Franz und Franziska Jägerstätter

Einander weiter 
geholfen im Glauben

Franz Jägerstätter verweigerte aus seiner Glaubensüberzeugung heraus den Nationalsozialisten den Wehrdienst und wurde am 9. August 1943 hingerichtet. Beeindruckend ist auch, wie Franziska Jägerstätter ihren Mann bis zu seiner Lebenshingabe begleitet. Die Autorin dieses Beitrages, Mag. theol., Dr. phil. Erna Putz, Ostermiething, Österreich, widmet sich der Förderung des Gedenkens an Franz Jägerstätter.

Familienglück
Franz und Franziska Jägerstätter führen seit ihrer Hochzeit im Jahr 1936 einen kleinen Bauernhof in St. Radegund im Innviertel an der Grenze zu Bayern. In kurzen Abständen werden den beiden drei Mädchen geboren. Der junge Bauer kann gut mit ihnen umgehen und fährt sie sogar im Kinderwagen aus, was in dieser Region damals kaum ein Vater wagte. Trotz vieler Arbeit sind die beiden immer Verliebte geblieben, die sich das mit viel Phantasie auch zeigen konnten. Franziska kam aus einer religiösen Familie und hatte u.a. in einer Jugendgruppe erlebt, welch beglückende Erfahrung Glaube sein kann. Sie kann diese mit ihrem Mann teilen. Beide lesen regelmäßig gemeinsam die Bibel und beten miteinander. Franz sagt zu seiner Frau: „Ich habe mir nicht vorstellen können, dass Verheiratet sein so schön sein kann.“ Fran-ziska sagt dazu: „Wir haben eins dem anderen weiter geholfen im Glauben.“ 

Lernprozess
In das Glück dieser Familie fällt eine erste Trübung beim Einmarsch der deutschen Armee in Österreich. An der Volksabstimmung 1938 über den „Anschluss“ an das Deutsche Reich will Franz nicht teilnehmen: „Was ist denn das für eine Wahl, wenn die ohnehin schon mit den Panzern da sind?“ Franziska spürt den Terror; in allen Dörfern hat es bereits Verhaftungen gegeben, sie hat Angst und drängt ihren Mann: „Wenn du nicht zur Wahl gehst, mag ich dich nicht mehr.“ Franz erschrickt, es kommt zu einer Auseinandersetzung; seine Frau spürt, dass sie ihren Mann nicht unter Druck setzen darf. Jägerstätter nimmt an der Wahl teil und stimmt mit „Nein“; die Gemeinde St. Radegund meldet 100% „Ja“. Später, als die Konsequenzen der Entscheidung ihres Mannes eindeutig sind, hofft Franziska bis zuletzt auf einen Ausweg, respektiert aber immer seine Haltung. In ihren Briefen ins Gefängnis findet sich nicht einmal ein Satz wie: „Denk doch an mich und an die Kinder!“

An seiner Seite
1940 wurde Franz zum Militär einberufen. In einem Brief an seine Frau berichtete er, dass die Gerüchte über die Ermordung von psychisch Kranken auf Wahrheit beruhen dürften. Auf Betreiben seines Bürgermeisters wurde er im April 1941 „unabkömmlich“ gestellt und konnte zu seiner Familie zurück-kehren. Er war entschlossen, einer weiteren Einberufung nicht mehr Folge zu leisten. Mitzukämpfen, dass Hitler die ganze Welt beherrschen könne, sah er als persönliche Schuld und Sünde. Es war sofort klar, dass diese Kriegsdienstverweigerung Franz das Leben kosten würde. Seine Mutter versuchte mit Hilfe der Verwandten den Sohn umzustimmen. Franziska redete ihm anfangs ebenfalls zu. Doch als alle auf ihn eindrangen, als er ganz allein war, trat sie auf seine Seite: „Wenn ich nicht zu ihm gehalten hätte, hätte er ja gar niemanden gehabt.“ Franz besprach sein Vorhaben mit befreundeten Priestern, diese versuchten sein Leben zu retten und wollten ihn von der Verweigerung abhalten. Der Ortspfarrer hat Franz in der Beichte sogar „Selbstmörder“ genannt. Danach war er niedergeschlagen, Franziska konnte ihm helfen, den inneren Frieden wieder zu finden. Auch der Bischof von Linz, den er um Rat fragte, wies auf seine erste Verantwortung für seine Familie hin. Jägerstätter notiert: „Immer wieder möchte man einem das Gewissen erschweren betreffs Gattin und Kinder. Sollte die Tat, die man begeht, vielleicht dadurch besser sein, weil man verheiratet ist und Kinder hat?“

Gegenseitige Stärkung im Glauben
Sein empfindsameres Gewissen ist für Franz Jägerstätter keine Bürde, sondern Gnade: „Hätte mir Gott nicht die Gnade gegeben, für meinen Glauben auch zu sterben, wenn es verlangt wird, so würde ich halt vielleicht dasselbe tun, wie die Mehrzahl es tut. Gott kann eben jedem so viele Gnaden geben, wie er will.“ Jägerstätter weiß, dass Bischof und Priester verhaftet würden, wenn sie anders sprächen als die Regierung es erlaubt. Dennoch stellt er die Frage: „Was wäre es für ein Unterschied, wenn nicht ein Gotteshaus mehr geöffnet wäre, wenn die Kirche ohnehin zu allem schweigt, was geschieht?“
Anfang März 1943 wird Franz Jägerstätter erneut einberufen, er verweigert den Militärdienst. Nach der Verhaftung weiß jeder der Partner den anderen im Glauben aufgehoben, gegenseitig verweisen sich die beiden auf den gekreuzigten und auferstandenen Christus. In einer Glaubenskrise in den ersten Wochen der Haft hält die Erinnerung an die sieben Jahre der Liebe und des Glückes mit Franziska den ringenden Ehemann.

Das Buch zum Thema:
Erna Putz, 
Franz Jägerstätter ...besser die Hände als der Wille gefesselt … 
230 Seiten, Edition Geschichte der Heimat, A - 4264 Grünbach ³1997, € 21,00