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Eine katholische Internetplattform: www.kath.de |
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Am 25. Dezember 1995 startete der Vatikan einen eigenen Internetserver unter www.vatican.va. Das war das Signal für eine Gruppe von Studenten der Uni Passau und der Philosophisch-Theologisch Hochschule St. Georgen um Rolf Jouaux, ebenfalls einen eigenen Internetserver aufzubauen. Online ging er am 29. Februar 1996. Der WEGBEREITER spricht mit Jürgen Pelzer dem verantwortlichem Redakteur bei kath.de. WB: Was ist kath.de?Jürgen Pelzer: Das Projekt www.kath.de wurde von Rolf Juoaux gegründet und von Pater Bieger in das Medienprogramm der Universität Frankfurt aufgenommen. Als Ziel hatte kath.de:- kirchlich interessierten Internetnutzern tagesaktuellen Zugriff auf kirchliche Nachrichten und Quellentexte zu bieten. - Neugierigen ein Portal zu bieten, mit dem sie verschiedene katholische Internetangebote leichter finden können. - katholischen Stellen in Kursen Kompetenz und Hintergrundinformationen in Sachen Onlinekommunikation zu vermitteln. - gläubigen Erwachsenen ein Diskussionsforum für ethische und existentielle Fragen zu bieten. - Inhalte, Erfahrungen und Inhaltslieferanten zu sammeln für den Zeitpunkt, an dem über das Fernsehgerät weltweit Datenbanken und Hintergrundinformationen abgefragt werden können. - Kosteneinzusparung durch die Nutzung eines gemeinsamen Servers, da es billiger war einen gemeinsamen Server zu nutzen als wenn jeder Anbieter einen eigenen Server betreibt. Die kath. Fernseharbeit war der erste Kooperationspartner in dieser Gründungsphase. Aus dieser Gruppe heraus wurde die kath.de GmbH gegründet. Inzwischen steht hinter www.kath.de als Komplementär die emediage Medienentwicklungs- und -beratungs GmbH. Die Ziele von damals haben sich mittlerweile erweitert, indem wir mehr Beratungsdienste anbieten. Unser Hauptaugenmerk gilt aber der Entwicklung des Internets und des Nutzerverhaltens. WB: Wer gehört zu ihren Kunden?Jürgen Pelzer: In den ersten Jahren gehörten neben der Deutschen Bischofskonferenz auch 10 Bistümer und 10 kath. Akademien zu unseren Kunden, die vor allem technische Dienstleistungen benötigten. In den meisten Diözesen wurden zur Zeit des Internetbooms um das Jahr 2001 herum neue Stellen geschaffen, Internetbeauftragte wurden ernannt, die mit jeweils eigenen Ideen und eigener Technik arbeiteten. Die bis dahin gemeinsame technische Plattform www.kath.de wurde von vielen Partnern verlassen. Redaktionell hingegen hat sich die Zahl der Bistümer, die über www.kath.de ihre Pressemeldungen versenden und verlinken auf 12 erhöht. Hinzu kommen überdiözesane Vereine, Verlage und Medienstellen.WB: Wie sind sie zu kath.de gekommen?Jürgen Pelzer: Ich bin in einem Dorf bei Trier geboren und habe mich schon früh für das Internet interessiert. Ich habe mich für das Studium Katholische Theologie mit der Ausrichtung Medien an der Universität Frankfurt entschieden, weil hier Pater Bieger seit 1983 das Studienprogramm Medien, das zwei Jahre lang dauert, führt. Das Programm habe ich mitgemacht und lernte die verschiedenen Bereiche der Medien kennen und habe auch verschiedene Praktika gemacht. Aber der Bereich Internet hat mich am meisten gereizt und so wurde ich bei Pater Bieger als studentische Hilfskraft zuständig für den Bereich Internet. Ich habe durch den Gründer von www.kath.de, Herrn