Was ist das – Heilig ...

Sr. Katharina Kluitmann von der Diözesanstelle Berufe der Kirche Münster entwirft in einem „Brief an Manuela“ eine kleine Theologie der Heiligen.

Liebe Manuela, über Heilige willst Du etwas wissen, denn die Heiligenverehrung sei Dir so fremd?

Nun: Heiliger sein oder Heilige, das ist eine Sache jeder Christin, jedes Gläubigen. Gott ist heilig, er allein. Aber er gibt uns Anteil daran, läßt uns teilnehmen an
seiner Heiligkeit, in der Berufung zum Christsein, in Taufe und Firmung. Spürbar ist das selten, sichtbar auch nicht – zumindest bei mir nicht.

Manche aber, die leben das, leben das so, daß Du spürst: Das kommt nicht aus ihnen selbst. Da weht Dich ein Hauch von Himmel an, mitten auf der Erde, im Alltag, oft genug in der dicksten Not. Leute sind das, die mitten drin stehen, nicht über den Dingen, Leute, die ihren Weg gehen in Angst und Anfechtung, Zweifel und Versagen, die nicht schweben, sondern mit beiden Beinen auf der Erde stehen, die Hand am Puls der Zeit, das Ohr an Gottes Herz. Das gibt es auch heute, in der Nachbarschaft oder der Gemeinde, in einem Elendsviertel irgendwo auf der Erde und in der Unauffälligkeit eines Klosters irgendwo am Rande der Stadt.
Und früher gab es das auch, schon solange es Christen, solange es Menschen gibt. Biographien haben Hochkonjunktur. Denn auch wenn früher vieles anders war: Die Menschen sind weiter Menschen geblieben. Freuden und Ängste, Gelingen und Schuld, Leben und Tod – gar so groß sind die Unterschiede zwischen gestern und heute nicht.
Solche Heiligen faszinieren, rufen etwas wach vom Besten in uns, lassen mich spüren, wo wirklich Leben und Erfüllung liegen. Vorbilder sind sie, vielleicht weniger in der Arbeit, die sie tun, oder in der Art, wie sie konkret leben – denn nachmachen läßt sich das nicht! – aber so konsequent wie sie auf Gott zu bauen, so offen zu sein für Ihn und die Menschen, anzupacken, wo es nötig ist, zu beten, wo es nichts mehr anzupacken gibt, das wäre was! Das stachelt mich an, selbst ernst zu machen mit meinem Glauben, Gott Gott sein zu lassen – und nicht einen guten Mann.
Manche von ihnen sind „heiliggesprochen“, „kanonisiert“, offiziell von der Kirche als Heilige anerkannt, andere nicht oder noch nicht. Das ist nicht so, weil sie weniger heilig gewesen wären, sondern weil sie unscheinbarer waren, unbekannt, von niemandem für diesen offiziellen Akt vorgeschlagen.
In beiden Gruppen gibt es solche, die mich besonders ansprechen, andere, die mir fremd sind, es vielleicht sogar bleiben. Das macht nichts, der Fächer ist groß, die Vielfalt der Berufungen unüberschaubar, ein großes Mosaik, das um so mehr zum Leuchten kommt, je mehr Steinchen darin sind. Ich darf wählen, aussuchen, spüren, wer mich anspricht, herausfordert. Sogar besondere Freunde darf ich haben oder Freundinnen, die es mir angetan haben, mit denen ich mich besonders verstehe.
Und weil tot nicht tot ist, sondern Leben bei Gott, muß es nicht beim Anschauen bleiben, beim Vorbild. Wir können ins Gespräch kommen miteinander. Ich kann erzählen, was mich bewegt, in meinem Leben und Glauben und im Blick auf meinen heiligen Freund. Und wie bei meiner Freundin auf der Erde, kann ich den Freunden im Himmel auch mal sagen „Du, bete für mich!“. Vor allem in Krisenzeiten und wenn es bei mir mit dem Beten schwierig ist, dann tut es mir gut zu wissen, daß eine(r) bei Gott ein gutes Wort für mich einlegt.

Ob Du ein wenig verstehst, wie ich es meine? Ich wünsche Dir jedenfalls, daß Dir wenigstens einer von diesen Heiligen so begegnet, daß Ihr warm werdet miteinander. Denn eine Freundin oder ein Freund unter den Heiligen, das können Freunde sein fürs Leben.
Daß Du so Deiner eigenen Heiligkeit auf die Spur kommst und Deine Berufung im Mosaik „Kirche“ findest, das wünscht Dir von Herzen

Deine Katharina