Ehrenamt – Hauptamt
Kreative
Zusammenarbeit
Von Prof. Dr. Rainer Bucher, Graz
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„Ehrenamtliche" sind für die Kirche - ganz nüchtern gesehen - aus mindestens zwei Gründen wichtig: Zum einen kosten sie wenig, zum anderen erreichen sie Menschen, zu denen Hauptamtliche kaum mehr Zugang haben. In Zeiten des Priestermangels sind es immer deutlicher die Ehrenamtlichen, welche das kirchliche Leben aufrecht erhalten. Wie es heute nicht mehr geht Freilich gibt es vielerorts auch Probleme. Zum Beispiel, wenn die „Ehrenamtlichen" zu so etwas wie „Handlungsmarionetten" der Hauptamtlichen werden. Man bestimmt dann nicht gemeinsam, was für das Evangelium hier und heute ansteht und wer was kann und machen will, sondern gibt vor, was zu tun sei. Das lassen sich heute immer weniger Menschen gefallen: zu Recht. Auch beruht das kirchliche Ehrenamt bisweilen immer noch auf den traditionellen Vorstellungen von der Aufgabenverteilung zwischen den Geschlechtern: für Frauen die Hilfs-, für Männer die Ehrendienste. Mit dieser traditionellen Rollenverteilung ist es aber in unserer Gesellschaft vorbei: Frauen haben verantwortliche Aufgaben übernommen und wollen nicht länger als Gehilfinnen wahrgenommen werden. Auch das ist im übrigen nur gerecht und also gut so. Das gemeindliche Ehrenamt umgibt zudem oft eine ganze Wolke von Unehrlichkeit: Aus Hingabe, Nächstenliebe und christlicher Motivation soll es vollzogen werden. Wo das der Fall ist, darf man tatsächlich dankbar sein. Jeder Experte, jede Expertin der Pastoral aber weiß, dass bei Ehrenamtlichen, in welchem Mischungsverhältnis auch immer, noch ganz andere Motivationen hinzukommen: Geltungsbedürfnis und Einflusssuche, Kommunikationswunsch und Gemeinschaftssehnsucht, Hoffnung auf förderliche Kontakte und auf das Ausleben-Können von Hobbys und Neigungen. Das Problematische ist dabei nicht, dass solche Neben- oder Hauptmotivationen bestehen, sondern dass sie verschleiert und versteckt werden. Man muss vielmehr ehrlich darüber sprechen. Ein Letztes: Kirchliche Ehrenämter neigen zur Selbst- und Fremdausbeutung. Es gibt einen Sog zu immer mehr, immer entgrenzterer Mitarbeit. Wer einmal als „aktives Gemeindemitglied" identifiziert ist und sich bewährt hat, muss immer wieder „ran". Insofern aber die Lebensräume „Familie" und „Arbeit" immer prekärer und heikler werden, ist jedes Engagement darüber hinaus vor der Familie und den Anforderungen des Berufs begründungspflichtig. Wer das nicht berücksichtigt, gefährdet das Lebensglück von Menschen. Gemeinsam sind wir Volk Gottes Das II. Vatikanum hat bekanntlich eine neue Perspektive auf die Kirche geworfen. Von ihr her kann auch das kirchliche Ehrenamt neu gedacht werden. Denn das II. Vatikanum begreift die Kirche konsequent als Volk Gottes. In ihm gibt es verschiedene Dienste und Ämter, aber allen gemeinsam ist die eine Aufgabe, das wandernde Volk des Gottes Jesu zu sein. Diese aufgabenbezogene, pastorale Sicht der Kirche hat weit reichende Konsequenzen für die innerkirchlichen Verhältnisse. Eine dieser Konsequenzen ist es zum Beispiel, Priester und Laien nicht zuerst von ihrem Unterschied, sondern von ihrer gemeinsamen Aufgabe her zu bestimmen. Das gilt auch von der Unterscheidung Haupt- und Ehrenamtliche. Die Kirche als aufgabenbezogene, pastorale Institution zu bestimmen, beendet nicht alle internen Unterscheidungen im Volk Gottes, gibt ihnen aber einen gemeinsamen Rahmen. Die Unterscheidung von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen ist jedenfalls zweitrangig gegenüber der gemeinsamen Verpflichtung aller in der Kirche, das Volk Gottes in Wort und Tat zu sein. |
Erinnerungen für Hauptamtliche - Schaffen Sie Orte gemeinsamer Reflexion, an denen bestimmt wird, was mit den jeweiligen zur Verfügung stehenden Kräften und Mitteln Vorrang hat im pastoralen Handeln der Kirche. - Hauptamtliche sollten die Bereitschaft zur Mitarbeit anderer Mitglieder des Volkes Gottes als Chance zur Erneuerung ihres Handelns wahrnehmen. - Vermeiden Sie gezielt jede Form geschlechtsspezifischer Aufteilung von Handlungsfeldern. - Ehrenamtliche Tätigkeit ist heute verknüpft mit der Erwartung, aus dieser Tätigkeit Gewinn für sich selbst in Form von Lernprozessen und neuen Kommunikationsmöglichkeiten zu ziehen. Dies sollten Sie realisieren und akzeptieren. - Halten Sie die ehrenamtliche Mitarbeit stets zeitlich befristet, treffen Sie genaue Absprachen mit genauen Aufgabenbeschreibungen, bieten Sie Qualifizierungen an und signalisieren Sie die Nicht-Selbstverständlichkeit solchen Engagements. In welchem Zustand ist das Volk Gottes vor Ort? Eines aber sollte auch klar sein: Die Lage der ehrenamtlichen Mitarbeit ist eine Frage nach dem Zustand des Volkes Gottes vor Ort: Ist es eine leuchtende „Stadt auf dem Berg", oder verkümmert es in Selbstmitleid und Kleingläubigkeit? Erkennt es die Zeichen der Zeit und handelt nach ihnen, oder versteckt es sich in den Herausforderungen der Gegenwart? Atmet es den Geist des Mutes, der Freiheit und der Barmherzigkeit unseres Gottes oder den Geist der Kleingläubigkeit und des phantasielosen, mühsamen Funktionierens? Bücher zum Thema R. Bucher (Hrsg.) Die Provokation der Krise. Zwölf Fragen und Antworten zur Lage der Kirche Echter Verlag, Würzburg 2004 Hunstig/Bogner/Ebertz (Hrsg.) Kirche lebt. Mit uns. Ehrenamtliches Laienengagement aus Gottes Kraft. Düsseldorf 2004 |
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