Ohne Musik können die beiden nicht leben. Für Christine Kusch (35) und Daniel Kortland (25) gehört Musik auch unbedingt zum Glauben. Beide C-Musiker engagieren sich in der Pfarreiengemeinschaft St. Nikolaus Ankum, Mariae Himmelfahrt Eggermühlen und Herz-Jesu Kettenkamp im Bistum Osnabrück. Christine Kusch ist Hauptverantwortliche für die Organistentätigkeit und Kantorin. Daniel Kortland ist nebenberuflicher Organist in Eggermühlen und Chorleiter in Kettenkamp. Der WEGBEREITER besuchte die leidenschaftlichen Musiker.
WEGBEREITER: Frau Kusch, Herr Kort-land, Musik hat einen hohen Stellenwert in Ihrem Leben. War das von Kindheit an so oder wie ist es zu dieser großen Musikbegeisterung gekommen?
Chr. Kusch: Ich habe mit acht Jahren den ersten Klavierunterricht bekommen, ohne die übliche Flöte vorweg. Dann kam bis zum Alter von 18 Jahren ein sehr intensiver Klavierunterricht bei einem Schuster, der ein absolut begeisterter Klavierspieler und Organist war. Er hat mir seine Musikbegeisterung weitergegeben. Seit dieser Zeit gab es kein Zurück mehr. Nur während des Abiturstresses hatte ich keinen Unterricht, das wäre nicht gegangen.
D. Kortland: Mit sieben oder acht Jahren habe ich zum Geburtstag ein Keyboard geschenkt bekommen und zunächst Klavierunterricht auf diesem Keyboard gehabt. Mit 13 kam dann das Klavier dazu und mit 14 die Posaune.
WB: Sie sind beide seit vielen Jahren sehr engagiert in der Kirchenmusik. Wann begann das?
Kusch: Ich hatte schon länger im Kirchenchor gesungen und der Chorleiter war gleichzeitig Küster und Organist. Es wurden damals Leute gesucht, die als Kantor oder Kantorin in der Liturgie mitwirken sollten. Seit etwa Anfang der Neunziger war ich dann dabei. Irgendwann bekam der Organist auch heraus, dass ich Klavier spiele. Der Pastor machte dann den Vorschlag, dass ich den C-Kurs belege, der zwei Jahre dauerte.
Kortland: Mit 15 Jahren habe ich zum ersten Mal versucht beim C-Kurs mitzumachen. Hat aber nicht geklappt, denn ich war zu jung und vor allem waren meine Beine noch zu kurz um die Pedale zu spielen. Mit 16 dann konnte ich teilnehmen und habe den Kurs mit 18 abgeschlossen. Aus Neugier und um etwas Praxis zu bekommen, habe ich einmal bei einer Werktagsmesse gespielt. Das war gut! Ab da spielte ich dann ziemlich regelmäßig. Viel geübt habe ich eigentlich nie (lacht). Ich bin eher der faule Typ.
WB: Ist die Musik nur ein Hobby oder mehr?
Kusch: Für mich ist es eindeutig mehr. Ich habe nach dem Abi Musik auf Lehramt studiert. Selbst in den Semesterferien habe ich nicht nur Klavier gespielt, sondern auch bei einem Klavierbauer gejobbt. Zurzeit arbeite ich als pädagogische Mitarbeiterin in einer Grundschule. Musik ist natürlich auch fester Bestandteil in meiner Freizeit.
Kortland: Bei mir ist das anders. Musik soll Hobby bleiben. Aber ich spiele in der Freizeit natürlich auch viel Musik. Ich gehöre zum Beispiel auch zum „Priggenhagener Panikorchester“ - seit wann, weiß ich selber nicht mehr - das auf Schützenfesten Marschmusik und auch ab und zu einen Walzer schmettert. Ich höre auch fast immer Musik oder spiele Musik. Wenn ich abschalten will, spiele ich ein bisschen Klavier. Im Auto läuft Musik. Und wenn ich total genervt oder gestresst bin: ab in die Kirche und zwei Stunden an die Orgel. Dann geht’s wieder. Die Orgel ist für mich echt die Königin der Instrumente!