Rolf-Valentin Jouaux viele Grundlagen des Internets kennengelernt und gemerkt, dass Internet ein „leicht" zu lernendes Medium ist.Ich durfte hier an der Universität die 3-tägige Internetwerkstatt aufbauen, die wir nun schon das 4. Jahr durchführen, bei der die Grundlagen im Internet vermittelt werden. Viele junge Theologiestudenten sagen, dass sie sich mit Internet nicht auskennen, aber nach dem Internetkurs, der von uns angeboten wird, können die Studenten bereits mit dem Internet arbeiten. Momentan arbeite ich neben meinem Studium schwerpunktmäßig hier bei www.kath.de daran, zu analysieren wie die Menschen das Internet benutzen. Wir haben herausgefunden, dass 77% der Nutzer deutschlandweit über die Suchmaschine Google etwas im Internet suchen. Deshalb ist unsere Hauptaufgabe unsere Partner hier gut zu platzieren. Dafür hat www.kath.de die besten Voraussetzungen. Wir bieten u.a. das Vatikanlexikon an. Allein im April wurde es über Stichwort Papstwahl 55 000 Mal über Google aufgerufen, weil wir bei Google an erster Stelle stehen. Und wir versuchen auch eine Philosophie des Internets zu erstellen, da es ein Medium ist, welches kostenlos immer mehr Menschen zur Verfügung steht und diese das auch nutzen. Ich finde die Entwicklung, die das Internet seit 13 Jahren gemacht hat und noch macht, immer noch sehr spannend. Es steht fest, wenn die Kirche ihre Angebote ins Internet setzt und sie nicht bei Google gefunden werden, dann ist das ein Verlust, weil das zurzeit der erste Marktplatz im Internet ist. WB: Wie groß sind die Interessen der Studenten beim kath.de mitzuwirken?Jürgen Pelzer: Wir haben momentan vier Studenten für die Mitarbeit, drei aus Frankfurt, einer aus Essen. Wir suchen immer interessierte und vom Internet begeisterte Studenten, die bei uns mitarbeiten. Das Interesse der Studenten gegenüber Internet allgemein ist aber sehr zurückhaltend, zwar nutzen sie E-Mail und vielleicht noch e-bay, um Sachen zu kaufen oder zu verkaufen. Interessierte Studenten versuchen wir an www.kath.de einzubinden und Ihnen die Möglichkeit zu geben, Artikel zu schreiben, die wir dann ins Internet stellen. Die meisten Studenten kennen jedoch nicht die Möglichkeiten, die ihnen das Internet bei der Informationssuche bietet, die neuen Services wie Instant Messagger, EASS sind wenig bekannt- oder sie haben Berührungsängste. Wenn Sie jedoch an unserer Internetwerkstatt teilgenommen haben, merken sie wie einfach es ist selbst Inhalte zu schreiben und dann nutzen Sie auch das Internet, das ist für mich eine sehr positive Erfahrung.WB: Wie wird das Projekt finanziert, ist die Finanzierung weiterhin gewährleistet?Jürgen Pelzer: Unser Gründer, Rolf Jouaux, ging sehr bald nach der Gründung davon aus, dass kirchensteuerfinanzierte Onlineangebote aussterben werden. Deshalb haben wir immer das Ziel vor Augen behalten, ein sich selbst tragendes Internetkonzept zu entwickeln. Kath.de ist der Versuch, diese Philosophie umzusetzen. Leider trägt sich das Projekt noch nicht zu 100% selbst. In den letzten Jahren kamen jedoch einige Entwicklungen zusammen, die der Vision zu neuem Auftrieb verholfen haben. Zum einen sind die Preise für Spezialsoftware enorm gesunken. Musste man vor fünf Jahren noch sechsstellige Beträge ausgeben, liegen die Kosten für eine auf CMS basierende Homepage mittlerweile im vierstelligen Bereich. Hinzu kommt, dass immer mehr OpenSource-Software entwickelt wird, die zunehmend auch bedienfreundlicher gestaltet ist. |
