Künstlerhaus Berlin

Kunst und Kirche

Von Dr. Bernward Konermann,
Leiter des Künstlerhauses

Das KÜNSTLERHAUS BERLIN wurde 1990, gleich nach der Wende, von dem Berliner Maler und Graphiker Paul Corazolla und dem Dominikaner Eckart Deutsch gegründet. Seine Aufgabe ist es, Brücke zu sein zwischen der Welt der Kunst und der Kirche.

Kunst und Kirche – früher und heute
Kunst ist Kunde, und Künstler sind, wenn nicht Verkünder, so doch Kundschafter als Vermittler von der jenseitigen (unsichtbaren) zur diesseitigen (sichtbaren) Welt. Kirche und Kunst bleiben in dieser Spannung. Die Avantgarde und die Hauptgruppe: Die einen zum Wohle der Allgemeinheit sehr auf Ordnung und Dogma bedacht, die anderen ihre Freiheit und die Improvisation zum Überleben so unbedingt brauchend, wie zum Atmen die Luft. Doch beide bleiben aufeinander bezogen. Die Kirche war für lange Zeit der Haupt-Ideenlieferant und der Haupt-Auftraggeber der Künstler, und die Künstler prägten mit ihren Werken mehr als jede Theologie Glauben und Sakralität.
Doch es sind auch Verständnis-Schwierigkeiten entstanden und beide Welten haben sich in ihre je eigenen Jargons und Milieus zurück-gezogen. Besonders in Berlin ist die Kirche fast nur noch mit sich selbst beschäftigt, innerlich zerrissen zwischen ihrem universellen Anspruch und dem selbstgewählten Ghetto. Die momentane finanzielle Krise des Berliner Erzbistums ist vor allem das Ergebnis einer verpassten Nach-Wende-Erneuerung.
Künstler andererseits, die den Kontakt zur Religio verloren haben, sind Kundschafter ohne Auftrag, jeder Mode ausgeliefert, mehr noch, einer existentiellen Bedrohung, die der Kunst und den Künstlern aufgrund ihrer Verletzbarkeit ohnehin zu Eigen ist.

Fruchtbare Begegnung
Das KÜNSTLERHAUS BERLIN will nun in seiner Brückenfunktion Impulse in beide Richtungen aussenden, in die Kirche - und in die Kunst. Da in Berlin sehr viele deutsche und auch internationale Künstler leben, ist der Kontakt in die Künstler-Szene relativ einfach herzustellen. Natürlich gibt es Schwellenangst beim Betreten einer offensichtlich kirchlichen Einrichtung, und dennoch erwarten die Künstler, und das ist erstaunlich - jenseits aller Dogmatik - vom KÜNSTLERHAUS BERLIN in erster Linie kirchliche und vor allen Dingen christliche Kompetenz. 

Der Kontakt in die Berliner Kirche, vor allem zum Klerus, gestaltet sich da schon schwieriger. Aber langsam reifen auch hier die ersten Früchte: Mit Seminaren unter dem Titel „Liturgie und Inszenierung“ wird Priestern und Liturgen das Element der Körpersprache und liturgischen Dramaturgie wieder bewusst gemacht. Über 90 Prozent des Kirchenkontaktes gehen über den Gottesdienst. Gerade die Gottesdienste aber werden - um Prof. Zulehner aus Wien zu zitieren - immer kirchenfeindlicher, profaner und verklemmter. Ein überdiözesanes Forum mit P. Anselm Grün OSB bietet die Künstlerhausarbeit auch bundesweit an. Das Programm finden Sie unter der Internetadresse: www.spiel-der-kraefte.de
Aber auch für die Künstler werden im KÜNSTLERHAUS BERLIN Seminare und Workshops veranstaltet. Drehbücher, Lesungen, Ausstellungen, Theaterproduktionen werden entwickelt und zum Teil bis zur Produktion gebracht. 

Ein Raum für das Experiment
Zeitgenössische Kunst kennt noch nicht den Filter der Auslese und Gewöhnung. Sie muss naturgemäß verstören, aufbrechen, reizen. Sie muss der Stein des Anstoßes sein, der über diese Welt hinausweist. Und sie muss in einem breiten Feld viele Raupen aushalten, um einen Schmetterling hervorzubringen. Der Künstler aber ist, von einigen etablierten Ausnahmen einmal abgesehen, dabei einem ungeheuren existentiellen und wirtschaftlichen Druck ausgeliefert. Um so wichtiger ist es, dass Freiräume geschaffen werden, frei vom wirtschaftlichen Druck. So können neue und glaubwürdige Visionen und Wege wachsen.

Kontakt:
Künstlerhaus Berlin
Hannoversche Straße 5, 10115 Berlin
Tel.: 030/283 095 167
E-Mail: mail@kuenstlerhaus-berlin.de

Internet: www.kuenstlerhaus-berlin.de 
Auf dieser Seite präsentiert das Künstlerhaus Berlin in Zusammenarbeit mit der Internet-Plattform „kath.de“ eine Internet-Galerie mit wechselnden Ausstellungen.