Fachakademie für Gemeindepastoral 
Neuburg an der Donau


Miteinander Seelsorge lernen

An altehrwürdiger Stätte errichtete die Diözese Augsburg 1980 die Fachakademie für Gemeindepastoral zur Ausbildung von Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten. Zur Zeit der Gegenreformation wurden Anfang des 17. Jh. die Jesuiten nach Neuburg gerufen, die dann in den Gebäuden des ehemaligen Ursulinenklosters zu Beginn des 19. Jh. ein Gymnasium mit Seminar gründeten. Damals hätte sich sicher niemand vorstellen können, dass hier einmal nicht nur Männer, sondern auch Frauen, die in der Regel heiraten werden, zu Seelsorgerinnen und Seelsorgern ausgebildet werden. Heute wohnen und lernen hier 30 Frauen und Männer, 16 angehende GemeindereferentInnen befinden sich im berufspraktischen Jahr in den Gemeinden. Seit Bestehen wird die Fachakademie Neuburg nicht nur von „Augsburgern“, sondern auch von StudentInnen aus anderen, vor allem bayerischen Diözesen besucht. Der WEGBEREITER besuchte die Einrichtung und sprach mit Studentinnen und Studenten und mit Direktor Pfr. Dr. Lechner.

Text: P. Werder SDS
Fotos: P. Soczynski SDS



Begeisterung auf dem Prüfstand
„Seelsorge“ ist vielleicht ein etwas zu enger Begriff für das, was die jungen Leute an der Fachakademie lernen. Sie werden in alle drei Grunddienste eingeführt, die die Sendung der Kirche ausmachen und die jedem pastoralen Beruf in der Gemeinde aufgetragen ist: Verkündigung, Diakonie und Liturgie. Und das spricht die jungen Erwachsenen auch an: Petra Heinzlmeir will einmal vor allem in die Jugendarbeit einsteigen, „um die jungen Leute wieder für den Glauben zu interessieren“, Ina Partheymüller möchte gerne in der Krankenhausseelsorge tätig werden, „Kinder im Hospiz und deren Eltern zu begleiten, das würde ich gerne anstreben“. Christine Hecht formuliert es ganz allgemein: „Es ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf, der nicht nur in einem Bereich tätig ist, er erfasst einen ganz, da kann ich alle meine Fähigkeiten, alles was mich bewegt, einbringen.“
Aber es ist kein Beruf wie jeder andere, das haben einige der StudentInnen schon sehr deutlich zu spüren bekommen. Auf die Frage, wie denn ihr Berufswunsch in ihrem Freundeskreis, in ihrer Umgebung aufgenommen worden sei, geht ein vielsagendes Lachen durch die Runde. Petra Heinzlmeir z.B. wird da radikal in Frage gestellt: „Es ist wirklich schwierig in der heutigen Zeit, einen kirchlichen Beruf zu ergreifen, man wird von allen Seiten angegriffen. Jugendliche sagen zu mir: >Was hast Du Dir denn da für einen Schmarren ausgesucht, das hat doch überhaupt keine Zukunft, und mit der Kirche, das ist doch bloß alles Humbug.<.“ Nicht alle erfahren es so massiv, aber die Tendenz ist doch vielfach da. Direktor Dr. Lechner bringt es auf den Punkt: „Was die jungen Leute da erfahren, ist nur vergleichbar mit früheren Eintritten in einen Orden.“

Erfahrungen in der Seminargemeinschaft
In einen Orden treten die jungen Leute ja nicht gerade ein, aber sie wohnen doch im Seminar, das der Fachakademie angeschlossen ist, und das ist mehr als eine Studenten-WG, es ist eine Lebens-, Lern- und Glaubensgemeinschaft, wie es in einem Faltblatt heißt. Das hat seine Vorteile, man kann bei seinem Nachbarn anklopfen und Fragen zu Unterrichtsthemen miteinander klären. Umgekehrt nimmt diese Gemeinschaft auch sehr in Anspruch, es ist eben selbstverständlich, dass der/die andere da ist und so wird jemand schnell einmal eingeplant, sei es privat oder von Dozenten her. Dann gibt es die gemeinsamen Punkte im Tagesablauf, es gibt Feste und Feiern zu gestalten oder einen Informationstag, zusammen mit den Anforderungen des Unterrichts ergebe das ein dichtes Programm. Sabine Schach bedauert, dass dann oft doch wenig Zeit bleibe zu einem tieferen Austausch mit Kolleginnen oder Kollegen oder auch zu anderen Kontakten. Da sei es wichtig wahrzunehmen, wo man selber seinen Freiraum brauche und wie dieser zu sichern sei, merkt Ina Partheymüller an. Und sie fügt noch eine andere Erkenntnis an: „Es wohnen hier ja ganz verschiedene Leute zusammen vom Alter her, vom Charakter und von den Interessen her, jeder kommt mit einer anderen Lebensgeschichte hier an: da den anderen so stehen zu lassen wie er ist, das ist ein ganz wichtiger Lernprozess, jeder geht seinen Weg und der ist nicht gut oder schlecht, richtig oder falsch, sondern es ist eben sein Weg.“ Das ist es wohl was das Faltblatt meint, wenn es heißt: „Die Studierenden (…) üben sich in der Gemeinschaft ein auf das vielfältige Miteinander von Menschen in ihren späteren Gemeinden“.

