken wir in der Moderne nicht nur Schlechtes, sondern auch die große Emanzipationsbewegung und die Würde des Menschen. An diese Strömungen können und müssen wir uns ankoppeln. Was wir hier tun, das verstehe ich im letzten als Verkündigen, aber nicht indem wir etwas an die Leute heranbringen, sondern indem wir sie begleiten und die Fragen intellektuell durcharbeiten. Und dann muss jede und jeder Einzelne selbst die Entscheidung treffen. Die Verkündigung ist so etwas Kostbares. Dieses Gottes- und Menschenbild: es gibt nichts Kostbareres in der ganzen Welt. Das ist für mich ein tiefes Anliegen.“ Was Schülerinnen schätzen Es ist erstaunlich, wie die Schülerinnen spüren, was das Ziel der Schule ist, über die Wissensvermittlung hinaus. Christine Müller formuliert es perfekt: „Ich habe das Gefühl, dass es das Anliegen der Schule ist, uns zu verantwortungsbewussten und eigenständigen Menschen zu erziehen“. Es werde viel Selbstverantwortung eingefordert, nicht nur im Schulleben allgemein, sondern auch bei der Erarbeitung der Stoffe, aber man wisse immer, dass die Lehrer hinter einem stehen, dass man sich jederzeit an sie wenden könne, meint Silke Geiss. Überhaupt bekommen die Lehrer ein dickes Lob. Sarah Schumann: „Wir haben hier viel Glück mit unseren Lehrern, sie sind Lehrer aus Leidenschaft. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir Herrn Brutscher z.B. jederzeit um Nachhilfe bitten können, in welchem Fach auch immer. Alle sind auch außerhalb der Stunde für uns da, so dass wir uns an sie wenden können, wenn das nötig ist. Die Lehrer begegnen uns nicht von oben herab, sondern im Grunde als Partner.“ Die Schülerinnen schätzen auch den Nachmittag sehr, also die Einrichtung der Schule als Ganztagsschule. „Wir machen die Hausaufgaben zusammen und haben unseren Spaß miteinander, das verbindet. Das ist einfach anders, als wenn ich um 12 Uhr nach Hause gehe und dann dort mit meinen Freunden zusammen bin“, erklärt Christine Müller. Was Lehrerinnen und Lehrer bewegt Und was ist die Motivation eines Lehrers für einen solchen Einsatz, wie ihn die Schüler schildern? Günter Brutscher, der als Studienleiter den ganzen Tag an der Schule ist, sagt von sich: „Ich frage nicht jeden Tag nach meiner Motivation. Meine Motivation ist, wenn ich erlebe, dass Schüler Vertrauen finden und sich hier entfalten“. Und er erzählt von einer Schülerin, die ihm gestand, dass sie es nicht übers Herz bringen würde, einen Spickzettel zu schreiben. Wohl könne sie bei der Nachbarin abschreiben, wenn das gehe, aber Lehrer von vornherein bewusst betrügen, das gehe nicht. Und wie geschieht Weitergabe des Glaubens im engeren Sinn, abgesehen vom Religionsunterricht? Gudrun Wanek verweist darauf, dass die jungen Leute hier doch noch in einem katholischen Milieu aufwachsen. Brutscher spricht vom Zeugnis, zu dem er herausgefordert sei. „Ich denke, meine Rolle als Lehrer und meine Person müssen übereinstimmen, das heißt ich muss auch ganz persönlich präsent und an- und hinterfragbar sein. Dann bin ich Zeuge. Das gilt für mein Leben als Christ genauso wie als Bürger. Ich stehe dazu, dass es einige Sonntage im Jahr gibt, an denen ich nicht in die Kirche komme. Ich gebe Auskunft, wie und warum ich mich politisch engagiere oder was für mich der Sinn des Lebens ist. Aber man kann das eigentlich gar nicht in einzelne Bereiche aufteilen, so wie ich den Schülerinnen und Schülern begegne, damit bin ich Zeuge dafür, was ich vom Leben halte, wovon und wofür ich lebe. Das ist ein Punkt, an dem sich das Lehrerbild an einer kirchlichen Privatschule schon abhebt von dem an einer klassischen Schule, wenigstens nach meinem Verständnis.“ |
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