Wie die anderen Berufsgruppen den Diakonat sehen

Statements auf der Jahrestagung 2002 der „Arbeitsgemeinschaft Ständiger Diakonat in der BRD“

Das Bemühen um ein eigenes Profil der verschiedenen kirchlichen Berufsgruppen führt manchmal eher zur Abgrenzung als zu einem fruchtbaren Austausch und gegenseitiger Bereicherung. Die „Arbeitsgemeinschaft Ständiger Diakonat in der BRD“ hat auf ihrer Jahrestagung 2002 dieses Gespräch bewusst gesucht. Die Statements sind gekürzt aus der Dokumentation 19 über die Jahrestagung mit freundlicher Genehmigung der Arbeitsgemeinschaft entnommen. 

Hermann Zimmermann, Dekan, Gelsenkirchen
Der augenblickliche Priestermangel scheint beispiellos zu sein. Aber ebenso unmöglich erscheint es „bei der gegenwärtig herrschenden Ordnung der lateinischen Kirche“ ihn überwinden zu wollen. Deswegen hat das Konzil auf die einzig verbleibende Lösung zurückgegriffen: den dauernden Diakonat wiederherzustellen und ihn selbst verheirateten Männer zu übertragen, indem man seine althergebrauchten Funktionen bis zum Äußersten erweiterte. Die Zusammenarbeit zwischen Priester und Diakon wird von Fall zu Fall viel Liebe und ein neues Denken von den Priestern fordern, die gewohnt waren, alles selbst zu tun und auch zu schulmeistern. 

Wilhelm Lemming, Laie, 

Gelsenkirchen
Vor 65 Jahren war das Diakonat eine notwenige Vorstufe zum Priesterberuf, das bei den Pfarrgemeinde-Mitgliedern wenig beachtet wurde.

Die Diakonie als Dienst am Nächsten war institutionalisiert. Insbesondere die Schwesterngemeinschaften - bei den evangelischen Glaubensbrüdern und -schwestern bezeichnenderweise Diakonissen genannt - hatten diesen Dienst übernommen. Bis in die 70er Jahre gab es kaum eine Pfarrei ohne Gemeindeschwestern.
In den 70er Jahren kam dann der große Umschwung, der auf den Mangel an Schwestern und ehrenamtlichen Helfern zurück-zuführen war. Die Aufgaben der diakonischen Dienste mussten durch weltliche Pflegekräfte bewältigt werden; die seelsorglichen Dienste durch ehrenamtliche Katecheten. In diese Zeit hinein mit Priester- und Schwesternmangel wurde das Ständige Diakonat wieder eingeführt. 

Das ist für mich eine Enttäuschung, 
1. weil Frauen aus dem Diakonat ausgeklammert wurden, obwohl Frauen in der Vergangenheit hervorragende Arbeit im diakonischen Dienst geleistet haben und
2. weil den Diakonen nicht der volle priesterliche Dienst übertragen werden kann, wenn sie verheiratet sind, obwohl sie durch Wort und Tat ihre Eignung bewiesen haben.
„Unser“ Diakon ist für viele in der Gemeinde und auch für mich der „Pastor vom Schaffrath“, weil wir uns einen besseren Hirten kaum vorstellen können. 

Peter Bromkamp, Gemeindereferent, Recklinghausen
Diakone sollten bei der Profilsuche nicht nach Abgrenzung, sondern nach Schwerpunktsetzung suchen. Diakonie ist heute ein wichtiges Engagement der Kirchen, das auch von außen sehr positiv wahrgenommen wird. In diesem Bereich der (Gemeinde-) Seelsorge sollten die Diakone beheimatet sein, aber nicht ausschließlich. Grundsätzlich gehören alle drei Grunddienste, Liturgie, Diakonie und Verkündigung zusammen. In der Liturgie kann der Diakon das Element der Sorge für die Armen sichtbar machen, allerdings nur dann, wenn er nicht wie ein Liturgikon auftritt. Das sichtbare Engagement für den Nächsten kann andere zum gleichen Tun anregen und so dem Gemeindeaufbau dienen. Erforderlich ist eine qualifizierte Ausbildung vor allem im sozialen Bereich: Sich der diakonischen Berufung bewusst werden, sich Handwerkszeug für Problemlösungen und Arbeitsorganisation aneignen.
Eine Gefahr ist, dass fehlende Priester durch Diakone ersetzt werden. So werden einerseits die Diakone zu Hilfspriestern, andererseits werden so notwendige Veränderungen verzögert, wie z.B. eine stärkere Verantwortung und Charismenbildung in den Gemeinden.