Ohne die finanzielle Beteiligung der emediage würde sich das Projekt nicht selber tragen. Das hängt auch damit zusammen, dass die Zahlungsbereitschaft im Internet noch sehr gering ist. Es ist schwierig, im Internet Inhalte zu verkaufen, weil das Internet mit dem Pathos angetreten ist, alles umsonst anzubieten. Doch der Trend geht eindeutig zu bezahlten Inhalten. Man sieht das z.B. daran, dass immer mehr Zeitungen ihre Onlinearchive nur gegen Geld zugänglich machen. Der große Einbruch bei den Zeitungen ist zum Teil auf das Internet zurückzuführen. Warum sollte sich die jüngere Generation, die mit dem Internet vertraut ist, eine kostenpflichtige Zeitung bestellen, wenn es dieselben Informationen im Internet umsonst gibt (und teilweise sehr viel umfangreicher, z.B. bei news.google.de). Hier haben die Zeitungen lange Zeit die Herausforderungen und Chancen des Mediums Internet unbeachtet liegen lassen, bis der große Einbruch kam. WB: Welche Entwicklungen würden Sie im Bereich „Kirche-online" vor allem nennen?Jürgen Pelzer: Für den kirchlichen Bereich wird sicherlich auch zunehmend das Thema E-learning interessant. Wir arbeiten schon an konkreten Projekten, allerdings im außerkirchlichen Bereich. Es geht darum, den Anteil von Präsenztagen an der Uni durch den Einsatz des Internets zu verringern.Bei kath.de gehen wir auch zunehmend dazu über, gezielt Studierende der Theologie anzusprechen. Sie werden dann mit einzelnen Projekten vertraut gemacht und betreuen diese selbstständig. Dadurch können sie etwas verdienen und sammeln praktische Erfahrung. Kath.de wird so durch die neuen Ideen, die die Studierenden miteinbringen fit gehalten. Außerdem haben wir so ein gutes Gespür für die Zeichen der Zeit – um einmal diesen Ausdruck zu verwenden. WB: Wie sehen Sie die Zukunft, wo-rauf soll die Kirche im Bereich Internet achten? Jürgen Pelzer: Im Internet blickt man nicht mehr als 3 Monate voraus, lautet die Aussage von Herrn Jouaux. Dennoch haben sich aus der Erfahrung der letzten 10 Jahre einige Grundregeln herauskristallisiert, die mir wichtig erscheinen. Gerade im Bereich der Software gibt es große Einsparmöglichkeiten. Wenn sich drei kirchliche Einrichtungen für denselben Zweck drei verschiedene Softwares anschaffen, freuen sich die Hersteller. Durch Absprache hätte man aber 66% der Kosten sparen können. Deshalb sehe ich vor allem die Koordination und die Beratung als einen der zentralen Punkte zukünftiger kirchlicher Internetarbeit.Hinzu kommt der Einsatz von OpenSource Software. Zwar muss im einzelnen geprüft werden, ob sich das wirklich rechnet, aber ein offener Umgang mit dem Thema steht noch aus. Auch bestehen Möglichkeiten, das Internet zu nutzen, um die interne Kommunikation zu verbessern. Techniken wie InstantMessenger oder VOIP sind im privaten Bereich schon stark im Einsatz. Für das Medium Fernsehen lässt sich mit-lerweile eine Philosophie beschreiben: Der Fernseher ersetzt das Lagerfeuer und dient dazu Geschichten zu erzählen. Für das Medium Internet fehlt eine solche Kurzformel noch. Kirchliche Internetarbeit sollte sich neben den technischen und inhaltlichen Aspekten auch verstärkt mit den philosophischen und gesellschaftlichen Aspekten und Auswirkungen des Mediums auseinandersetzen. WB: Was würden Sie sich für das Projekt wünschen?Jürgen Pelzer: Ein Gespräch mit Tim Berners Lee. Er hat das, was man allgemein als Internet