Musik macht frei. Es heißt ja auch: Da wo man singt, da lass‘ dich ruhig nieder, böse Menschen kennen keine Lieder. Das stimmt zwar nicht ganz so, aber da ist etwas Wahres dran.
WB: Frau Kusch, was bedeutet Ihnen die Musik und das Musikmachen? Ist das nur Emotion, eben etwas Schönes, etwas, das Ihnen Freude macht?
Kusch: Bei der Musik gibt es für mich ein gewisses Suchtpotential. Ich empfinde Musik als eine Art Sprache. Sie hat andere Tiefen und Ausdrucksmöglichkeiten als das gesprochene Wort zum Beispiel. Das Orgelspielen ist für mich Kommunikation. Und Musik ist Gebet. Wenn Menschen in der Messe unten in der Kirche beten, bete ich auch – mit der Orgel. Ich erreiche die Menschen. Ich erinnere mich an eine Situation in der Kinderkirche. Irgendwie wurden die Kinder plötzlich sehr unruhig. Da habe ich etwas Bestimmtes angefangen zu spielen und sie wurden ruhig. Ich kann durch mein Spiel, durch die Registrierung und Tempi satte Tiefen reinlegen oder alles schweben lassen.
WB: Herr Kortland, Sie singen selbst in einem Kirchenchor mit und leiten einen anderen Chor. Ist das ein Unterschied zu der Musik, die Sie spielen auf Orgel oder Posaune?
Kortland: Also Chöre sind Musik und Geselligkeit. Das gefällt mir! Der Leiter ist ein Vorbild und muss motivieren, fördern und anregen, aber auch mal bremsen. Tenöre zum Beispiel sind meist zu laut (lacht). Ich selbst singe meist Bass oder Bariton. Aber als Chorleiter muss ich natürlich alles singen können. Auch die Sopranstimme. Es ist etwas anderes als Orgelspielen oder Posaune. Aber mir gefällt es.
WB: Sie spielen ja hauptsächlich beide im kirchlichen Raum, sind auch sonst in den Gemeinden engagiert. Welche Bedeutung hat die Musik für Ihren Glauben?
Kusch: Musik hat eine gewisse Unendlichkeit, sie ist eigentlich ohne Grenzen. Da ist schon eine starke religiöse Bedeutung. Ich glaube auch, dass sich Gott durch die Musik ausspricht. Musik ist auch eine religiöse Antwort. Religion ohne Musik, eine liturgische Feier ohne Musik ist für mich nicht denkbar!
WB: Ist die Musik für Sie eine Hilfe im persönlichen Glaubensleben?
Kusch: Ja. Manchmal übe ich nachts. Alles ist dann still, dunkel, alles ist intensiver, es ist ein Zugang auch zu meinen eigenen Tiefen, zu meinen eigenen inneren Räumen. Die Orgel ist irgendwie lebendig. Wenn ich nachts übe, bin ich trotz der großen leeren Kirche eigentlich nicht allein.
WB: Und bei Ihnen Herr Kortland?
Kortland: Singen ist doppelt beten! Ich finde, Musik macht das Beten schöner und ich glaube, wenn die Texte gesungen werden, sind sie auch intensiver, wirken sie intensiver. Seinen Glauben kann man auf so viele verschiedene Arten leben. Musik ist nicht notwendig zum Glauben. Aber sie macht ihn schöner.
WB: Gibt es ein Lieblingslied, das Sie gern spielen oder singen?
Kusch: Ja, mein Lieblingslied ist: O Jesu, all mein Leben bist du.
Kortland: Ein Lieblingslied habe ich nicht, eher viele.
WB: Herr Kortland, Sie werden an Mariae Himmelfahrt in diesem Jahr kirchlich heiraten. Wer spielt denn dann die Orgel?
Kortland: (lacht sehr spitzbübisch): Das ist noch ein Geheimnis! Ich jedenfalls werde dann einmal unten in der Kirche sitzen, nicht oben auf der Empore.
WB: Ihnen beiden herzlichen Dank für die freundliche Beantwortung der Fragen! ⊗