Biblisch, frauenbewusst,gemeideorientiertVon Gemeindereferentin Irene Baumeister, Ulm |
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Irene Baumeister lernte zuerst den Beruf der Einzelhandelskauffrau und machte dann die Ausbildung zur Wirtschaftskorrespondentin, bevor sie an der Fachhochschule Freiburg Religionspädagogik studierte. Seit 12 Jahren arbeitet sie als Gemeindereferentin in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sie lebt allein und übt heute ihren Dienst in St. Klara in Ulm aus. |
Frauenbewegung kennen gelernt, in der schwarze Frauen genauso ihren Platz hatten wie weiße Frauen oder spanischsprachige Immigrantinnen, gebildete ebenso wie arme Frauen, eine Bewegung, die frauenbewusst, politisch und ökumenisch handelte und feierte. Ähnlich wichtig wie in meiner ersten Frauengruppe vor fast 20 Jahren sind für mich auch heute als Gemeindereferentin die (religiösen und spirituellen) Erfahrungen von und der Austausch mit (Kirchen-)Frauen heute und in der Geschichte. In den Colleges der USA ist das teilweise in den women studies institutionalisiert, in meinem Studium und Beruf ist das meist eine extra Arbeit, aber eine lohnende. Es war für mich ermutigend zu entdecken, dass schon die Heilige Klara sich um eine fraueneinschließende Sprache mühte, Frauen in der Kirchengeschichte immer wieder um ihre Berufung in der Kirche gerungen haben und neue Lebensformen miteinander praktiziert haben. Ich bin überzeugt davon, dass der Titel eines Buches „Ohne Wurzeln keine Flügel“ für uns Frauen in der Kirche auch eine ganz wesentliche Bedeutung hat. In meiner Gemeinde feiern wir neben den Gemeindegottesdiensten auch Frauengottesdienste, die einmal still, dann auch wieder bewegt und sinnlich sind. Es sind vor allem Frauen, die wie ich zum meditativen Tanzen, Körpergebet und Kontemplation kommen. Mit den Kindern, aber auch für mich selbst, bete ich oft singend. Ich glaube, dass die Melodie stärker auf das Herz und das Unbewuss-te wirkt. Für mich selbst nehme ich mir immer wieder abends Zeit, meine Gedanken und Gefühle, Druck und Enttäuschung, aber auch Freude und Dank im Singen vor Gott zu tragen. Oft ist mein Beten auch wort-los, ich versuche einfach in der Gegenwart Gottes zu sein. Die Bibel - das Buch Immer noch und immer wieder neu ist die Bibel eine Quelle der Inspiration und des Glaubens für mich. Im Religionsunterricht trage ich das vielleicht am meisten nach außen. Hilfreich und nährend ist es, mit anderen zusammen der Botschaft der Bibel nachzuspüren, sie ins eigene Leben zu übertragen. Sechs Jahre lang haben wir wöchentlich in einem Schülergottesdienstteam gemeinsam die Schrift meditiert, gedeutet, auch ins Leben der Kinder übertragen und durch Symbole, Rollenspiel und Musik lebendig werden lassen. Ein Höhepunkt für mich persönlich und für meine Arbeit ist es, wenn ich mir einen biblischen Text für die Verkündigung im Gottesdienst erarbeite. Das Evangelium begleitet mich dann durch die Woche, ich versuche es auch aus der Perspektive der Gemeinde zu hören und zu sehen, bin gespannt, was die Exegese ergibt und wie Gott sich mir in dem Text zeigt, mitteilt. Wenn ich einen Gottesdienst mitgestalte, erlebe ich die Liturgie sehr viel intensiver, ist der ganze Gottesdienst für mich wie ein Gebet. Diese Erfahrung ist mir sehr wertvoll, daher ist es mir auch immer ein großes Anliegen, Kinder und Erwachsene in die Gestaltung der Liturgie mit einzubeziehen und auch eigene Gottesdienste mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu gestalten und feiern. Lange schon begleitet mich der Satz: Zur Freiheit hat euch Christus befreit. Ich glaube, dass die Bibel mir immer wieder Mut gemacht hat, etwas zu wagen, die Freiheit, die uns zugesagt ist, ernst zu nehmen im persönlichen Leben, aber auch als Christin in der Kirche und Welt von heute. Einfach Mensch sein In meinem Alltag versuche ich sozial und ökologisch bewusst zu leben. Ich fahre viel Bus und komme da ins Gespräch mit den Menschen. Ich versuche gut wahrzunehmen, was in meiner Gemeinde, bei meinen Schülerinnen und Schülern, aber auch bei mir persönlich ansteht. Das, was ich persönlich erfahre und erlebe, hat für mich auch immer etwas mit meinem Glauben zu tun und fließt oft in die Gemeindearbeit und den Religionsunterricht ein. Umgekehrt ist natürlich auch das, was ich in der Gemeinde erfahre und wahrnehme, wichtig für mein Leben, auch das, wo ich angefragt und vielleicht auch hinterfragt werde. In den Exerzitien habe ich deutlich gespürt, dass ich neben der Gemeindearbeit auch meine eigenen Frei-, Spiel- und Glaubensräume brauche. Ganz wichtig sind mir da Zeiten der Stille und der Meditation. Immer wieder versuche ich mir Zeit zu nehmen für die Natur, für Bewegung, Kreativität und Freundschaft. Dann kann ich mich anders wieder der Gemeinde zuwenden und werde unabhängiger vom Tagesgeschehen und den kleinen Schwierigkeiten des Alltags. |
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