Lebensformen

Familie und kirchlicher Beruf
Lernbedarf


Die Verbindung von kirchlichem Beruf und Familie ist in der kath. Kirche noch sehr neu. Kein Wunder, dass es noch zu lernen gibt, auf Seiten der Kirche, der Gemeinden und vielleicht auch für die Familien. Otto Öllinger, Gemeindereferent in Riedlhütte, Diözese Passau, berichtet. Seine Frau arbeitet als Pastoralreferentin mit halber Stelle in derselben Pfarrei. Das Ehepaar hat drei Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren

Traumberuf
Ich arbeite sehr gerne in meinem Beruf und empfinde ihn wirklich als „Berufung“. Gott hat mir viele Talente mitgegeben, vor allem durch die Musik kann ich die „Frohe Botschaft“ zu den Menschen bringen. Mein Dienst ist sehr abwechslungsreich. Ich begegne allen Altersschichten, von den Kindern bis zu den alten Menschen. Ich erlebe meinen Beruf als sehr lebendig. Frohe und traurige Begegnungen wechseln sich ab. Ich habe die Möglichkeit kreativ zu sein. Auch beim Religionsunterricht in der Schule erlebe ich himmlische Stunden, aber auch Momente, in denen ich ratlos bin. Ich sehe immer wieder neue Aufgaben und Ziele, suche mir neue Herausforderungen, möchte viel bewegen und anstoßen.

Konfliktreich: Familie und Beruf
Ich erlebe es als eine Belastung für die Familie, wenn ich zu viele Abendtermine habe. Das „Abendritual“ (Abendessen, Gebet, Gute-Nacht-Geschichte) ist mir ganz wichtig geworden. Als eine Zumutung für die Familie empfinde ich die Hochfeste im Kirchenjahr, beispielsweise Ostern. Zwischen Samstagabend und Sonntagmorgen verbleiben mir gerade mal vier Stunden Schlaf. Am Ostertag bin ich dann geschafft. Ähnlich erlebe ich es an Weihnachten. An den normalen Sonntagen im Kirchenjahr vermisse ich oft das gemeinsame Frühstück.

Manchmal ist es aber auch schmerzlich, dass ich meinen Arbeitsrhythmus wegen der Familie ändern muss. So möchte ich z. B. Krankenbesuche machen, aber ich kann nicht, weil wir gerade keine Aufsicht für unsere Tochter haben … Ich erlebe es als belastend, wenn ich absolute Ruhe brauche für geistige Arbeiten und dann ständig von den Kindern gestört werde. 

Ein anderer Aspekt betrifft besonders unsere Kinder. Mir ist bewusst, dass unsere Kinder strenger beobachtet werden als andere, ähnlich wie Lehrerkinder. Ich selber muss mich auch hinterfragen, inwieweit ich meine Kinder nicht überfordere, was Anstand, Disziplin, Gottesdienstbesuche usw. betrifft. 

Mit der Gehaltsstufe 4a zähle ich nicht zu den Großverdienern; wenn meine Frau nicht dazu verdienen würde, wäre unser Lebensstandard sehr eingeschränkt. Familien mit mehreren Kindern zählen in unserer Gesellschaft finanziell zu den Verlierern. Auch in der Kirche wäre eine gerechtere Verteilung der Güter notwendig, d.h. ein Gemeindereferent mit Familie sollte die gleichen Voraussetzungen erhalten wie ein Pfarrer, z.B. Büro, Wohnung und technische Ausstattung.

Reichtum Familie
Andererseits ist für mich die Familie eine sehr große Stütze. Ich bin ein Mensch, der in einer großen Familie aufgewachsen ist, wo sich immer was gerührt hat. Ich brauche dieses Leben um mich herum. Ich bin sehr dankbar, dass ich meine Frau habe und das uns Gott drei ganz liebe Kinder geschenkt hat. Die Kinder sind für mich das größte Geschenk auf Erden. Der Beruf allein könnte mich nicht ausfüllen. Es gibt öfters Momente, wo ich frustriert nach Hause komme, weil beruflich nicht alles so gelaufen ist, wie ich es mir gewünscht habe. Wie froh bin ich dann, wenn ich mit meiner Frau darüber reden kann und durch die Kinder spüre, dass der Beruf nicht das Wichtigste im Leben ist. Auch die Zärtlichkeit, die ich durch meine Familie spüre, möchte ich nicht missen. Ein großer Vorteil ist, dass ich als Familienvater besser mitreden kann, wenn es um Probleme bei Kindern und Jugendlichen geht. Meine Toleranz zu Kindern ist viel größer geworden.

Anregungen für die Zukunft
Als Gemeindereferent sollte man die Möglichkeit haben, in Leitungspositionen aufsteigen zu können. Die Fachkompetenz soll im Vordergrund stehen. Die Qualifizierung könnte über Zusatzausbildungen erfolgen. Der Beruf des Gemeindereferenten muss wieder attraktiver werden. Es kann nicht sein, dass man einem Pfarrer nur zuarbeitet, bzw. von seinem Wohlwollen abhängig ist. Eigene Kompetenzbereiche schaffen, Gemeindeleitung übernehmen, dies wären für mich wichtige Schritte in die Zukunft.

