Solidarität im heutigen Europa

Diakonie lehren und lernen

Ein Projekt des Internationalen Diakonatszentrums Rottenburg

Das Internationale Diakonatszentrum (IDZ) arbeitet weltweit mit Ständigen Diakonen und diakonisch Handelnden zusammen. Im Folgenden soll ein dreijähriges Projekt des IDZ vorgestellt werden, das im April 2002 seinen vorläufigen Abschluss fand. Bei dem Projekt ging es um diakonisches Handeln im heutigen Europa. Klaus-Jürgen Kauß, Diakon und Geschäftsführer des Internationalen Diakonatszentrums berichtet.


Die Idee
Das Projekt wurde in Kooperation zwischen dem IDZ, der Missionszentrale der Franzis-kaner in Bonn und den Lehrstühlen Religionspädagogik und Pastoraltheologie der Katholisch-Theologischen Fakultät in Tübingen durchgeführt. Finanziert wurde das Projekt unter anderem durch die Europäische Union.
Aufgrund der zunehmenden Entsolidarisierung weltweit in der Gesellschaft, suchte das Projekt nach Wegen, um Lernprozesse solidarischen Handelns in gemeinsamen Begegnungen erfahrbar und auswertbar zu machen. Die ausgewerteten Erfahrungen wurden hierbei im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitung zu Handlungskonzepten entwickelt, die aufzeigen sollen, wie Solidarisierung innerhalb der verschiedenen Gesellschaften in Europa vorangetrieben werden könnte.
So wurde für das Projekt eine gemeinsame europäische Trägergruppe gebildet, die sich aus folgenden Ländern zusammensetzte: Schweden, Ungarn, Tschechien, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden. Neben diesen Ländern nahmen am Projekt Experten/-innen aus Brasilien, Argentinien und Venezuela teil, die durch ihre Erfahrung einen zusätzlichen Schwerpunkt für das Projekt setzten.
In einem Grußwort an die Teilnehmer/-innen der Abschlussveranstaltung des Projekts formulierte Bischof Dr. Josef Homeyer, Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft, die Bedeutung des Projekts folgendermaßen: „Sodann wage ich, Ihr Projektthema „Neue Modelle der Solidarität im heutigen Europa lehren und lernen“ als Kurzformel für den europäischen Kernauftrag zu bezeichnen. An dessen Durchführung wird sich Europa vor Gott und der Welt messen lassen müssen, wenn es sich als eigenständige Kraft in einer multipolaren Welt behaupten will.“ 

Der Ablauf des Projekts
Das Projekt gliederte sich in drei grundsätzliche Stränge. Im ersten Strang ging es darum, Experten/-innen aus der Praxis in fünf ausgewählten Projektorten innerhalb Europas eine Woche zusammenzubringen, um durch das Sehen, die eigene Erfahrung und das gemeinsame Reflektieren grundsätzliche Strukturen solidarischen Handelns zu entwickeln. Dabei erhielt jedes Projekt im Vorfeld durch die europäische Trägergruppe einen inhaltlichen Schwerpunkt:
1. Amsterdam / Niederlande mit dem Schwerpunkt: Situation von verarmten Bauern und Selbsthilfegruppen. 

2. Brno / Tschechien mit dem Schwerpunkt: Situation von Pflegekindern, besonders Romakindern.
3. Meckenbeuren / Diözese Rottenburg-Stuttgart: Zusammenleben von alt und jung.
4. Hodász / Ungarn mit dem Schwerpunkt: Gefängnisseelsorge und Romapastoral.
5. Besançon / Frankreich mit dem Schwerpunkt: Arbeit mit marginalisierten Gruppen.
In einer gemeinsamen Auswertung aller an dieser Begegnung Beteiligten in Salzburg konnten die reichen Erfahrungen gebündelt und focussiert werden.

Der zweite Strang des Projekts war ein Seminar an der Katholischen Theologischen Fakultät in Tübingen, das der Frage nachging, ob Solidarität lehrbar ist. Neben Theorieansätzen zur Solidarität hatten die Studierenden die Möglichkeit, im Rahmen einer teilnehmenden Beobachtung, konkrete Projekte in Deutschland zu besuchen und auszuwerten. 
Im dritten Strang des Projekts ging es darum, nach einem spirituellen Motor solidarischen Handelns zu suchen. Der Grundkurs zum franziskanisch-missionarischen Charisma (CCFMC) wurde hierbei als Instrument eingesetzt und ausgewertet. Eine franziskanisch-diakonische Spiritualität konnte hierbei entwickelt werden.

Die konkrete Umsetzung des Projekts
In einem gemeinsamen Auswertungssymposium im April 2002 wurden Vertreter/-innen aller drei Handlungsstränge eingeladen, um die Erfahrungen auszutauschen, zu bündeln und ein konkretes Konzept solidarischen Handelns innerhalb Europas zu entwickeln. Die Ergebnisse dieser Tagung werden verschriftlicht, in den jeweiligen Ländern erprobt und dann in sieben europäischen Sprachen veröffentlicht werden.

Der prophetische Auftrag diakonischen Handelns
Das Ziel des Projekts lässt sich sehr gut mit einem weiteren Zitat von Bischof Dr. Homeyer charakterisieren. Er schreibt: „Sie wagen anzuzeigen, dass Solidarität lern- und lehrbar ist. Solidarität ist kein Natur- ereignis, sondern ein Dienst von Menschen. Die Christen tragen dafür eine besondere Verantwortung“. Damit diese Verantwortung ein konkretes Gesicht innerhalb Europas bekommt, wurde das Projekt durchgeführt.

Kontaktadresse:
Internationales Diakonatszentrum
Diakon Klaus-Jürgen Kauß
Postfach 9, 72101 Rottenburg
Tel.: 07472-169-491, Fax: 07472-169-607
E-Mail: IDZ.Diakonatszentrum@t-online.de
Internet: www.kirchen.de/drs/idz