Ein heiterer Brief vom Himmel

an Pfarrer Ernst Heller

Pfarrer Ernst Heller, geboren 1947, seit 1980 Priester, lebt in Kriens in der Schweiz. Seine Aufgaben: Kaplan, Pfarrer, Beauftragter für Kirchliche Berufe, Schausteller-Seelsorger, Ansprechpartner für Bewerber zur Schweizer Garde im Vatikan. Mit seiner „Ernst Heller Stiftung“ unterstützt er Menschen in Not, mit der „Philipp Neri Stiftung“ finanziert er die Schausteller-Seelsorge. Jedes Jahr feiert er auf dem Münchener Oktoberfest im „Hippodrom“ einen Gottesdienst.

Der hl. Philipp Neri (1515-1595) wird mit guten Gründen „Spaßvogel Gottes“ genannt. Mit seinen Späßen und spontanen Aktionen wurde er immer wieder zum Stadtgespräch von Rom. P. Johannes Haas OSFS, Leiter der KIM-Bewegung, Ingolstadt, ein Freund von Ernst Heller, kann sich gut vorstellen, daß Philipp Neri folgenden Brief nach Kriens geschickt hat:

Mein lieber Bruder Ernst!

Einen „Spaßvogel Gottes“ haben sie mich genannt. Damals vor 400 Jahren in Florenz und Rom. Ein „Spaßvogel Gottes“ bist auch Du. Du und ich – wir beide sind gleichsam blutsverwandt, denn wir haben Freude im Blut. Auch Du fühlst Dich mit mir verwandt. Gerne erzählst Du von mir, und Deiner neuesten Idee hast Du meinen Namen gegeben: die „Philipp Neri Stiftung“ wird die finanzielle Grundlage sein, auf der Du Dich als Schausteller-Seelsorger in die Kirche einbringst.
Für die Menschen in der Manege schlägt Dein Herz. In Zirkuszelten bist Du zuhause. Von der Taufe bis zum Tod begleitest Du sie, die mit ihren Künsten Zuschauer zum Staunen und Lachen bringen. Du bist einer von ihnen, bist selbst ein Clown, ein „Gottesclown“. Wenn Du mit Deiner Klarinette „Frieda“ aufspielst, erleben Dich viele als einen „Spielmann Gottes“. Zur Ehre Gottes und zur Freude von Menschen spielst Du auf – in Gottesdiensten, bei verschiedensten Anlässen, zur Unterhaltung anderer, zur eigenen Freude. Jodeln und Jubeln, „Holladio“ und „Halleluja“ gehören für Dich zusammen. Mit Dir und Deiner Ländlerkapelle „Heu-obe-n-abe“ kommt Stimmung auf. Mit Deinem Humor, mit Witzen gewürzt, taust Du Herzen auf. Dein Humor ist wie Humus: fruchtbarer Boden, in dem Gutes wächst. Bei Dir erlebe ich, was auch mir wichtig war: „Heiterer Sinn stärkt das Herz und macht uns beharrlich im Guten.“
Du bist Schausteller-Seelsorger, Seelsorger in der Gemeinde und in allen Lebenslagen. Viele wünschen, daß Du sie begleitest, mit ihnen Sakramente feierst, ihnen nahe bist – in frohen und in traurigen Zeiten, in Deiner Heimat Schweiz und weit darüber hinaus. Ein Beispiel von unzähligen: Als Alois Estermann, Dein Freund bei der Schweizergarde, getötet wurde, hast Du seine Angehörigen in ihrer Trauer begleitet. Bleiben wir in Rom, in der Stadt, in der ich gelebt habe. Deine Frohnatur öffnet Dir Türen im Vatikan und auch das Ohr des Papstes. Du legst ihm die Anliegen ans Herz, die Dich bewegen: Deine Sorge um die Kirche, um Berufungen für sie. Mit Deinen Gaben bereitest Du den Boden, in dem Gottes Ruf wie ein Same wachsen kann.
Humor hat mit Himmel zu tun. „Himmlischer Humor“ ist seine schönste Seite. Das ist wohl ein Grund, warum sich so viele an Deiner Seite so wohl fühlen. Du bist ein Mensch mit Humor, ein Hirt mit Herz. Wer Dich nur von außen erlebt, kennt Dich nicht. Wer Dich kennt, spürt: in Dir lebt Freude, die Dir von Gott gegeben ist. Du bist mehr als ein Clown, der die Leute zum Lachen bringen soll. In Dir will Gott Menschen zulächeln, ihnen Mut machen, ihnen nahe kommen – vor allen denen, die am Rand sind, die auf der Strecke bleiben: für sie bist Du besonders gerne da. Du erlebst und läßt erleben:
Humor heilt.

Darin sind wir beide einander verwandt, wir „Spaßvögel Gottes“. Du hast „Halleluja“ auf den Lippen und helle Freude im Herzen. Die Frohbotschaft hat bei Dir Gesicht: Dein Gesicht. Mach’ weiter so, Bruder Immerfroh, mein lieber Bruder Ernst!

Dein Bruder im Himmel

Philipp