Als Single im Dienst der Kirche
Dreimal frei

Auch ohne Verpflichtung gibt es die Entscheidung zur ehelosen Lebensform im kirchlichen Dienst und das ist gar nicht so selten. Auch wenn diese Entscheidung auf Zukunft hin offen ist, macht sie doch frei, sich heute ganz und gar in den Dienst der Kirche zu stellen. Irmgard Hilmer, freie Journalistin, hat Elisabeth Harlander, Gemeindereferentin in Neustadt an der Donau, Diözese Regensburg, besucht.

An erster Stelle: der Beruf
Was gibt´s Schöneres auf Erden, als Menschen, die rundherum zufrieden sind? Zu diesen Glücklichen zählt Elisabeth Harlander, die als Gemeindereferentin in der Pfarrei Sankt Laurentius in Neustadt an der Donau ihre persönliche Berufung gefunden hat. Als Single geht sie voll und ganz auf in ihrem Beruf. „Wenn ich Familie hätte, dann wäre das Engagement für die Pfarrei sicherlich weniger“ meint die 35jährige und weist gleichzeitig darauf hin, dass ihre tiefe Zufriedenheit sicherlich auch aus ihrer Lebensform resultiert. Dieses „Alleinsein“ hat sie bewusst gewählt und hadert keinesfalls mit dem Schicksal. „Ich habe Beziehungen erlebt und gelebt. Und diese Erfahrungen sind mir auch ganz wichtig“ gesteht sie freimütig. Im Moment kann sich Elisabeth Harlander sehr gut vorstellen, auf Dauer alleine zu leben, wobei sie es absolut nicht ausschließen will „wenn der Richtige kommt“ offen für eine Ehe zu sein. 

Eine mutige Entscheidung
Von klein auf lernte sie Jugendarbeit kennen: Katholische Landjugend und vor allem die franziskanische Jugend im Kloster Aiterhofen. Mit 18 Jahren gründete Elisabeth Harlander die Gruppe Tau, die auch heute noch besteht und vor allem den musikalischen Teil der Liturgie in Gottesdiensten mit neuen geistlichen Liedern übernimmt. Bei allem kirchlichen Engagement begann Elisabeth Harlander nach der mittleren Reife ihren damaligen Traumberuf an der TU München zu studieren: Sportlehrerin im freien Beruf. Für zwei Jahre war sie anschließend an der Mädchenrealschule Niedermünster in Regensburg tätig, bis sie merkte: „Nur Lehrerin sein ist nicht mein Weg“. Überrascht stellte sie beim Lesen des Bistumsblattes fest, dass auch ohne Abitur der Weg zur Gemeindereferentin offen ist und mit finanzieller Unterstützung der Eltern begann sie die Ausbildung an der Fachakademie für Gemeindepastoral in Neuburg/ Donau. „Ich habe noch keine Stunde die Umschulung bereut, ich liebe meinen Beruf und bin mit einer großen, tiefen Zufriedenheit erfüllt. Die regelmäßige geistliche Begleitung und die Supervision haben einen großen Anteil daran, wenn sie nicht sogar Grundlage dafür sind“ resümiert Elisabeth Harlander. Dabei war ihr Schritt bei Lehrerkollegen und Freunden auf Unverständnis gestoßen: Sie warnten sie vor der „Verschlechterung“ sowohl finanziell, als auch vom „Ansehen her“ und meinten, Sportlehrer sein ist bei der Jugend ein wesentlich besseres Highlight. 

Arbeit und freie Zeit
„Glauben mit Hand und Fuß, mit Leib und Seele“ ist ein Lebensmotto der jungen Gemeindereferentin geworden, für sie ist dies eine Einheit und gehört zusammen. So sieht sie ihre erste Ausbildung keineswegs als verlorene Zeit. Ja und dass die Jugend in ihrer Pfarrei über die „Schiene Sport“ leicht und locker anzusprechen ist, liegt auch auf der Hand. Und gerade hier sieht sie einen Schwerpunkt. „Ich möchte ihnen durch verschiedene Angebote (Musik, Sport, Wochenende, Gruppenstunden, Aktionen) die Freude am Glauben näher bringen. Wir Christen haben Grund zum Frohsein“ sagt sie überzeugend. „Offene Türen“ kann sie als Single gerade den Jugendlichen mit ihren größeren und kleineren Problemen mit Eltern, Erwachsenen oder Gleichaltrigen auch zu vorgerückter Stunde anbieten. Dass mit Religionsunterricht, Sakramentenvorbereitung, Gruppenleiterrunde, Singgruppe, Jugendband, Bibelkreis und allen möglichen Arten von Gottesdiensten (vom Kinderwagen- über Schüler- bis hin zu Familiengottesdiensten) und dem Besuchsdienst im Krankenhaus das Arbeitspensum ausgefüllt ist, kann man sich gut vorstellen. Trotzdem bleibt für Elisabeth Harlander freie Zeit, die sie vorzugsweise mit sportlichen und musikalischen Aktivitäten verbringt. Dabei ist ihr auch noch sehr wichtig, dass bestehende Freundschaften weiterhin gepflegt werden. „Ich brauche keinen Partner zu fragen, ob wir etwas vorhaben. Meine freie Zeit kann ich mir eigenständig einteilen“ betont sie und meint abschließend, dass ihr Haltepunkt sei, an einen Gott zu glauben, der immer da ist und verweist dabei auf die Bibelstelle in Exodus: „Ich bin der ich bin da“.