EINFÜHRUNG
„Mensch, lerne tanzen, damit die Engel im Himmel mit dir etwas anfangen können.“ Dieses Sprichwort von Kirchenvater Augustinus könnte man auch leicht variieren: „Mensch, lerne singen, damit du ein Gespür dafür bekommst, wie die himmlische Melodie in der Welt klingt.“ Musik und Gesang machen nicht nur das Herz leicht oder schaffen Gemeinschaft. Mit unserem Singen und Musizieren loben wir den, der jeden Ton und jeden Rhythmus in uns hineingelegt hat. Unser Lied kann Anbetung sein und Dank, überschäumende Freude oder die leidenschaftliche Bitte um Gerechtigkeit. Alles können und alles dürfen wir ihm zusingen. So rufen wir voll Vertrauen:
KYRIE-RUFE
Herr Jesus Christus,
deine Botschaft von der unbedingten Liebe des Vaters ist die verborgene Melodie der Welt.
Kyrie eleison.
Diese Melodie in uns aufzunehmen ist Gabe und Aufgabe für uns.
Christe eleison.
Deine Barmherzigkeit und deine Güte schenken uns dazu hoffnungsvollen Mut und die Kraft zu unbeirrbarer Treue.
Kyrie eleison.
ORATION
Guter Vater im Himmel, dein Sohn hat uns gelehrt, uns und unseren Nächsten anzunehmen und zu lieben. Wie der Grundton einer wundervollen Harmonie ist die Liebe Jesu zu dir und zu uns. Dieser Grundton soll unser Fühlen, Denken und Handeln bestimmen. Auf ihm baut sich die unverwechselbare Melodie des Lebens eines jeden Einzelnen von uns auf. Hilf uns diesen Grundton zu hören und mit ganzem Herzen zu singen. Darum bitten wir dich durch ihn, Jesus Christus, deinen Sohn, der in vollendeter Harmonie mit dir und dem Heiligen Geist lebt und durch die Liebe herrscht bis in Ewigkeit. Amen
Schrifttext: Lukas 15, 11-32
Das Gleichnis vom verlorenen Sohn
IMPULS
Was ist der Grund unserer Freude? Warum singen wir? Ist es nicht so, dass nur der, der andern die Freude und das Gute wünscht, selber mit freiem Herzen singen und musizieren kann? Die Einheit von Ton und Stimme, von Körper, Geist und Melodie spiegelt oft sehr genau wieder, wie weit wir schon zur Einheit mit uns, mit dem Nächsten und mit Gott gekommen sind. Der ältere Bruder im Evangelium vom verlorenen Sohn, oder wie wir heute besser sagen: vom barmherzigen Vater, kann nicht mitsingen und mittanzen, als er hört, wie sein Taugenichts von Bruder willkommen geheißen wird. Er ist wütend, eifersüchtig, mürrisch und zornig. Ich schufte mich ab, denkt er, ich gönne mir nichts, keine Freude, keine Erholung und der da, der keine Verantwortung und Pflicht kennt, dieser Nichtsnutz, dem wird alles hinterhergeworfen. Was für ein Bild gibt er mit seiner wütenden Rede damit ab. Wir merken, dass sein Herz nicht frei ist, es ist nicht erfüllt von dem Widerhall der himmlischen Melodie. Der Grundton der göttlichen Liebe hat noch keinen Eingang gefunden in seine innersten Kammern. Ihm fehlt, so könnte man es deuten, der Resonanzboden für die Melodie, die der barmherzige Vater ihm quasi entgegensingt. Unser Leben wird nur dann zum Klingen und zur Harmonie kommen, zu einer tiefen Einheit, wenn wir uns dieser Melodie Gottes öffnen. Wenn wir alles, was uns ausmacht, was wir erfahren und in dem wir leben vor Gott bringen und überall diesen Grundton der Liebe erspüren und durchklingen lassen. Halten wir nun einen Moment Stille. Versuchen wir, uns dem Geheimnis der göttlichen Melodie in uns auf die Spur zu kommen.
Stille mit meditativer Musik
ANTIPHON:
Lobe den Herrn, meine Seele, für alles, was er dir Gutes tut. (GL 759)
V: Ihr Gerechten, jubelt vor dem Herrn; / * für die Frommen ziemt es sich, Gott zu loben.
Preist den Herrn mit der Zither, /* spielt für ihn auf der zehnsaitigen Harfe!
A: Lobe den Herrn, meine Seele, für alles, was er dir Gutes tut.
V: Singt ihm ein neues Lied, /* greift voll in die Saiten und jubelt laut!
Denn das Wort des Herrn ist wahrhaftig, /* all sein Tun ist verlässlich.
A: Lobe den Herrn, meine Seele, für alles, was er dir Gutes tut.
V: Er liebt Gerechtigkeit und Recht,/* die Erde ist erfüllt von der Huld des Herrn.
Unsre Seele hofft auf den Herrn;/* er ist für uns Schild und Hilfe.
A: Lobe den Herrn, meine Seele ...
V: Ja, an ihm freut sich unser Herz,/* wir vertrauen auf seinen heiligen Namen.
Lass deine Güte über uns walten, o Herr, /* denn wir schauen aus nach dir.
A: Lobe den Herrn, meine Seele, ...
Psalm 33, 1-5. 20-22
FÜRBITTEN
Diesem Gott, den wir loben können und dem wir zujubeln, dürfen wir auch unsere Bitten sagen. Darum rufen wir:
Als Fürbittruf: Laudate Dominum omnes gentes alleluja (Taizé)
Für unsere Kirche:
Deine göttliche Melodie, Vater, möge in ihr aufstrahlen und nachhaltig durch die Welt klingen. Durch deine Hilfe, Herr, lass alle erfüllt sein vom Grundton deiner Liebe, angefangen von unserem Papst Benedikt XVI. bis hin zu jedem Menschenkind, das neu getauft wird.
Laudate dominum ...
Für unsere Organisten und Kantoren, für die Chormitglieder und für alle, die mit Orgelspiel, Gesang und geistlichen Konzerten unsere Gottesdienste und Gebetsversammlungen beleben und verschönern:
Laudate dominum ...
Für unsere Kinder und Jugendlichen:
Ermutige sie, sich deiner Melodie der Liebe zu öffnen und wecke in ihnen die Begeisterung für die Schätze der Musik.
Laudate dominum ...
Für alle alten Menschen:
Hilf ihnen durch die Freude an guter und tröstender Musik die Beschwerden von Alter und Krankheit anzunehmen und zu tragen und schenke ihnen die hoffnungsvolle Sehnsucht nach der himmlischen Harmonie.
Laudate dominum ...
Für unsere Toten: Nimm sie auf in deinen Frieden, auch wenn in ihrem Leben so manche Dissonanz zu hören war und sie nicht immer den richten Ton singen konnten.
Laudate dominum ...
VATER UNSER ...
SCHLUSSORATION
Guter Vater im Himmel, alles verdanken wir dir, für alles loben und preisen wir dich. Deine Liebe ist der Grundton unseres Lebens, er bestimmt die unübersehbar vielfältigen Kompositionen von uns Menschen. Es ist nicht wichtig, ob wir ein großes Oratorium sind oder der kleine einstimmige Choralsatz, ob ein leises, einfaches Lied oder das jubelnde Präludium: Du hörst allem in Güte zu und schenkst uns deinen Segen zu jeder Tonfolge, die wir versuchen. Dir sei Lob und Preis in Ewigkeit. Amen. ⊗