Learning by doing
Learning by doing, das ist vielleicht für die menschlichen Qualifikationen, die in diesem Beruf unabdingbar sind, am wichtigsten. Aber auch sonst ist dies ein wichtiges Prinzip in der Ausbildung an der Fachakademie. Sabine Schach hat sich aus diesem Grund bewusst für Neuburg entschieden: „Ich möchte nicht nur das alles lernen, ohne dass ich es auch praktisch einübe, die Verbindung von Studium und Praxis ist mir wichtig.“ Winfried Brandmaier ist der begleitete Religionsunterricht besonders wichtig: „Wir gehen jetzt im zweiten Kurs jede Woche eine Stunde in eine Neuburger Grundschule und halten Unterricht. Diese Erfahrungen werden dann mit den zuständigen Fachleuten intensiv nachbesprochen.“ In jedem Jahr ist ein 5-wöchiges Praktikum in einer Pfarrei vorgesehen zu den Schwerpunkten kirchlich-caritative Arbeit, Jugendarbeit und Religionsunterricht. Michael Jester: „Ein praktischer Einsatz motiviert auch wieder neu zum Studium, der Stoff verknüpft sich ganz anders.“
Ein wichtiges Element in der ganzen Ausbildung ist der musische Bereich und hier vor allem das Musikalische. Da ist eine Vielfalt an Möglichkeiten und Sabine Schach sieht zudem ganz realistisch einen Nebenaspekt: „Draußen würde ich das Üben am Instrument vielleicht auch nicht so konsequent durchziehen.“ Gerade auch im Religionsunterricht seien Instrumente wichtig, um die Inhalte auf eine andere Art zu vermitteln, fügt sie hinzu, und schließlich sei das auch eine Gelegenheit, sich selbst zu entfalten. 

Sr. Bernarda erwähnt den Bereich des künstlerischen Gestaltens: „In letzter Zeit haben wir z.B. mit Ton gearbeitet, es wird Wert auf Techniken gelegt, die man dann eben auch in Gruppenstunden umsetzen kann.“ 
Aber bei aller Praxisorientierung bleibt die Theorie nicht auf der Strecke, auf jeden Fall ist es in der Runde die einhellige Meinung, dass da kein Mangel herrscht: „Dadurch dass hier Unterricht ziemlich schulisch verläuft, eignen wir uns im Lauf des Jahres viel Theorie an“, spricht Winfried Brandmaier für die ganze Gruppe, dabei bedauert er, dass manchmal nicht die Zeit bleibt, ein Fach oder ein bestimmtes Thema zu vertiefen. 

Auf der Suche nach der eigenen Spiritualität
Ein wichtiges Thema in der Ausbildung bzw. in der Seminarzeit ist die persönliche Spiritualität. Dr. Lechner hat für die Bedeutung dieses Themas eine ganz einfache Begründung: „Öffentliches Gebet, Kult der Kirche lebt davon, dass es vom privaten Gebet gespeist wird. Wenn dieses wegfällt, entartet alles sehr schnell zum Dienstvollzug: Dann kommt der Pfarrer halt zu seiner Messe und der Gemeindereferent kommt in die Messe, für die er etwas vorbereitet hat.“ Im Fach Spiritualität werden alte und neue Formen vorgestellt. Das ist das Angebot, die Praxis aber kann hier nicht in gleicher Weise wie sonst im Ausbildungsprogramm verbindlich gemacht werden. Dr. Lechner: „Ich kann nur immer wieder darauf hinweisen, dass es hier um etwas zutiefst Individuelles und Intimes geht, das deswegen aber nichts von seinem Verpflichtungscharakter verliert. Im Grunde genommen kann ich hier nur mahnen und bitten.“ Meditationskreise oder dergleichen würden vom Seminar nicht eigens angeboten, weil das Programm schon dicht gedrängt sei, um so mehr empfehle er die tägliche halbstündige Betrachtung, wie sie in der neuen Hausordnung vorgesehen sei. 
Der Direktor hat das Empfinden seiner Studentinnen und Studenten gut erfasst, nämlich dass es in der Spiritualität um etwas sehr Individuelles und Intimes geht. Sie sind von der „Regelung“ einer täglichen halbstündigen Meditationszeit nicht begeistert. Es besteht Übereinstimmung, dass jeder und jede zu einer eigenen Spiritualität finden müsse. Es gebe auch große Unterschiede, wo einzelne stünden, was für den einen schon möglich sei, könne für jemand anders eine Überforderung sein. 

Und wie kann Geistliches vermittelt werden? Winfried Brandmaier: „Ich glaube, sobald man für sich einen Weg gefunden hat und authentisch in der Gemeinde leben kann, kommt da auch etwas rüber, die Menschen merken: >Der hat was, der hat seinen Weg, seine Spiritualität gefunden<. Besser kann man Spiritualität nicht vermitteln.“ Frau Partheymüller erzählt von einer Erfahrung in ihrer Heimatgemeinde. Dort habe der Pfarrer eines Tages angefangen, immer am Freitagabend eine Stunde eucharistische Anbetung in der Kirche zu halten. Das sei ein Element seiner eigenen Spiritualität gewesen, aber schließlich seien immer mehr Leute zu dieser Anbetung gekommen. Es sei Bedarf an Ruhe und Stille da, das habe sie auch bei Jugendlichen gemerkt. Ihr Fazit: „Wenn persönliche Echtheit und ein Erspüren dessen, was die Menschen suchen, zusammenkommen, dann kann es vielleicht gehen.“