Schlüsselqualifikationen |
| Welche Eigenschaften und Qualifikationen benötigen Priester und Laien im pastoralen Dienst? Was dürfen die Gemeinden von ihnen in Zukunft erwarten? Hubertus Brantzen, Professor für Pastoraltheologie am Mainzer Priesterseminar und Ausbildungsleiter für Kapläne und PastoralassistentInnen, beschreibt Schlüsselqualifikationen. Flexibilität Wie sich die Kirche nach der Jahrtausendwende in unserem Land entwickeln wird, wissen wir nicht. Unsere pluralistische Gesellschaft, in der verschiedenste Werte gleiche Gültigkeit besitzen, gibt viele Möglichkeiten, aber auch viel Verunsicherung. Wir erleben neben einem großen Engagement in unseren Gemeinden auch schwindende Mitgliederzahlen und geringere Bereitschaft bei jungen Menschen, sich für den Dienst in der Kirche zur Verfügung zu stellen. So werden junge Frauen und Männer gesucht, die nicht an festen und einseitigen Seelsorger-Bildern kleben, sondern bereit sind, sich auf Neues einzulassen. Die Kirche benötigt Pfad-Finder in eine neue Zeit. EAus tiefen Quellen leben Menschen, die nach außen hin flexibel sein wollen, brauchen eine innere Mitte, aus der heraus sie leben. Seelsorger und Seelsorgerinnen sind dauernd Gebende. Und darum benötigen sie Quellen, aus denen sie selbst schöpfen können. Ihre Quellen sind ein gesundes Selbstbewußtsein und die innere Gewißheit: Ich bin wichtig in diesem Dienst. Ich bin von Jesus Christus gerufen und darum ist mein Platz in der Kirche. Anders ausgedrückt: Seelsorger/innen müssen spirituelle Menschen sein. Nur wer selbst ein geistlicher Mensch ist, kann bei anderen geistliches Leben wecken und fördern. |
Dem Leben eine Ordnung geben Flexibel nach außen und zugleich eine geistliche Mitte das geht nur, wenn ich meinem Leben eine Ordnung gebe. Ich brauche eine Tagesordnung, zu der ich mich entscheide. Wenn ich mir jeden Morgen neu überlege, ob und was ich heute arbeiten will, geht viel Energie verloren. Wenn ich es dem Zufall überlasse, wann ich mich im Gebet an Gott wende, dann bin ich bald ein nur profaner Mensch. Also: Der Seelsorger und die Seelsorgerin brauchen einen gesunden Ausgleich zwischen Arbeit, Ruhe, Freizeit und Gebet. Fit in Kommunikation Seelsorge lebt vom Gespräch. Ein Mensch, der sich vor dem Kontakt mit anderen drückt oder Angst hat, auf Menschen zuzugehen, ist für die Seelsorge nicht geeignet. Wie steht es also mit meiner Fähigkeit, anderen zuzuhören und sie zu verstehen? Kann ich möglichst ohne Hemmungen mit anderen Kontakt aufnehmen und etwas unternehmen? Gesucht sind Führungskräfte Gleichgültig ob Priester oder Laie Menschen in der Seelsorge sind Führungskräfte. Gruppen und Gremien müssen geleitet, seelsorgliche Ziele überlegt, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motiviert werden. Nicht selten hat ein Pfarrer z.B. in Kindergarten oder Altenheim zwanzig oder mehr Menschen zu leiten. Da muß er Führung wahrnehmen können. Das aber so, daß sich alle ernstgenommen fühlen. Kooperation ist das Stichwort. Konfliktfähig sein Wo Menschen zusammen leben und arbeiten, bleiben Konflikte nicht aus, auch nicht in den besten Gemeinden. Da gilt es, einerseits nicht das Feuer zu schüren, andererseits aber offen Probleme auszutragen. Das benötigt Menschen, die persönlich standfest sind und zugleich den Stier bei den Hörnern packen können, die also konfliktfähig sind. |
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