bezeichnet, erfunden: Das World Wide Web, kurz Web.Dabei standen für ihn nie technische Fragen im Vordergrund, sondern eine Vision: Wissen weltweit zugänglich zu machen und miteinander zu vernetzen, um besser zu verstehen. Eine gründliche Auseinandersetzung mit ihm würde der kirchlichen Internetarbeit sicherlich großen Gewinn bringen. Als er das Web erfand, hatte er zwei Aspekte im Blick: Zum einen ging es darum, Informationen zugänglich zu machen. Das kann jeder Browser, wie auch der Internetexplorer. Doch er wollte gleichzeitig auch eine Bearbeitungsfunktion in jedem Browser haben, die es dem Nutzer ermöglicht, den Text nicht nur zu lesen, sondern auch zu bearbeiten. Doch diese Idee hat sich nicht durchgesetzt, bis der Gedanke von einem zusehends bekannter werdenden Projekt namens Wikipedia wieder aufgegriffen wurde. Dieses Projekt wächst immens schnell. Mittlerweile erscheint zu vielen Suchwörtern bei google eine Seite des Wikipediaprojektes. Ich denke damit ist ein Trend angezeigt, der sich auch im kirchlichen Bereich umsetzen ließe: Zwar gibt es schon Möglichkeiten der Kommunikation wie etwa Foren oder Gästebücher, aber sie sind noch zu linear aufgebaut, also von oben nach unten laufend. Es müsste mehr mit den Möglichkeiten der Vernetzung gearbeiet werden. So ließe sich etwa ein Netz von Glaubenserfahrungen darstellen. Inhalte hat die Kirche jedenfalls genug. Die Wikipedia hat gezeigt, dass sich das Netz teilweise rasant weiterentwickelt, Ideen und Protagonisten gibt es in den weltweiten Datennetzen genügend. Gerade im Internet müsste die Kirche auch auf ihre Sprache achten. Wörter wie Nachfolge werden nicht mehr verstanden. Gerade auch im Hinblick auf die Verschiedenheit des Nutzerpublikums in Bezug auf Fernsehen und Internet zeigt sich, dass das Zielpublikum im Internet ein anderes ist: Wer täglich mehrere Stunden vor dem Fernseher verbringt wird in der Regel kein großer Internetnutzer sein. Das Internet ist ein sehr dynamisch aktives Medium, das auf den Nutzer reagiert. Im Prinzip ist es technisch gesehen nichts anderes als eine große Kaffeemaschine. Der Nutzer drückt einen Knopf, eine Button, eine Link und etwas verändert sich auf dem Bildschirm, oder es kommt ein Audio-Beitrag. Die wohl drängendste Aufgabe kirchlicher Internetarbeit besteht darin, eine Bedienungsanleitung für diese zu groß geratene Kaffeemaschine zu schreiben. Denn das Medium Internet ist ideal geeignet den Auftrag der Kirche auszuführen. Die Frage ist nur, wer definiert heute, was Internet ist und wie es funktioniert? Die großen Konzerne, die Werbung, die Regierungen, Verbände, oder Einzelpersonen? Im Moment ist es wohl sehr stark die Werbung, die das Bild des Internets in der Öffentlichkeit prägt. „Ich bin drin" – sagt Boris Becker in einem berühmten Werbespot. Aber wozu? Diese Frage sollte auch die Kirche beantworten. Ein erster Versuch könnte lauten: Weil hier Kommunikation mit anderen Menschen stattfinden kann, die man sonst nie treffen würde, weil hier kreative Begegnungen stattfinden, die im realen Leben nie hätten stattfinden können, und weil hier Möglichkeiten geschaffen werden, die anstehenden sozialen, globalen und gesellschaftlichen Probleme in einer Art Weltgesellschaft zusammen anzugehen. Kirchliche Internetarbeit braucht vor allem eins: Eine Vision des Internets, so wie auch dessen Erfinder, Tim Berners Lee, trotz massiver Widerstände seine Vision umgesetzt hat. |