Religionslehrer/-in

Ein Beruf mit Zukunft

Von Dr. Andreas Verhülsdonk, Referent für Religionspädagogik im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn

Hohe Wertschätzung
Religionslehrerinnen und Religionslehrer gestalten ihren Unterricht abwechslungsreich und beziehen Position. Sie sind meist freundlich und hilfsbereit. Wegen dieser Eigenschaften werden sie von Schülerinnen und Schülern geschätzt. Das ist ein Ergebnis der empirischen Studie zum katholischen Religionsunterricht, die der Salzburger Religionspädagoge Anton Bucher in verschiedenen Regionen Deutschlands durchgeführt hat. (vgl. Lesetipps S. 14: Religionsunterricht zwischen Lernfach und Lebenshilfe. Eine empirische Untersuchung zum katholischen Religionsunterricht in der Bundesrepublik Deutschland, Stuttgart-Berlin-Köln 2000, 74f.) Das positive Bild, das die Studie von den katholischen Religionslehrerinnen und Religionslehrern zeichnet, überrascht nicht. Viele können aus der eigenen Schulzeit bestätigen, dass Religionslehrer sich oft weit über das übliche Maß hinaus engagieren. Für viele Schülerinnen und Schüler sind sie wichtige Ansprechpartner in Glaubens- und Lebensfragen – auch außerhalb des Unterrichts. Und auch für manche Kolleginnen und Kollegen im Lehrerzimmer, die oftmals den Kontakt zu Glaube und Kirche verloren haben, sind die Religionslehrerinnen und Religionslehrer wichtige Gesprächspartner, wenn es um religiöse oder moralische Fragen geht. Selbst Schulleitungen, die dem Christentum eher gleichgültig gegenüber stehen, wissen den Religionsunterricht und die Kompetenzen der Religionskolleginnen und –kollegen als einen wichtigen Beitrag zur Schulkultur zu schätzen.
Entsprechend hoch ist auch die gesellschaftliche Akzeptanz des Religionsunterrichts, wie Meinungsumfragen (zuletzt EMNID-Umfrage aus dem Jahre 2001) immer wieder bestätigen. Politiker aller Couleur haben mehrfach ihre Wertschätzung des Faches bekundet. Auch die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die sich vom Religionsunterricht abmelden, ist seit Jahren konstant niedrig: Sie liegt bundesweit unter 5%. Das alles berechtigt zu der Feststellung: Katholische Religion ist ein Fach mit einer sicheren Zukunft in allen Schultypen.

Steigender Einstellungsbedarf
Und doch gibt es ein Problem: Das Fach hat zu wenig Nachwuchs, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Die Zahl der Theologiestudierenden mit dem Ziel Lehramt ist von 14.858 im Wintersemester 1997/98 auf 11.517 im Wintersemester 2001/02 zurückgegangen. Über die Gründe lassen sich nur Vermutungen anstellen. Vielleicht liegt ein Grund darin, dass in den letzten 20 Jahren nicht alle ausgebildeten Religionslehrerinnen und Religionslehrer eine Anstellung im Schuldienst fanden und auf andere Berufsfelder ausweichen mussten. 

Diese Sorge brauchen heutige Studienanfänger nicht mehr zu haben. Aufgrund der Altersstruktur der Religionslehrerschaft – viele sind 55 Jahre und älter – wird in den nächsten 5 bis 10 Jahren der Einstellungsbedarf in diesem wie auch in anderen Fächern deutlich steigen. Mehr noch: In fast allen Schulformen – besonders in der Sekundarstufe I sowie in den Berufs- und Sonderschulen – droht ein Mangel ein Religionslehrkräften. In den Berufs- und Sonderschulen fallen schon heute in vielen Regionen 50% und mehr der Pflichtstunden aus, wie der jüngste Bericht der Kultusministerkonferenz „Zur Situation des Katholischen Religionsunterrichts in der Bundesrepublik Deutschland” (Der Bericht ist im Internet verfügbar unter www.kmk.org/doc/publ/Bericht-Kath-Religionsunterricht.pdf) feststellt. Dabei ist die Berufsschule ein hoch interessantes Berufsfeld. Hier hat man es mit Jugendlichen ohne Schulabschluss, aber auch mit Abiturienten, mit angehenden Friseuren und Metzgern oder mit zukünftigen Bankkaufleuten und IT-Fachkräften zu tun.

Eine lohnenden Aufgabe
Die Berufsaussichten für angehende Religionslehrerinnen und Religionslehrer sind also durchweg gut – vorausgesetzt, man bringt die notwendigen Eigenschaften für Studium und Beruf mit. Dazu gehören vor allem das Interesse an religiösen und theologischen Fragen und die Freude an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Im Religionsunterricht sind die Lehrerinnen und Lehrer mehr noch als in anderen Fächern nicht nur mit ihrem Fachwissen, sondern auch als Person gefordert. Sie sollen überzeugt sein von dem, was sie lehren. Die Entscheidung, Religionslehrerin oder Religionslehrer zu werden, ist deshalb immer auch eine Entscheidung für den christlichen Glauben und für ein Leben mit der Kirche (vgl. den Artikel von Winfried Engel zur Missio canonica S. 19).

Der Weg zum Beruf führt über ein Lehramtsstudium, das neben dem Fach Katholische Religion noch mindestens ein weiteres Fach und erziehungswissenschaftliche Studien umfasst. Dem interessanten Studium entspricht ein Beruf, bei dem nie Langeweile aufkommt. Es sind die Kinder und Jugendlichen, die im Wechsel der Generationen alte Fragen auf neue Weise und manchmal auch wirklich neue Fragen stellen. Antworten auf diese Fragen finden, Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zum Erwachsenen begleiten – gibt es eine lohnendere Aufgabe?