Vor allem ein als Hilfspriester profilierter Diakon wird in unserer Berufsgruppe als Konkurrenz empfunden. Als eine Gruppe mit einem ähnlichen Aufgabenfeld und 

vergleichbarem Engagement erleben wir häufig, dass Diakone es leichter haben, Anerkennung in der Gemeinde zu finden. Das hat seinen Grund darin, dass der Diakon als ein Amt in die Hierarchie eingebunden ist und erweiterte Befugnisse hat. Diakone und Gemeindereferenten/-innen bereiten beispielsweise in verschiedenen Gemeinden auf die Taufe vor, während der Diakon dann aber selbst taufen darf, übernimmt bei der Vorbereitung durch eine/-n Gemeindereferenten/-in der Priester die Spendung des Taufsakramentes. Es gibt durchaus Gemeindereferenten, die sich aus genau diesen Überlegungen zum Diakon weihen lassen. Positiv ist, das ein neues Charisma sichtbar wird in einem eigenständigen diakonischen Profil von Männern und hoffentlich bald auch Frauen. Das zeigt, dass Kirche Jesu in den verschiedensten Lebensbereichen der heutigen Menschen präsent ist.

Jochen Hesper, Pastoralreferent, Münster
Pastoralreferenten/-innen haben gern die angebotene Definition als Laie in der Kirche angenommen und als neue, moderne Möglichkeit kirchlichen Handelns gelebt. Aus dieser Zeit stammt manche Abgrenzung gegenüber dem Diakonat. Es gab diözesane Gruppen, die sich gemeinschaftlich entschieden haben, nie Diakon werden zu wollen. Noch heute verstummt weitgehend das Gespräch, wenn Pastoralreferenten sich zum Diakon weihen lassen. Ein Grund für eine gezielte Abgrenzung ist für Kolleginnen bis heute, dass der Zugang zum Diakonat weiterhin nur Männern offen steht.

Für manchen ergibt sich ein neidischer Blick auf die Diakone. Für sie ist Sorge getragen, dass ihre Seelsorge liturgisch repräsentiert ist. Es bedeutet durchaus eine Aufwertung des seelsorglichen Handelns gerade auch aus der Sicht der „Klienten“, dass die Themen der Menschen und Institutionen, mit denen sie arbeiten, im engen und offiziellsten kirchlichen Rahmen vorkommen. 

Erwartungen von Pastoralreferenten/-innen an Diakone wären vielleicht:
- die sozial-caritative Dimension tatsächlich zu leben und darin Eigenständigkeit zu entwickeln;
- sich nicht zu sehr vom allgemeinen Gemeindedienst und der Überlastung der Priester vereinnahmen zu lassen und statt der „Mithilfe“ das diakonale Profil zu riskieren;
- die Liturgie gezielt zur Repräsentation des diakonischen Handelns und Einforderns von Kirche zu nutzen und dabei persönliche Selbstdarstellung zu vermeiden;
- die praktische Erfahrung mit der Berufs- und Arbeitswelt für die seelsorgliche Planung der Kirche nutzbar machen.

Mit Freude habe ich im Rahmen ihrer Tagung gehört, dass es Ausbildungsstandards gibt, die sie auch als Theologen den Gemeindereferenten/-innen vergleichbar machen, denn es besteht Kritik, dass die theologische Ausbildung mancher Diakone diese nicht prägt, dass ihre Gemeindevorstellungen und Frömmigkeitsformen manchmal als veraltet erlebt werden. Es wird manchmal darüber geklagt, dass sich Diakone als „Quasi-Priester“ gebärden, einen ungelebten Willen zum Priestersein zeigen (was man im übrigen auch manchen Pastoralreferenten/-innen nachsagt) und eine falsche Klerikalisierung besteht. 

Schließlich sollten wir mehr wahrnehmen, dass viele, vielleicht die Mehrheit von Ihnen, doch Diakone mit Zivilberuf sind, d. h., ganz klar als kirchliche Persönlichkeiten im säkularen Berufsleben nach außen treten. Da berühren Sie sich deutlich mit Anforderungen an Pastoralreferenten/-innen, da sind Sie deutlicher als wir die Grenzgänger, die ihren Platz auf beiden Seiten schon haben, und da wäre es spannend, Erfahrungen auszutauschen, theologisch zu reflektieren und bewusst Zugänge zu unserer differenzierten und säkularen Gesellschaft weiter zu entwickeln.

Die „Dokumentation 19 - Jahrestagung 2002“ 
ist zu beziehen über den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft: 
Diakon Werner Schüßler
Danziger Str. 24, 63776 Mömbris
Fax: 06029-7710
E-Mail: AG-Vorsitzender@diakone.de
Internet: www.diakone.de