Kinder sind anders |
|
Der „Marchtaler Plan“ (vgl. Studienkolleg Obermarchtal S. 4-7) hat wesentliche Gedanken der Montessori-Pädagogik aufgenommen und sie in eigener Weise für die weiterführenden Schulen bis zur Oberstufe des Gymnasiums umgesetzt. Ulrich Steenberg, Direktor der Kath. Fachschule für Sozialpädagogik in Ulm und anerkannter Montessori-Fachmann, beschreibt wichtige Aspekte dieser Pädagogik. |
Vorbereitete Umgebung Mit Leib und Seele soll das Kind im Kinderhaus und in der Schule eine geistige Heimat finden. Alles in dieser Umgebung ist nach den Bedürfnissen des Kindes ausgerichtet. Jedes Ding hat seinen Platz. Es ist genügend Raum da für Stille und Bewegung. Das Kind lernt, Entscheidungen zu fällen, Handlungen konsequent durchzuführen und dabei die Eigengesetzlichkeit der Dinge und die Bedürfnisse der anderen Menschen zu respektieren. So baut das Kind in freier Selbstverantwortung seine Persönlichkeit auf. Das bekannte Montessorimaterial als Teil einer sorgfältig vorbereiteten Umgebung gibt den Kindern einen Rahmen, innerhalb dessen sie ihre Entscheidungen treffen. Es darf also nicht jedes Kind tun, was er gerade will, sondern es muss mit großer Disziplin seine Tätigkeit wählen und allein oder mit anderen auch zu Ende führen. Das Material überfordert das Kind nicht, sondern erschließt ihm die ganze Welt Schritt für Schritt. Der ganze Mensch mit Kopf, Herz und Sinnen wird angesprochen. Auf diese Weise wird erstaunlich mehr und besser vom Kind gelernt als von Erwachsenen je vermutet. Der neue Erzieher Der Lehrer ist gleichzeitig Element wie Garant einer qualitätsvoll „vorbereiteten Umgebung“. Von ihm sagt Montessori: „Der Erwachsene muss demütig werden und vom Kind lernen. Demut ist ein Modus der Liebe.“ Was sie damit meint, wird an einer Stelle deutlich, wo sie einmal das Gegenteil des Ideals beschreibt: „Der Erwachsene ist in seinem Verhalten zum Kind egozentrisch - nicht egoistisch, aber egozentrisch. Alles was die Seele des Kindes angeht, beurteilt er nach seinen eigenen Maßstäben, und dies muss zu einem immer größeren Unverständnis führen. Von diesem Blickpunkt aus erscheint ihm das Kind als ein leeres, träges und unfähiges Wesen, dem er jegliche Verrichtung abnehmen muss, als ein Wesen ohne innere Führung, das der Führung durch den Erwachsenen bedarf. (…) Mit einem solchen Verhalten glaubt der Erwachsene um das Wohl des Kindes eifrig, voll Liebe und Opferbereitschaft besorgt zu sein. In Wirklichkeit aber löscht er damit die Persönlichkeit des Kindes aus.“ Das Ziel In der ständigen Bewegung, im Wechsel von aktiver Begegnung und meditativer Versenkung wird spürbar, was die Montessori-Pädagogik letztlich trägt: Der unerschütterliche Glaube an das Gute im Menschen, an seine Rolle als „Mitarbeiter der Schöpfung“, an seinen Auftrag, am „Reich Gottes“ mitzubauen. (Vgl. auch Lesetipps S. 14) |
|
|
|