Freiwillig, ehrenamtlich im Dienst am Nächsten

Was ich kann, ist unbezahlbar!

Von Anneliese Mayer, München

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2001 zum „Internationalen Jahr der Freiwilligen“ ausgerufen. Weltweit beteiligen sich daran 123 Länder, die sich verpflichtet haben, der Freiwilligenarbeit eine größere Anerkennung zukommen zu lassen. Deutschland will mehr Menschen für das Ehrenamt begeistern, den freiwilligen Einsatz aufwerten und die Rahmenbedingungen verbessern.

Jeder Dritte engagiert sich

Diese Aussage macht die Studie der Bundesregierung aus dem Jahr 1999, die feststellt, dass sich 22 Millionen Bundesbürger freiwillig, ehrenamtlich engagieren - in Parteien, Verbänden, Vereinen, Kirchen und Selbsthilfe-Initiativen. Das ist eine große Zahl und sie zeigt, dass der Einsatz für Andere durchaus nichts Außergewöhnliches ist.

Christliche Nächstenliebe als Motiv - seit 2000 Jahren

Gerade im Bereich der Kirchen ist eine große Zahl von ehrenamtlichen Frauen, Männern, Kindern und Jugendlichen zu finden, die sich für andere einsetzen. Sie tun ihren Dienst in der Liturgie und Sakramentenvorbereitung (zum Beispiel als Lektoren oder Firmhelfer), bei den Räten und Verbänden (zum Beispiel als Pfarrgemeinderat, Vorsitzende in Jugend- und Erwachsenenverbänden) und vor allem im sozialen Feld (zum Beispiel im Kranken- und Altenbesuchsdienst, in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung). Im Erzbistum München und Freising sind es über 125.000 Menschen, die ihre Zeit freiwillig für ein wichtiges Anliegen einsetzen. Die speziellen Motive für dieses Engagement sind vielfältig. Eine grundlegende Motivation ist aber immer zu spüren: Die Ehrenamtlichen verstehen ihren Dienst als Zeichen der gelebten Gottes- und Nächstenliebe.
Geben und Nehmen - die zwei Seiten des Ehrenamtes
Fragt man nach weiteren Motiven, die Menschen bewegen, anderen zu helfen und sich für andere einzusetzen, ist neben dem Grundmotiv der Nächstenliebe häufig zu hören: „Mir geht es gut und ich möchte anderen helfen, denen es schlechter geht.“ Oder: „Ich habe Zeit, die ich gerne hergebe für andere.“ Und, vielleicht etwas zaghafter, verbunden mit der Überlegung, ob diese Aussage auch gestattet ist, hört man: „Ich sehe, dass mein eigenes Leben dadurch einen tieferen Sinn bekommt.“ Oder: „Ich lerne sehr viel für mich, während ich anderen helfe.“ Diese zweite Seite - das Nehmen - ist genau so legitim, wie das Geben: diese Einsicht verbreitet sich zunehmend bei den freiwillig Tätigen, und das ist gut so. 

Freude und Last - der „Lohn“ für den freiwilligen Einsatz
Arbeiten Freiwillige nur für ein „Vergelt’s Gott“, das sie meinem Eindruck nach leider auch zu wenig hören? Es gibt keine geldwerte Gegenleistung, das wissen und akzeptieren die Ehrenamtlichen. Was sie tun und können, ist unbezahlbar. Aber nicht nur deshalb, weil vielleicht zu wenig Geld für bestimmte Aufgaben vorhanden ist. Sondern deswegen, weil der „Lohn“ ihres Einsatzes sich ausdrückt in den lachenden Gesichtern der Kinder, der Menschen mit Behinderung, der Alten und Kranken. Oder in der Begeisterung über eine gelungene Aktion. Oder im Erkennen der eigenen Stärken und Fähigkeiten, mit denen man anderen eine Freude bereiten kann. Dennoch ist die Schattenseite nicht zu verschweigen, die sich zeigt, wenn der ehrenamtliche Einsatz zur Last wird, wenn das Gefühl entsteht, man sei nur Lückenbüßer für Aufgaben, die niemand machen will. Erlebt ein Ehrenamtlicher über lange Zeit mehr Last und Frust als Freude, ist es an der Zeit zu handeln. Ein klärendes Gespräch mit den Hauptamtlichen kann helfen, den Einsatz neu zu bedenken - oder in letzter Konsequenz diesen Dienst zu beenden. Denn ein Ehrenamt soll Freude machen und nicht nur permanente Last für den sein, der sich eine Aufgabe freiwillig ausgesucht hat.
Dank und Wertschätzung - die Antwort auf die Freiwilligendienste
Ein „Vergelt’s Gott“, das Dank und Wertschätzung für die Freiwilligendienste ausdrückt, kann in vielen Formen gesprochen werden. Ein jährliches „Danke-Fest“ für die Freiwilligen oder die Würdigung ihrer Dienste durch Urkunden und Ehrennadeln sind Wege, wie auch im öffentlichen Raum die kirchen- und gesellschaftspolitische Bedeutung der Ehrenamtlichendienste dargestellt werden kann. Da die Zeit des freiwilligen Einsatzes auch eine Erweiterung der „sozialen Kompetenz“ bedeutet, sind die Arbeitgeber gehalten, bei Anstellungen die ehrenamtliche Tätigkeit als Qualifikationsmerkmal stärker zu beachten und anzuerkennen. Vielleicht ist das „Internationale Jahr der Freiwilligen 2001“ ein Anstoß, so manches zu verbessern. Der Dank gilt auf alle Fälle jetzt schon all denen, die bereit sind, sich freiwillig für andere einzusetzen. Herzlich „Vergelt’s Gott!“

Mit freundlicher Genehmigung entnommen aus: „Misericordia, Zeitschrift der Barmherzigen Brüder in Bayern“, 4/2001