Zurück zu den Wurzeln

Anbetung und Zuwendung 

Die Franziskanerinnen der ewigen Anbetung von Schwäbisch Gmünd wagen den Neuanfang

Die Gemeinschaft der Franziskanerinnen der ewigen Anbetung wurde 1902 von Philippine Walter, einer jungen Arztwitwe, und Pfarrer Konrad Kirchner in Schwäbisch Gmünd gegründet. Das Charisma der Anfänge war eine Verbindung von Anbetung und sozialem Dienst. Als die äußeren Zwänge ihrer sozialen Einrichtungen das klösterliche Leben und die Anbetung in Bedrängnis brachten, warteten die Schwestern nicht ab, sondern handelten. Generaloberin Sr. Bendikta Ewald antwortete auf Fragen von P. Werder SDS.

PW: Sie haben am Rande von Schwäbisch Gmünd ein neues Kloster gebaut, das im Jahr 2000 eingeweiht wurde. Was war der Grund für den Neubau?
Sr. Benedikta: Die Initialzündung für unsere Neuorientierung war 1989 das Thema einer Tagung „Unsere Bedrängnis - Gottes Chance“. Wir lebten in großer Bedrängnis! Bis vor wenigen Jahren waren wir Träger einer großen Jugendhilfeeinrichtung und eines Altenheimes. Der Nachwuchs an jungen Schwestern blieb über einige Jahre hinweg aus. Das Betriebliche und die Zwänge von außen vereinnahmten uns in hohem Maß, so dass unser klösterliches Leben zunehmend darunter litt. Wir erstellten eine Situationsanalyse, deren Ergebnis die Entscheidung für einschneidende Veränderungen brachte. 1992 stand fest, dass wir uns von unseren Werken trennen müssen, sollen diese und das Kloster gut in die Zukunft geführt werden. 1994 stifteten wir unser Altenheim einer größeren Stiftung zu. Unsere Jugendhilfe-Einrichtung wurde 1997 zu einer Kinder- und Jugendhilfe gGmbH.
In dieser Umstrukturierungsphase wurde uns von außen der Gedanke einer räumlichen Trennung von Mutterhaus und Einrichtung zugespielt. Der für ein Kloster notwendige Raum der Stille und der Klausur fehlte weitgehend. Wir rangen uns nach langen Überlegungen und intensivem Beten durch, den Schritt zu wagen. 1993 begannen wir mit den Vorplanungen, im Juni 1997 fand der erste Spatenstich statt und im Juni 2000, konnten wir die Einweihung unseres neuen Klosters feiern.

PW: Das waren gewaltige äußere Veränderungen. Welches waren die inneren Veränderungen?
Sr. Benedikta: Vom ersten Spatenstich bis zum Einzug in das neue Kloster begleiteten uns zeichenhafte Worte wie Zisterne, Stützmauer, Fundament, Fassade, Raum... die wir mit Inhalten aus der Heiligen Schrift und aus dem Leben zu füllen suchten. Ereignisse und Gestalten aus der Heiligen Schrift gaben uns ebenfalls Geleit wie z.B. Abraham: „Zieh weg aus deinem Land ... in das Land, das ich dir zeigen werde... Ein Segen sollst du sein...!“ (aus Gen 12). Wir haben auf dem Weg ins neue Kloster versucht, die Schwestern vertraut zu machen mit dem Neuen. Wir haben bewusst Abschied genommen von unseren alten Räumen und allem was wir zurückließen. Wir haben der Seele Zeit gelassen nachzukommen. In unseren Pfingstkapiteln, die der Erneuerung unseres Lebens dienen, versuchen wir hi-neinzuhören, was Gottes Plan mit uns für die Zukunft ist.

PW: Was bedeutet für Sie Anbetung?
Sr. Benedikta: Als Franziskanerinnen der ewigen Anbetung ist uns die Verehrung des Herrn im eucharistischen Brot ein Vermächtnis, wie auch die Anbetung und der Lobpreis Gottes in allen seinen Geschöpfen ein besonderes Anliegen. Anbetung bedeutete für uns jedoch auch eine innere Haltung, aus der heraus der Mensch Gott in allem preist, was ihm den Tag über begegnet. Eine solche Haltung führt zu innerer Wachheit, im gegenwärtigen Augenblick das Wirken Gottes zu erkennen, führt zu lebendigem Gebet, lässt den Menschen zum Gebet werden und damit zum Segen für viele Menschen.
Silja Walter bringt in ihrem „Gebet des Klosters am Rande der Stadt“ zum Ausdruck, was uns als Auftrag auf den Weg gegeben ist: ...Und jemand muss singen,
Herr, wenn du kommst.
das ist unser Dienst:
Dich kommen sehen und singen. 
Weil du Gott bist.
Weil du die großen Werke tust,
die keiner wirkt als du
und weil du herrlich bist ...

