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Jesus, der exemplarische Diakon
Der Diakonat hat sein Vorbild im Dienen Jesu selbst, der sich als „Diakonos“ (Diener) und sein Wirken als „Diakonia“ (Dienst) bezeichnet: „Welcher von beiden ist größer: wer bei Tisch sitzt oder wer bedient? Natürlich der, der bei Tisch sitzt. Ich aber bin unter euch wie der, der bedient“ (Lk 22,27).
Im Dienen sieht Jesus das Grundgebot für seine Jünger. In dieser Haltung sollen sie ihm nachfolgen. Beispielhaft wäscht Jesus ihnen deshalb die Füße, „damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“ (Joh 13,15). Auch die so genannten Werke der Barmherzigkeit (Mt 25,42-45) verdeutlichen die Diakonie Jesu. Seine ganze Hinwendung gilt den Menschen, die nach den konventionellen Vorstellungen von Ordnung, Rang und sozialer Anerkennung als die Geringsten gelten und die benachteiligt und ungerecht behandelt werden. Konsequent weist dann auch die Ordnung der Jüngergemeinde Jesu eine im krassen Gegensatz zur gesellschaftlichen Umwelt stehende herrschaftsfreie Struktur auf. Sie soll sich ganz am freiwilligen liebenden Dienst und der Lebenshingabe ihres Herrn orientieren, dessen Dienst in seiner Lebenshingabe am Kreuz gipfelt (Mk 10,42-45 par Mt). Mit Recht darf man daher in Jesus den ersten und exemplarischen Diakon sehen.
Bezeugt im Neuen Testament
Der Dienst von Diakonen (und Diakoninnen) als charismatischer, geistgewirkter Dienst zur Auferbauung der Gemeinde ist im Neuen Testament gut belegt. Der Apostel Paulus grüßt in seinem Brief an die Philipper (ca. 56 n.Chr.) deren Bischöfe und Diakone (Phil 1,1). Der Gemeinde in Rom empfiehlt er „Phöbe, unsere Schwester, Diakonin der Gemeinde von Kenchreä“ (Röm 16,1f; ca. 58 n.Chr.).
Der Diakon ist unmittelbarer Helfer und sozusagen die „rechte Hand“ des Bischofs bei dessen Aufgaben der Gemeindeleitung, des Sozialdienstes und der Verkündigung. Und er assistiert ihm bei der eucharistischen Mahlfeier. Besondere Verantwortung trägt er für die karitativen Aufgaben der Gemeinde.
Von festen Ämtern kann man in diesem frühen Entwicklungsstadium der Kirche allerdings noch nicht sprechen. Allmählich tritt aber an die Stelle der charismatischen Dienste in der Gemeinde das institutionalisierte Amt, in das man durch Bestimmung oder Wahl eingesetzt wird. Gewisse Aufgaben müssen einfach regelmäßig und kontinuierlich wahrgenommen werden. Spätestens der 1. Brief an Timotheus (ca. 110 n.Chr.) kennt dann einen „Diakonenspiegel“, der dem für die Bischöfe gleicht und Eigenschaften und Tugenden der Diakonatskandidaten aufzählt (1 Tim 3,8-13). Der Diakonat hat sich inzwischen als festes Amt in der Kirche etabliert.
… und in der frühen Kirche
Um die Jahrhundertwende bildet sich das dreigliedrige hierarchische Leitungsamt aus, das den Diakonat einschließt. Für den Kirchenvater und Bischof Ignatius von Antiochien (+ ca. 109 n.Chr.) ist die Kirche ohne Bischof, Presbyter (Priester) und Diakone nicht denkbar.
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Die Diakone bezeichnet Bischof Ignatius als seine engsten Mitarbeiter. Sie werden „nicht zum Presbyter geweiht .., sondern zum Dienst für den Bischof, um das zu tun, was dieser ihm aufträgt“ (Kirchenordnung Traditio Apostolica 8). Diese sehr enge Bindung an den Bischof ist ein ganz wesentliches Merkmal des urchristlichen Diakonats. Eine alte syrische Kirchenordnung nennt den Diakon daher recht eindrucksvoll „Auge, Mund, Herz und Seele des Bischofs“.
Der Diakon der alten Kirche versteht sich als Anwalt der Armen, deren Nöte er sieht und sich zum Anliegen macht. Deshalb bezeichnet ihn eine andere alte Kirchenordnung auch als das „Auge der Kirche“. Trägt der Bischof den Ehren(!)titel „Vater der Armen“, so ist es Aufgabe des Diakons, mit seiner ganzen Kraft und seinem Leben diese väterliche Verantwortung des Bischofs in den brüderlichen Dienst liebender Zuwendung zu den Armen umzusetzen.
Beginnender Untergang im 5. Jahrhundert
Der Diakonat ist in der abendländischen Kirche bis zum 5. Jahrhundert ein blühendes Amt; danach erfährt es aus verschiedenen Gründen, insbesondere aber dadurch einen langsamen Niedergang, dass der Dienst am Nächsten immer mehr aus dem Zentrum des Gemeindeinteresses an den Rand, der Diakon aus der engen Bindung an seinen Bischof herausgelöst und sein Dienst zunehmend klerikalisiert und in die Liturgie abgedrängt wird. Zuletzt kommt ihm überhaupt keine Funktion mehr zu. Man hat Priester mehr als genug, und so degeneriert der Diakonat zur Durchgangsstufe zum Priestertum. Dem Dienst an den Armen widmen sich später insbesondere einige Orden, wie z.B. die Franziskaner, deren Ordensstifter, der hl. Franziskus, selber noch Diakon ist. Ansonsten gerät neben dem Diakonat auch die Diakonie der Kirche weitgehend in Vergessenheit.
Wiederherstellung durch das II. Vatikanische Konzil
Die Wiederherstellung des Ständigen Diakonates durch das II. Vatikanische Konzil ist durch die diakonische Bewegung „von unten“, besonders in den bereits lange vor dem Konzil in Deutschland existierenden Diakonatskreisen, pastoral vorbereitet. Mit der Neueinrichtung des Diakonats, die viele Konzilsväter lediglich wegen des sich abzeichnenden Priestermangels wollen, fast ebenso viele aus Angst vor einem Zusammenbrechen des Zölibats aber ablehnen, verbindet sich die Hoffnung auf eine diakonische Neugestaltung der Kirche und ihrer Pastoral insgesamt. Der Ständige Diakonat ist ja nicht einfach nur ein neues Möbelstück für ein altes Haus, sondern das ganze Haus und seine Architektur soll sich verändern. Hier sind wir inzwischen auf einem guten Weg, sodass es nicht abwegig ist, den Ständigen Diakonat als eine der Erneuerungsbewegungen der Kirche anzusehen.
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