Seht, der Stein ist weggerolltDer Aufbruch weiblicher Spiritualität im Umbruch der heutigen Zeit |
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„Wer wird uns den Stein vom Eingang des Grabes wegrollen?“ (Mk 16,3) Diese Frage haben sich drei Frauen gestellt, als sie am Ostermorgen in aller Frühe zum Grab Jesu aufgebrochen sind. Mit dem grausamen Tod Jesu hat ihr Leben einen Bruch erlitten, der sie zu zerreißen droht. Sie sind voll Trauer und Verzweiflung, Schmerz und Angst. Aber dennoch gehen sie auf den Stein zu, der ihnen im Weg liegt und auf der Seele lastet. Sie haben den Mut, sich dem Bruch in ihrem Leben zu stellen und sich an den Abgrund des Todes zu wagen. Und ausgerechnet am Grab, wo das Leben endgültig zum Schweigen gebracht werden soll, erfahren sie die Macht der Auferstehung. Mitten in der Dunkelheit des Todes werden sie sehend. Sie entdeck-en, woran sie kaum mehr zu glauben wagten: die Lebensmacht Gottes, die selbst den Tod überwindet. |
verhallt in weiten Bereichen ungehört. Sie kann ihre eigene Botschaft nicht mehr so ins Wort bringen, dass sie Aufmerksamkeit erregt und zur Auseinandersetzung herausfordert. Mitten in den vielen Worten, die die Tradition der Kirche zur Verfügung stellt, macht sich eine Sprachlosigkeit bemerkbar. Die Sprache versagt. Dies ist ein Grundproblem der Pastoral. Und der Bruch, der gerade in den östlichen Bundesländern zwischen „innerkirchlich“ und „außerkirchlich“ vorhanden ist, durchzieht längst die eigenen Reihen. Die ältere Generation von Frauen leidet daran, dass sie den jungen Menschen nicht mehr begreiflich machen kann, was ihnen am Glauben wichtig ist und was ihr Leben durch all seine Mühsal hindurch getragen hat. Sie fühlen sich ohnmächtig und verstummen. Wer wird den Stein wegrollen? Die Frage ist ein Ruf nach befreiender Erfahrung. Denn das Leben von Frauen ist auch heute von tiefen Rissen und zerbrochenen Hoffnungen geprägt. Eine Ausbildung, die in die Leere der Erwerbslosigkeit führt; eine Liebesbeziehung, die im Disaster endet; die Erfahrung von Friedlosigkeit und Gewalt. Mitten in solchen Brüchen brechen Frauen auf und entwickeln Visionen, die tragfähig und zukunftsweisend sind. Sie fragen nach den verdrängten weiblichen Traditionen in Bibel und Kirchengeschichte, die bisher nur wenig zu Wort kamen. Was haben sie heute zu sagen? Sie hören auf die Gottesrede von Frauen, die in der Geschichte verstummt sind. Welchen Beitrag können sie leisten, damit die österliche Lebensmacht in den schmerzlichen Brüchen wirksam wird? Weibliche Spiritualität macht sich der verborgenen Lebensmacht Gottes in der heutigen Zeit auf die Spur. Sie bringt das Verschwiegene zur Sprache und gibt denen, die sprachlos sind, eine Stimme. Sie hat visionäre Kraft, weil sie sich den Brüchen stellt und auf das schaut, was durch sie hindurch an neuem Leben aufbricht. Frauen machen die Erfahrung von Pfingsten, dass sich mitten in ohnmächtigem Verstummen der Geist Gottes zu Wort meldet und eine neue Sprache verleiht. An den Brüchen ihrer Zeit werden Frauen geistesgegenwärtig und sprachfähig - und das Leben bricht auf aus dem Tod.
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