PW: Ist Ihr Gebet, Ihre Anbetung vielleicht nach wie vor geprägt von ihren früheren Aufgaben? 
Sr. Benedikta: In unserem Beten denken wir selbstverständlich an die Kinder- und Jugendlichen wie auch an die alten und pflegebedürftigen Menschen und die
Mitarbeiter/-innen in den Einrichtungen, die wir einmal in Trägerschaft hatten und in denen wir nun Gesellschafter sind. Seit wir im neuen Kloster sind, werden uns

viele Gebetsanliegen von Menschen außerhalb zugetragen, denen wir uns ebenso verpflichtet fühlen.

PW: Drängt es Sie nicht auch heute noch, Menschen in Not konkret unter die Arme zu greifen?
Sr. Benedikta: Neben unserem Dienst des Gebetes drängt es uns selbstverständlich auch, Menschen in Not, Menschen am Rande unserer Gesellschaft zu helfen. Wir stellen uns immer wieder neu die Frage nach unserem Platz bei den Armen. So haben wir Kontakt zur Vollzugsanstalt für Frauen in Gotteszell und versuchen, nach unseren Kräften die Menschen dort zu unterstützen. Punktuell sind wir z.B. in der Obdachlosenhilfe, in der Hospizarbeit, in der Familien- und in der Jugendhilfe tätig. Wir sind aber auch davon überzeugt, dass gerade das Gebet eine Hilfe und eine Stütze für viele bedeutet.

PW: Gibt es Kontakte zu den Menschen, für die Sie beten?
Sr. Benedikta: Zu einzelnen Menschen, die um unser Gebet bitten, haben wir auch persönlichen Kontakt, manche geben Rück-meldung, wenn z. B. eine Krise oder eine Krankheit überwunden ist. Manche von ihnen erfahren in unserem Hause auch geistliche Begleitung.

PW: In dieser Ausgabe des WB geht es um den Beruf des Diakons. Können Sie sich vorstellen, gerade mit den Diakonen zusammen für die Menschen vor Gott einzutreten? 
Sr. Benedikta: Wir können uns es sehr wohl vorstellen. Eine unserer Schwestern ist tätig in der Begleitung der Vorbereitungsphase für die hauptamtlichen Diakone. Eine Gruppe von Diakonen hielt z.B. ihre Weiheexerzitien in unserem Kloster. Da wir sie persönlich kennen gelernt haben, ist unsere Verbindung zu ihnen, vor allem im Gebet „intensiver“ geworden.

PW: Wie sehen Sie Ihre Zukunft? 
Sr. Benedikta: Für uns bedeuteten die vergangenen 10 bis 12 Jahre einen Weg, den wir im Vertrauen auf Gottes Führung gingen und oft nicht wussten, wohin er uns führt. Wir haben ihn verglichen mit einer Wanderung im Nebel: den nächsten Schritt kennen wir, der übernächste zeichnet sich konturenhaft ab, wir dürfen nicht stehen bleiben. Dass wir das Kloster gebaut haben, soll ein Zeichen der Hoffnung sein, nicht nur für uns als Klostergemeinschaft, sondern auch für die Kirche heute in unserer Gesellschaft, ein Zeichen der Hoffnung wider alle Hoffnung.

PW: Wichtig ist Ihnen auch die Gastfreundschaft und die Öffnung nach außen. Worum geht es Ihnen da, was bieten Sie konkret an?
Sr. Benedikta: Es war und ist uns bewusst, dass wir das Kloster nicht für uns allein bauen durften. Wir haben es so konzipiert, dass es zur Stadt hin offen und einladend ist. Das Kloster soll ein Ort der Begegnung mit Gott und mit den Menschen sein. Die Hektik unserer Tage bietet wenig Raum und Zeit für tiefe Erfahrungen mit Gott und echte Begegnungen mit Menschen. Wir möchten dem entgegenwirken und in echter Gastfreundschaft, suchenden Menschen Zeit und Raum zur Begegnung anbieten. 
Formen der Gastfreundschaft in unserem Kloster sind z.B.:
- Stilles Verweilen in unserer Klosterkirche
- Teilnahme an der Liturgie vor allem in Festzeiten des Kirchenjahres
- Teilnahme am Stundengebet 
- Tage der Stille
- Zeiten der Besinnung und der Exerzitien
- Kloster auf Zeit
- Angebote im Rahmen der Ökumene 
- Franziskanische Weggemeinschaft...

Letztere soll dazu führen, die eigene Berufung zum Christsein in neuer Form zu finden und zu leben, den gemeinsamen Auftrag von Ordens-Christen und Laien in Welt und Kirche wahrzunehmen und gemeinsam nach der franziskanischen Lebensweise im dritten Jahrtausend zu suchen.

Kontaktadresse:

Kloster der Franziskanerinnen
der ewigen Anbetung
Bergstr. 20, 73525 Schwäbisch Gmünd
Tel.: 07171-921999-0
Fax: 07171-921999-11
E-Mail: 
post@kloster-der-franziskanerinnen.de 
Internet: 
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