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Internet und Spiritualität von Maria Anna Leenen |
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Spiritualität definiert als das Gesamt der gelebten Hingabe des Menschen an Gott und seine Sache (Christian Schütz) bezieht ihre Wurzeln aus der Hl.Schrift, der Tradition der Kirche und der Zeugnis gebenden Gemeinschaft aller Glaubenden. Von den ersten Mönchsregeln über die Armenbibeln des Mittelalters und die Erbauungsliteratur der Neuzeit reicht die Kette der literarisch-spirituellen Impulse und Anweisungen bis zur Bilder- und Buchflut heute. Trotz des geschriebenen Wortes aber war das persönliche Gespräch zwischen einem neugierig suchenden Menschen und einem, der wusste und weitergab, meistens wichtiger. Von Angesicht zu Angesicht, ob bei den liebevollen Weisungen der Wüstenväter in den Dialogen mit Schülern und Besuchern oder beim Bibel-Teilen in lateinamerikanischen Basisgemeinden: das lebendige Gegenüber interessierte, zog an und öffnete für den Glauben. Was aber, wenn im Gespräch das Angesicht des Menschen fehlt, der mir von seiner Geschichte mit Gott erzählt; wenn Mimik und begeisterte Gestik und die authentische Ausstrahlung eines von Gott mitgerissenen Menschen das gesprochene Wort nicht beglaubigen? Das Internet ist das Medium heute, das die Informationsübermacht am deutlichsten aufzeigt. Hat es auch Auswirkungen auf den Glauben der Menschen? Kann es vielleicht den Glauben fördern? Die Internetseelsorge weiß von zunehmenden Anfragen, die per E-Mail oder im Chat Glaubensfragen und Lebensprobleme zum Thema haben. Ersetzt das Netz mittlerweile das persönliche Gespräch? Die Fülle an möglichen Informationen und Angeboten ist enorm. Wer im Netz surft oder bei Suchmaschinen das Thema Glaube/Spiritualität eingibt, wird fast erschlagen von Ergebnissen. Zum Beispiel: www.google.de: 88.500 Suchergebnisse zum Thema christliche Spiritualität. Fragt man allerdings Internetuser (die hier nur mit Nickname, also Pseudonym, erscheinen) selbst, kommen sehr interessante Aussagen: Im Diskussionsforum www.katholon.net schreibt „Marce": „Zunächst ist es doch einmal schön, dass es neben dem (sit venia verbo) ganzen Schrott, den man im Internet zu Gesicht bekommt, auch kleine Inseln der Tiefe gibt. Für mich persönlich ist speziell diese Seite sehr nützlich und gut, weil ich hier mit Fragen konfrontiert werde (so wie diese hier), auf die ich von alleine gar nicht gekommen wäre. Für mich ist das eine kleine Erweiterung meines geistigen Horizonts und außerdem merke ich, dass ich nicht alleine bin, wenn‘s um ein intensives Fragen nach Gott - eben in allen Bereichen - geht." „Edith" antwortet darauf: „Volle Zustimmung! Ich werde im Internet (und ich meine da nun speziell katholische Foren), mit Meinungen konfrontiert, die mir in „freier Wildbahn" weniger unterkommen. Man erweitert seine Sicht der Kirche erheblich, find ich. Ich bekomme auch immer wieder sehr gute Impulse fürs eigene Nachdenken und Glaubensleben von Leuten, die zuweilen sehr gute und tiefe Erfahrungen schildern. Natürlich... hat dieses Medium auch seine Tücken. Hier kann jeder alles schreiben - auch Mist. Aber.... das gilt auch für Bücher... nicht? Und im Internet findet sich schnell jemand, der widerspricht. In Büchern.... nicht. Der Umgang mit so vielen verschiedenen Erfahrungen und An-/Einsichten fördert die Gabe der Unterscheidung... mein ich." „Leuchtturm" schreibt etwas später dazu: „mir hat das Netz bewusst gemacht, das ich sehr tief in der röm.kath Kirche verwurzelt bin, da ich in einer katholischen Gegend wohne und auch aufgewachsen bin, war alles selbstverstäntlich, bis ich in einem Jesus Chat landete, wo Freikirchler, Esotheriker, Atheisten usw. sich begegnen. Plötzlich begann ich für unseren Papst einzustehen, die Kirche zu verteidigen, denn es schienen alles Skeptiker der Kirche vor mir zu stehen, allerdings sympathische Gegenüber, jedenfalls die meisten. Ich musste viele Antworten suchen, was mich immer tiefer und stolzer werden lies, das ich einer so tollen Kirche angehöre, na ja Fehler hats in jeder Kirche, aber ich suchte ja vor allem Gott, mit und in ihr." www.katholon.net/viewtopic.php?t=301 In einem Chat, einer Life-Diskussion ist in „Echtzeit" ein Austausch möglich. Hier unterhalten sich zwei User über die Persönlichkeit und den Tod des Papstes. Der Wortlaut ist unverändert: uhu: konsequent manchmal ein bißchen stur, kraftvoll, tolle vision uhu: schwer in worte zu fassen - wie gehts dir damit? uhu: denn ich kenne nur diesen einen papst uhu: es ist und wird ein komisches gefühl werden ,daß er nicht mehr da ist manne: ja, kraftvoll, was mich in den letzten Monaten so beeindruckt hat, war seine Unerschrockenheit, sich so zu zeigen, wie er ist. Nicht fit, jung dynamisZ manne: spannedn wird es jetzt, wer danach kommt. kein leichtes Erbe. uhu: und die ersten hochgebete mit dem neuen papstnamen werden sehr - mmh - komisch sein uhu: er hat bis zum letzten mit der menschenwürde an sich und seiner persönlichen gekämpft manne: ich hab mich erschrocken heute, als sein Name da fehlte. War ein leeres Gefühl uhu: nee - der „neue" papst hat gewiß kein leichtes erbe manne: für mich ist es das erste Konklave als Katholikin. uhu: von ihm wird einiges verlangt werden, was jpII ausgezeichnet hat: viele medien , viel öffentlichkeit, viele reisen, ... uhu: für mich auch uhu: ich kenne das alles nur aus grauer theorie manne: nein, ich denke, der neue Papst wird sein eigenes Charisma entwickeln. und das ist auch o.k. uhu: und ehrlich gesagt habe ich mir bisher keine gedanke gemacht, daß ich das mal erleben werde - jpII war einfach immer da als konstante größe manne: hast du viel über die katholische Kirche gelesen oder welche Theorie?
