Konvent St. Theresia in Dillingen - ein Kloster zum Mitleben

Als Glaubensgemeinschaft mit den Menschen unterwegs sein

von Sr. M. Bernadette Gevich OSF

 

Sonntagabend, 19:30 Uhr: die Schwestern und Frauen, die im Haus St. Theresia wohnen, treffen sich im Esszimmer, um die kommende Woche zu planen.

Im November 2004 wurde dieser Konvent offiziell gegründet; seither leben vier Schwestern und je nach Belegung 1 – 3 Frauen gemeinsam in der Jugendstilvilla in Dillingen.

Die Idee, dass wir Dillinger Franziskanerinnen ein „Kloster zum Mitleben“ anbieten, lebte schon längere Zeit im Verborgenen und wurde von verschiedenen Schwestern im Herzen erwogen. Zu Beginn des Jahres 2004 überlegten deshalb Schwestern der Provinz Maria Medingen und der Regens Wagner Provinz, wie diese Idee Wirklichkeit werden könne.

Die Konzeption unseres Konventes steht auf drei Säulen:

1. Ein Konvent, der Frauen die Möglichkeit bietet für längere Zeit mitzuleben.

2. Ein Konvent, in dem Schwestern aus verschiedenen Provinzen zusammenleben.

3. Ein Konvent, dessen Anliegen es ist, in der Pfarrei präsent zu sein.

Wie hat sich die Idee realisiert?

In unserer Gemeinschaft leben vier Schwestern unterschiedlichen Alters und in verschiedenen Berufsfeldern und z. Zt. eine junge Frau.

Unser Anliegen ist es, Frauen, im Alter zwischen 18 und 40 Jahren, auf ihrem „Suchweg“ nach christlicher Orientierung zu begleiten. Dabei stehen wir ihnen „Rede und Antwort“ in ihren Glaubensfragen und bieten Hilfe zur Entfaltung ihrer persönlichen Berufung zum Menschsein, Frausein und als Christin.

Interessierte Frauen können zwischen 3 und 12 Monaten bei uns wohnen. In dieser Zeit gehen sie einer geregelten Berufsarbeit bzw. einer Ausbildung nach.

Sie sind eingebunden in unseren Lebens- und Glaubensalltag, den wir nach dem Vorbild des hl. Franziskus durch geschwisterliche Begegnung, gemeinsame Mahlzeiten und Unternehmungen miteinander teilen. Dazu gehören Ausflüge oder Besuche in anderen Konventen ebenso wie die entsprechende Gestaltung des Jahreskreises oder die Faschingsfeier im Haus St. Theresia.

Als Gemeinschaft wollen wir im Glauben wachsen und legen Wert auf das gemeinsame Stundengebet, auf das wöchentliche Schriftgespräch und Erzählen von unserem persönlichen Glaubensweg. Eine regelmäßige Standortbestimmung in Gemeinschaft aber auch als Einzelne ist unerlässlich, um den Alltag in offener und geschwisterlicher Atmosphäre miteinander zu gestalten und zu leben. Das bedeutet auch, die persönlichen Gebetszeiten, Zeiten der Stille und des Alleinseins, der Ruhe und Erholung ernst zu nehmen. Hier sind die mitlebenden Frauen ebenso eingebunden wie auch in die gemeinsame Haushaltsführung, d. h. wir teilen die anfallenden Arbeiten in Haus und Garten und gestalten miteinander unsere Freizeit.

Wie sieht eine Woche konkret aus?

Montagmorgen: Sr. Therese ist schon vor unserem Frühstück mit dem Fahrrad zum Gottesdienst und zur Arbeit ins Krankenhaus St. Elisabeth gefahren. Dort arbeitet sie an der Berufsfachschule für Krankenpflege als Pflegepädagogin. Wir anderen nehmen nach dem Frühstück am Morgenlob und am Gottesdienst der Pfarrei St. Ulrich in Dillingen teil. Jede von uns geht dann ihren verschiedenen Pflichten nach. Sr. Brunlinde und Sr. Silvina kümmern sich um die Wäsche, um Haus und Garten und um’s Mittagessen. Sr. Bernadette ist in der Regens Wagner Provinz für Berufungspastoral zuständig und hat ihren Arbeitsplatz im Provinzbüro. Regina ist als Einzelhandelskauffrau in der Molkereiabteilung eines Supermarktes in Dillingen beschäftigt. Diese Vielfalt an Tätigkeiten bietet bei den Mahlzeiten eine Fülle von unterschiedlichsten Gesprächsthemen.

Abends treffen wir uns um 18:00 Uhr zum Beten der Vesper und anschließend zum Abendessen. Die Gestaltung danach ist sehr unterschiedlich und situationsbezogen. Allein der Montagabend ist für die Schwestern als Konventabend reserviert. Diese wichtige Zeit für die klösterliche Gemeinschaft bietet Raum, die vergangene Woche zu reflektieren, sich mit innerklösterlichen Aufgaben zu beschäftigen und als Schwesterngemeinschaft im Austausch zu sein. Alle anderen Abende sind auch für die mitlebenden Frauen offen; beispielsweise das Schriftgespräch am Donnerstag oder der Besuch der Jugendvesper in Maria Medingen, jeden 3. Freitag im Monat.

So, wie wir momentan zusammen wohnen, spielen wir auch gerne spontan miteinander Gesellschaftsspiele, musizieren, oder fahren mit dem Fahrrad noch ein Stück an der Donau entlang.

Täglich ist für das Abendessen eine andere Schwester bzw. Frau verantwortlich. Ebenso wird das Kochen an den Wochenenden aufgeteilt, wodurch unser Speiseplan sehr bunt und abwechslungsreich wird.

Der Freitagvormittag ist schwerpunktmäßig für die Hausreinigung freigehalten, an der sich alle im Rahmen ihrer Möglichkeiten beteiligen, oder sich eine ihnen mögliche Zeit, für den Hausputz im Laufe der Woche suchen.

Die Gottesdienste besuchen wir in der Regel in der Pfarrkirche St. Peter in Dillingen.

Die lebendige Art der Verkündigung und die würdig gestaltete Liturgie, aber auch die Begegnungen am Kirchenvorplatz oder bei den verschiedenen Veranstaltungen der Pfarrei binden uns ein in das Pfarrleben. Eine Schwester nimmt den Lektoren- und Kommunionhelferdienst wahr und arbeitet zudem bei der „Dillinger Tafel“ mit.

Sonntagabend, 19:30 Uhr. Alle kommen ins Esszimmer, um die kommende Woche zu planen. Es ist spannend, was die Woche alles an Neuem mit sich bringt. Eins ist sicher: Langweilig ist es bei uns nie!