Berufsfeld kirchliche Kunst 

 

Berufe der Kirche und in der Kirche – wer denkt da schon an ein Engagement im Bereich der kirchlichen Kunst, sei es beruflich oder ehrenamtlich. Dr. Michael Kessler, Direktor des Instituts für Fort- und Weiterbildung der kirchlichen Dienste und Vorsitzender des Kunstvereins der Diözese Rottenburg-Stuttgart, zeigt eine Reihe von Möglichkeiten für kunstbegabte und kunstinteressierte Frauen und Männer auf.

Wer genau hinschaut, dem eröffnet sich im Kontext kirchlicher Kunst ein durchaus breites und buntes Spektrum, auch wenn es sich dabei nicht immer um genau definierte Planstellen- oder Berufsprofile handelt. 

Berufsprofile
Aber selbst solche kommen vor. Zumeist – das muss hier einschränkend gesagt werden – handelt es sich bei solchen Voll- oder Teilstellen/Aufträgen um Aufgabenbereiche, für die in der Regel auch eine theologische Qualifikation, also eine abgeschlossene theologische Ausbildung vorausgesetzt wird. 
A Da gibt es zum Beispiel Künstlerseelsorger – Priester oder Laien – die einen Auftrag oder Teilauftrag haben als Studentenseelsorger für die pastorale Arbeit mit Dozenten und Studenten von Kunstakademien und Kunsthochschulen und/oder für Künstlerinnen und Künstler selbst. 
A Da gibt es Stellen für Referentinnen und Referenten für Kunst (bisweilen nicht begrenzt auf Bildende Kunst, sondern auch im Blick auf Literatur und Musik) an kirchlichen Akademien oder im Bereich der kirchlichen Erwachsenenbildung, Stellen, die nicht selten sogar explizit als solche ausgeschrieben und auch entsprechend, also mit Leuten, die (zusätzlich zur Theologie) Kunstgeschichte oder Kunstwissenschaften studiert haben, besetzt werden. Gerade in diesen Einrichtungen gibt es zahlreiche, höchst qualitätvolle Formen der Ausei- 
nandersetzung und Begegnung mit Kunst und Künstlern der Gegenwart, mit Kunst-/Kulturtheorie, mit Literatur und Musik, mit Kunstgeschichte und Kunstwissenschaft, sowie reiche und spannende Ausstellungs- und sonstige Veranstaltungsaktivitäten.
A Da gibt es Stellen für Leiter oder Mitarbeiter/-innen von Diözesanmuseen, also Aufgaben, für die eine kunsthistorische Qualifikation in der Regel die Voraussetzung bildet. 
A Desgleichen gibt es Stellen in kirchlichen Bauämtern, ebenfalls mit entsprechender Qualifikation, also in der Regel z. B. für Architektinnen und Architekten.

Ehrenamtliches Engagement
In vielen Diözesen gibt es Kunstkommissionen und/oder Kommissionen für kirchliches Bauwesen. In der Regel werden deren Mitglieder berufen oder bestellt. Dafür kommen sowohl Theologen/innen (Priester und Laien) mit entsprechendem Sachverstand und erkennbaren Interessen in Frage, als auch Bildende Künstler/-innen und Architekten. 

In anderen Diözesen gibt es kirchliche Kunstvereine, die in der Regel einen Vorstand oder ein anderes, meist mehrere Mitglieder umfassendes Leitungsgremium haben, Organe, in die man gewählt werden kann, wenn man Mitglied ist. Nicht selten veranstalten solche Vereine Symposien oder Tagungen zu bestimmten Themen, Jahrestagungen, thematisch bereicherte Mitgliederversammlungen oder auch Ausstellungen. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart, in der auch ein solcher, inzwischen 150 Jahre alter und über 800 Mitglieder zählender Kunstverein existiert, gibt es zusätzlich seit 1997 einen Kunstpreis der Diözese, der in der Regel alle fünf Jahre, zumeist zu einem bestimmten Thema, ausgelobt und vergeben wird. Daran können sich alle interessierten hauptberuflich tätigen bildenden Künstler/
-innen beteiligen. Daneben gibt es hier seit einigen Jahren außer dem großen Kunstverein einen eigenen, recht aktiven Künstlerinnenverbund, in dem nur Frauen Mitglieder sind und für dessen Aktivitäten es einen eigenen Frauenkunstpreis gibt.
Auf überdiözesaner Ebene ist die in München residierende Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst zu erwähnen, bei der man natürlich Mitglied werden und sich aktiv einbringen, aber auch in den Vorstand oder in eine Jury gewählt werden kann. Auch diese ist Trägerin zahlreicher, künstlerisch oft sehr anspruchsvoller und interessanter Aktivitäten mit Ausstellungen, Tagungen und Projekten.

Kunst und Pastoral
Nicht unerwähnt bleiben soll hier aber auch die Ebene der Pfarreien und Pfarrkirchen mit ihren Gemeindehäusern. Da gibt es in aller Regel zwar nicht viel Geld für Projekte, aber nichtsdestoweniger zahlreiche Aktivitäten, an denen Künstlerinnen und Künstler sich häufig beteiligen: z. B. bestimmte Aktionen in Kirchenräumen während bestimmter, dafür geeigneter Zeiten des Kirchenjahres (Kreuzverhüllungen, Fastentücher, Adventsaktionen usw.). Hier können pastorale Mitarbeiter/-innen mit Künstlern und -innen hervorragend zusammen arbeiten. Nicht zu vergessen sind aber hier auch die Gremien, z. B. Kirchen- bzw. Pfarrge-meinderäte, die bei Fragen des Kirchenbaus und/oder der Gestaltung/Ausstattung von Kirchen- bzw. Gemeinderäumen mit zu reden und zu entscheiden haben. 

Schließlich möchte ich darauf hinweisen, dass die Einbeziehung von Kunst der Gegenwart und vergangener Epochen in das pastorale Handeln der Kirche eine häufig gepflegte und genutzte Möglichkeit der nonverbalen Erschließung und der symbolischen Interaktion darstellt. Das gilt für Predigt und Katechese, für religiöse Bildungsarbeit ebenso, wie für die Erschließung von Kirchenräumen und liturgischen Orten. 

Das sind jetzt alles nur ein paar Beispiele und Hinweise. Es wäre sicher noch etliches anzuführen, denn die Möglichkeiten sind zahlreich und dem erfinderischen Engagement sind, wofern es sich nicht ausschließlich provokativ gebärdet, kaum Grenzen gesetzt.