Ehe-, Partnerschafts-, Familien- und Lebensberatung

 Ausbildung zur psychologischen Beratung

Von Notker Klann, Geschäftsführer der Katholischen
Bundesarbeitsgemeinschaft für Beratung, Bonn


Einrichtungen der Kirche
Leben - gelingendes und heiles Leben für alle, so gut es unter den jeweils gegebenen Bedingungen nur eben möglich ist, steht im Zentrum des Auftrages der Kirche. Aus diesem Grunde hat die gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland 1975 angeordnet, dass eine „geeignete Gelegenheit für Eheberatung anzubieten“ ist (Präsidium der gemeinsamen Synode 1976, S. 455). Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Beratungsstellen sind somit mit ihrer eigenen Person Repräsentanten und Handelnde im Auftrag der Kirche. 

Anlässe der Beratung

Die Anlasspalette für das Aufsuchen einer Beratungsstelle ist so vielfältig, dass eine einzige Grundqualifikation nicht ausreicht, um ein geeignetes Angebot machen zu können. So wird z.B. bei den persönlichen Anlässen am häufigsten für das Aufsuchen der Beratungsstelle „Probleme im Sozialkon-takt“, bei den Partnerschaftsanlässen „Beziehungsklärung“ und bei den familienbezogenen Anlässen „familiäre Schwierigkeiten im Umgang mit Eltern/Schwiegereltern“, sowie bei den gesellschaftsbezogenen/soziokulturellen Anlässen Probleme im Zusammenhang mit „Ausbildung/Arbeitssituation“ genannt.

Grundberufe - Zusatzqualifikation
Aus diesem Grunde versteht sich die von der Katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft für Beratung angebotene Weiterbildung zum Ehe-, Partnerschafts-, Familien- und Lebensberater als eine Qualifizierung, die u.a. auf folgende Grundberufe aufbaut: Arzt, Jurist, Psychologe, Sozialarbeiter, Sozialpädagoge, Theologe oder eine gleichwertige Ausbildung. Im Ausnahmefall können Personen mit einschlägiger Berufserfahrung und besonderer Eignung berücksichtigt werden. Diese Kurse werden unter regionalen Gesichtspunkten dezentral angeboten - der aktuelle Personalbedarf einer Diözese ist dabei ausschlaggebend - und zentral bei der unten genannten Anschrift organisiert. Bei erfolgreichem Abschluss wird ein Zertifikat ausgehändigt, das von allen Verbänden, die in der Institutionellen Beratung engagiert sind, gegenseitig anerkannt wird. 
Der Einstieg in dieses Arbeitsfeld geschieht über die erfolgreiche Absolvierung der Weiterbildung, die berufsbegleitend (an Wochenenden) über einen Zeitraum von 3 bis 4 Jahren stattfindet. Die für diese Qualifizierung anfallenden Kosten werden derzeit vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bezuschusst. Somit beträgt die aktuell Kursgebühr ca. 4.500,-- DM. 
Die Arbeitsstelle
Eine Tätigkeit in den Beratungsstellen findet sowohl im Anstellungsverhältnis, wie auch auf Honorarbasis statt. Fachliche Grundlage für die Arbeit mit den Klienten sind die Erkenntnisse und Erfahrungen aus den Humanwissenschaften, hier insbesondere der Psychologie und der Pädagogik. Die unterschiedlichen Grundberufe berück-sichtigend, findet die Arbeit im Team der Stelle im Interesse und zum Nutzen der Klienten statt, um Zuständigkeiten schnell klären, sowie Umwege bei der Konfliktbewältigung vermeiden zu können. Das Angebot steht unter der Option: Hilfe zur Selbsthilfe zu vermitteln, wobei bis zum Erweis des Gegenteils davon ausgegangen wird, dass die Ratsuchenden selbst in der Lage sind, die anstehende Schwierigkeit zu bewältigen.
Die Arbeit in den Stellen wird unter den Gesichtspunkten der Qualitätssicherung dokumentiert, ausgewertet und z.B. zur Prävention und Information von Politik, Kirche und Gesellschaft genutzt. 25 % der Tätigkeit einer Beratungsstelle sollte sich mit vorbeugenden Maßnahmen befassen. Die Stellen arbeiten unter regionalen Gesichtspunkten eng mit den dort noch tätigen Beratungsstellen und Institutionen zusammen, die gemeinschaftlich die psychosoziale Versorgung sicherstellen.

Andere Möglichkeiten
Als Ehe-, Partnerschafts-, Familien- und Lebensberater besteht neben den einschlägigen Beratungsstellen die Möglichkeit, z.B. in Erziehungsberatungsstellen, Heimen zur Müttererholung und in darüber hinaus benachbarten Tätigkeitsfeldern zu arbeiten.


Kontaktanschrift:
Geschäftsstelle Ehe-, Familien- und Lebensberatung
Kath. Bundesarbeitsgemeinschaft für Beratung
Kaiserstr. 163
53113 Bonn

Tel.: 0228/103-309


Katholische Ehe-, Partnerschafts-, Familien-
  und Lebensberatung in Deutschland in Zahlen
Beratungsstellen: 350
Fachkräfte: 1.200 
Klienten jährlich: 90.000 
Beratungsstunden jährlich ca.: 330.000