Heilerziehungspfleger

Professionalität und Wertorientierung

Es gibt viele verschiedene Berufe in Einrichtungen der Behindertenhilfe: Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Heilpädagogen, Ergotherapeuten, Altenpfleger, Motopädagogen, Logopäden und andere mehr. Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich auf den Beruf des Heilerziehungspflegers, der die zentrale sozialpädagogische Fachkraft in der Behindertenhilfe ist, mit wachsender Bedeutung. Theodor Thesing, Direktor des 
Instituts für Soziale Berufe in Ravensburg, stellt den Beruf vor.



Was ist Heilerziehungspflege?
HeilerziehungspflegerInnen sind sozialpädagogisch und pflegerisch ausgebildete Fachkräfte in Einrichtungen und Diensten der Behindertenhilfe. Ihre Angebote richten sich an Menschen mit Behinderungen geistiger, körperlicher und/oder seelischer Art in allen Altersstufen.

Tätigkeitsfelder
Mit der Entwicklung der Behindertenhilfe in diesem Jahrhundert sind viele Rehabilitationseinrichtungen geschaffen worden, die spezielle Hilfen für Menschen mit Behinderungen in ihren besonderen Lebenslagen anbieten. So stehen heute Ambulante Dienste (Frühförderung, Familienentlastende Dienste, Pflegedienste), Beratungsdienste (Früh-erkennung, Frühberatung), Kindertageseinrichtungen (Regel-, Sonder- und Integrationskindergärten), verschiedene Arten von Förderschulen, Förderzentren, Berufsbildungs- und Berufsförderungswerke, Rehabilitationszentren, Erwachsenenbildungsstätten, Werkstätten für Behinderte, Sozialpsychiatrische Einrichtungen, Fachkrankenhäuser, Heilpädagogische Heime, Sprachfördereinrichtungen, Wohnheime, Betreute Wohngemeinschaften zur Verfügung. Ca. 60-70% der Einrichtungen sind in der Trägerschaft eines Freien Wohlfahrtsverbandes, so z.B. der Caritas.
Aufgaben und Tätigkeiten
Die Aufgaben des Heilerziehungspflegers lassen mit den Schwerpunkten Erziehen, Bilden, Pflegen, Begleiten, Beraten und Assistenz beschreiben, die aber als Einheit zu sehen sind.
Heilerziehungspfleger werden ausgebildet für eine wertorientierte professionelle Arbeit mit Menschen mit Behinderungen. Die Verantwortlichkeit für andere Menschen kommt in Grundsätzen zum Tragen, an denen er sein berufliches Handeln ausrichtet, wie: 
Achtung der Menschenwürde; uneingeschränktes Ja zum Leben; Recht auf selbstbestimmtes Leben aller Menschen; Vermeidung von Diskriminierung und Ausgrenzung; Partnerschaftlichkeit im Umgang.

Ausbildungsstätten
Die Ausbildung geschieht in Deutschland an ca. 200 Fachschulen bzw. Fachakademien, davon 20 in katholischer Trägerschaft. Seit der Gründung des Berufes in den 60er Jahren wurden bisher ca. 26.000 HeilerziehungspflegerInnen ausgebildet, jährlich kommen ca. 1000 neue AbsolventInnen hinzu. Die Ausbildung dauert 3 Jahre und wird in Vollzeitform (Schule und Praktika), bzw. in berufsbegleitender Form (Lernort Fachschule und Lernort Einrichtung für Behinderte) angeboten, wobei in der letzteren Form eine Ausbildungsvergütung vergleichbar einem Industrieberuf bezahlt wird.

Ausbildungsvoraussetzungen / Ausbildungsvergütung
In der Regel wird der Bildungsstand der Mittleren Reife und ein Jahr Vorpraktikum verlangt, in einigen Bundesländern 2 Jahre geeignete praktische Tätigkeit (in Ausnahmefällen Hauptschulabschluss und Berufsausbildung).

Berufschancen / Fort- und Weiterbildung
Heilerziehungspfleger werden in den Einrichtungen und Diensten als Betreuer, Gruppenleiter, Bereichs- oder Wohnheimleiter tätig. Die Berufschancen sind sehr gut. Für Leitungsaufgaben wird häufig eine Zusatzausbildung verlangt, ebenso für therapeutische Aufgaben (Heilpädagogik, Ergotherapie, Logopädie, Motopädagogik). Die Qualitätssicherung der Betreuungsangebote ist nur über regelmäßige Fort- und Weiterbildung zu erreichen, wie in allen anspruchsvollen Berufen.

Neue Herausforderungen
Noch vor einigen Jahrzehnten galt eine geistige Behinderung als Schicksal, auf das der Mensch keinen Einfluss hatte. Durch die schnelle Entwicklung in den Bereichen Medizin, Medizintechnik und Humangenetik verfügen wir über eine Fülle von Wissen über Ursachen von Behinderungen sowie über die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten. Die neuen Möglichkeiten bringen aber auch neue Gefährdungen: Pränatale Diagnostik und als Folge der Früherkennung Abtreibung; neue Diskussion zur Euthanasie alter, kranker und behinderter Menschen; Machbarkeitsglaube der Gentechnik und die Existenz von Krankheit, Leid oder Behinderung scheinen unvereinbar; der Mensch mit Behinderung wird zum reinen Kostenfaktor. Der Grundsatz der Unantastbarkeit des Lebens ist bereits heute stark in Bedrängnis. Christen werden hier zukünftig eindeutig Position beziehen müssen, hier liegt eine wesentliche Aufgabe von kirchlichen Ausbildungsstätten, die sich einem christlichen Menschenbild verpflichtet fühlen.

Kontakt:
Institut für Soziale Berufe gGmbH
Kapuzinerstraße 2, 88212 Ravensburg
Tel.: 0751/36 156-0, Fax: 0751/36 156-27
E-Mail: info@ifsb.rv.schule-bw.de 
Internet: www.ifsb.rv.schule-bw.de