Mit Familie im sozial-pastoralen Einsatz in Ecuador
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Von 1998 bis 2001 war Anton Helminger (42), seit 1992 Pastoralreferent der Erzdiözese München und Freising, im sozial-pastoralen Einsatz in der Diözese Santo Domingo de los Colorados in Ecuador. Seine Frau Maria (39) und drei Kinder, ein viertes wurde in Ecuador geboren, ließen sich auf das Abenteuer ein und gingen mit ihm in die Neue Welt. P. Werder SDS besuchte die Familie in Ebersberg bei München. |
PW:
Das heißt, auf die Dauer wäre ein solches Leben als Familie nicht möglich. Maria Helminger: Gewiss, aber für diese Zeit und für unseren Auftrag war es gut so. Wir hatten auch Modellfunktion, d.h. wir konnten den Mädchen zeigen, dass Familie funktionieren kann. Wir haben wirklich auch gestritten und die Mädchen haben sofort gemerkt, was bei uns los ist. Aber deswegen ist bei uns niemand weggelaufen, und auch ich als Frau habe nicht alles über mich ergehen lassen, sondern mich zur Wehr gesetzt, aber deswegen wurde ich nicht geschlagen. Das alles haben die Mädchen mitbekommen und sie haben gesehen, so geht es auch. PW: Wo haben Sie die Familie als eine Bereicherung erfahren, was war für sie belastend? Anton Helminger: In schwierigen Situationen habe ich mich nicht allein gefühlt. Die Familie war für mich immer noch ein Bereich, wo ich mich geborgen fühlen konnte, wo ich nicht ausgeliefert war. Durch die Kinder haben sich viele Zugänge gerade auch zu einfachen Menschen ergeben. Übrigens - wenn auch wenig bekannt - gibt es relativ viele Familien, die im kirchlichen Entwick-lungsdienst tätig sind. Maria Helminger: Ich war nicht nur Hausfrau, sondern ich habe in der Jugendarbeit mitgearbeitet und dadurch auch Bestätigung gefunden. Es war auch schön, dass wir miteinander im gleichen Haus gearbeitet haben. Auch Toni hat hier Familie ganz anders erlebt. Zum anderen: In Ecuador sind Kinder nie eine Last, an ihnen haben die Menschen immer Freude, unsere Kinder haben sich da geborgen gefühlt. Was für mich auch ganz wichtig war: Die Kinder haben gelernt, mit wenig zu leben, sie haben nicht viele Spielsachen gehabt, aber da ist nie ein Kind auf die Idee gekommen, das sei zu wenig, sie waren total zufrieden. Natürlich konnte man das ganze Jahr hinausgehen in den tropischen Hausgarten, das war für die Kinder wunderschön. Eine Belastung war sicher, dass wir wenig Möglichkeiten hatten, uns auch zurückzuziehen. Der halbe freie Tag in der Woche war schon zu wenig. Allerdings haben wir immer darauf geschaut, dass wir einmal im Jahr einen richtigen Urlaub von drei oder vier Wochen machen konnten. Geistliche Quellen PW: Wie sieht das religiöse Leben einer Familie im kirchlichen Dienst aus? Anton Helminger: Zunächst geht es da bei uns sicher nicht anders zu als in jeder christlich geprägten Familie: Tischgebet, das Gebet am Abend mit den Kindern, dass wir mit den Kindern in die Kirche gehen. Da kommt schon auch mal die Bemerkung: langweilig. Dann sind wir herausgefordert, wie wir das den Kindern vermitteln können, dass das für mich etwas Wichtiges ist, dass es auch etwas ist, was mich freut. In Ecuador haben wir beide das Joggen angefangen, und wir praktizieren das auch hier. Beim Laufen ist für mich Beten ein Bedürfnis; wenn ich meinen Körper spüre, bin ich Gott dankbar, dass ich lebe; dann die Natur und die Landschaft, da denke ich oft beim Laufen: ich kann nicht anders als Dich loben. Maria Helminger: Auch für mich ist die Natur eine wichtige Quelle meiner Spiritualität. Wenn man sich dann auch noch körperlich verausgabt, ist der Geist wacher und ansprechbarer. Wenn ich am Morgen laufe, dann ist das für mich schon eine Kraftquelle, dass ich den Tag bestehen kann. Untertags ist immer Lärm, irgendwo muss ich dann doch auch meinen Ruhepol finden. Ein besonderes Erlebnis war für mich erst vor kurzem bei einer Reise mit Freunden, als wir den höchsten Berg Argentiniens bestiegen haben. Die Inschrift auf dem Gipfelkreuz trifft sehr genau meine Erfahrung: „Kein Gipfel der Welt ist unmöglich zu besteigen, wenn du Gott als deinen Führer wählst“. Anton Helminger: Natürlich gehört für mich der Sonntagsgottesdienst dazu, ohne den Sonntagsgottesdienst findet die Woche keinen Höhepunkt, keine Mitte. Mich mit dem Wort Gottes auseinandersetzen, es hören und feiern, das brauche ich, ohne dies würde ich spirituell ganz sicher verkümmern. Sehr wertvoll sind mir auch die regelmäßigen Gespräche mit meiner geistlichen Mentorin. Maria Helminger: Auch für mich ist der Sonntag ohne Messfeier kein Sonntag, ohne Sonntagsmesse ist die Woche irgendwie leer. Aber mit den Kindern ist es natürlich manchmal nicht einfach. Gelegentlich muss ich dann einfach mit einem der Kleinen rausgehen, an anderen Sonntagen geht es ganz gut. Aber es ist uns wichtig, dass die Kinder dabei sind und so in die Gottesdienstfeier hineinwachsen. Adresse für Interessenten: Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH) e.V. Personaldienst der deutschen Katholiken für internationale Zusammenarbeit Ripuarenstr. 8, 50679 Köln Tel.: 0221-8896-0, Fax: 0221-8896-100 E-Mail: infoline@ageh.org Internet: www.ageh.de |
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