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uhu: sicher wird er das entwickeln und auch entwickeln müssen - aber manches wird er fortsetzen müssen uhu: ich hatte div. gelesen und erzählt bekommen manne: abwarten uhu: das denke ich auch - abwarten und sich die sache entwickeln lassen uhu: komisch wird auch die christmette in rom werden ohne jpII (die „ziehe" ich mir jedes jahr rein) manne: was denkst du alsProtesttantin eigentlich über den Papst? manne: Hö, Protest-Tante *lach* uhu: bin fast-katholikin uhu: äh? manne: warum nur fast?!? uhu: nicht getauft manne: taufen kann man sich lassen. manne: man kann sich taufen lassen (so klingts besser) Etwas später: uhu: nee das war kein vorwurf mit maria oder so - ich war nur erstaunt manne: glaube ich. wäre ich früher auch gewesen uhu: *grins* uhu: darf ich mal persönlich fragen? findet sich maria in deinen gebeten wieder oder war sie eher das „sprungbrett"? manne: maria hat mir geholfen zu Jesus zu finden, und das ist mein glück gewesen. manne: sprungbett *grins* uhu: ok uhu: ich kann auch sonst mit den heiligen nicht viel anfangen, außer daß sie ein überzeugtes leben als christen führten manne: betest du auch oder persönlich gefragt: wie betest du? uhu: trotzdem würde ich mir wünschen, daß jpII irgendwann selig und heilig gesprochen würde uhu: seeeeehr unterschiedlich manne: wird er sicher, glaube ich jedenfalls. Er ist ein toller Mann (gewesen) uhu: aber regelmäßig abends im bett, morgens muß ein kurzes „guten morgen" richtung himmel reichen, und tägsüber je nach dem uhu: und du? manne: ich bete stundengebet, früher Brevier genannt. Morgens und mittags und abends. Psalmen, Schrifttexte etc. manne: und außerdem frei. UNd icvh versuche ein Psalmwort den Tag über im Herzen zu haben uhu: toll! leider fehlt mir dafür die zeit uhu: mein abendgebet ist stets frei manne: Ein Schriftwort sich aussuchen und tagsüber immer mal dran denken, kostet keine Viertelstunde uhu: mit den psalmen usw. kann ich eher weniger anfangen, das persönliche ist mir viel wichtiger manne: Für mich ist das we Brot oder wie Atmen geworden uhu: mag sein manne, aber irgendwie wäre das glaube ich nicht so mein ding - vielleicht noch nicht manne: die psalmen sind ungeheuer persönlich. ich finde mich darin sehr, sehr oft wieder, uhu: vielleicht habe ich da aber auch (noch) nicht den zugang zu gefunden manne: versuchs doch mal. uhu: mmh manne: das kling ja wahnsinnig begeistert *lach* uhu: wie hast du den zugang gefunden oder bist schon damit aufgewachsen? uhu: ist es auch *mitlach* www.kapuziner.org/chat/coolcafe/conversation.asp Das Netz ist mit seinem unübersehbaren Angebot Spiegel der heutigen Glaubenslandschaft. Gerade für junge Leute, bei denen PC und Internet in der Regel zum normalen Alltag gehören, bietet es gute Anknüpfungspunkte. Ebenso für die Menschen, die sich zu Hause in der Gemeinde nie trauen würden, über Gott und Kirche zu reden, geschweige denn, nachdenkliche Fragen zu stellen. Oder die zu keiner Gemeinde und Konfession gehören. Es kann helfen, sich der Sehnsucht nach Gott bewusst zu werden und Schritte in die reale Gemeinschaft der Kirche zu wagen. Dazu noch einmal ein posting aus www.katholon.net von Ingrid: Für mich war das Internet, das Netz, mit dem ich wieder eingefangen wurde ... zufällig auf die Homepage des Benediktinerklosters meiner Heimatstadt gestolpert, einige Texte toll gefunden, den Verfasser angemailt, Antwort bekommen ... Dann das Benediktinerforum entdeckt, in dem mein Mailpartner auch postete ... und auf einmal tat sich was, und wie! Allerdings bin ich dann rasch raus aus der virtuellen Welt und in das konkrete Kloster zum Gottesdienst gegangen. Und noch ein anderer Aspekt: Ich habe über das Internet gerade im Glaubensbereich doch etliche sehr liebe Menschen kennen gelernt, und mit einigen von ihnen bin ich inzwischen gut befreundet - aber ebenfalls in the real life. |
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