Der PastoralreferentInnen -
eine Übergangslösung?

Wo ist der Ort der Pastoralrefe-rentInnen zwischen den Klerikern und den „eigentlichen“ Laien? Diese Frage hat sich auch in den letzten Jahren nicht geklärt, sie hat sich eher verschärft. Jutta Müller (36), Pastoralreferentin der Erzdiözese München und Freising, freigestellt zum Promotionsstudium an der Universität Regensburg, nimmt Stellung.


Die Frage nach dem „Ort“ der PastoralreferentInnen in der Kirche zwischen dem priesterlichen Amt und den ehrenamtlichen Diensten der eigentlichen „Laien“ begleitet diesen Beruf von Anfang an. Viele Pastoralreferenten der ersten Stunde betonten in bewusster Abgrenzung zum klerikal geprägten Priesteramt ihr „Laie-Sein“.

Strukturwandel der Kirche in vollem Gange

Inzwischen sieht die Theologie deutlicher als vor 30 Jahren, dass die traditionelle Zwei-Stände Gliederung „Kleriker - Laien“ dem Wesen und dem Auftrag der Kirche nicht mehr gerecht zu werden vermag. So ist es kaum verwunderlich, dass sämtliche Abgrenzungs- und Profilbestimmungsversuche der neuen Pastoralberufe, gleichgültig ob sie „von oben“, also der Kirchenleitung her vorgenommen (Rahmenordnungen, Instruktionen u.ä.) oder von den Betroffenen selbst angestrengt (Leitbildprozesse u.ä.) werden, unbefriedigend bleiben, weil sie entweder an den konkreten Notwendigkeiten kirchlichen Lebens vor Ort vorbeigehen oder von diesen nach kurzer Zeit schon wieder überholt werden.
Vieles deutet darauf hin, dass der von Karl Rahner bereits 1972 prognostizierte „Strukturwandel der Kirche“ inzwischen in vollem Gange ist. Die traditionelle „monarchisch“-klerikale Amtstruktur lässt sich schon aus personellen Gründen (Priestermangel) nicht mehr aufrecht erhalten. Die verantwortliche ehren-, neben- und hauptamtliche Mitarbeit vieler Frauen und Männer ist aus dem Leben der Gemeinden und der Kirche heute nicht mehr wegzudenken. Zudem verlangt die missionarische Situation in unserer demokratisch geprägten, komplexen Gesellschaft eine differenziertere und vielfältigere Präsenz der Kirche.

Vielfalt des Amtes statt neue „Stände“
Der Beruf des Pastoralreferenten bildet ein Element in diesem Szenario. Nicht von ungefähr sind PastoralreferentInnen häufig an Stellen zu finden, wo die überkommene Amtsstruktur an 
ihre Grenzen stößt, sei es weil ihre personellen Resourcen erschöpft sind (priesterlose Gemeinden), oder weil ihre Träger von den traditionellen Formen der Seelsorge (Pfarrei) so in Anspruch genommen sind, dass andere Lebens- und Glaubensorte heutiger Menschen gar nicht ins Blickfeld kommen können.

Wenn PastoralreferentInnen in diesem Zusammenhang als Übergangs- oder gar Notlösung bezeichnet werden, klingt das natürlich nicht besonders schmeichelhaft. Dennoch dürfte es sachlich richtig sein. Langfristig gesehen kann es nämlich nicht um die Etablierung eines neuen (Berufs-)„Standes“ in der Kirche gehen, sondern um das Wiedergewinnen einer insgesamt plausiblen und lebbaren kirchlichen Amtsgestalt, die sich aus der Vielfalt der Gnadengaben Gottes (Charismen) speist und an dem ausgerichtet ist, was der Kirche zur Erfüllung ihres Auftrages in der heutigen Zeit Not tut. Womöglich wird der heutige Pastoralreferentenberuf in einer solchen künftigen Amtsgestalt aufgehen, die nichts mehr zu tun hat mit dem klerikalen Modell der Zwei-Stände-Kirche. 

Herausforderung für alle pastoralen Berufe: Offenheit

Die Belastungen, die der gegenwärtige „Zwischenzustand“ für die Beteiligten mit sich bringt, sollen nicht verschwiegen werden. Das Bedürfnis nach einer klareren Berufsrolle mit realistischen Aufstiegschancen ist legitim und verständlich. Wer jedoch in erster Linie einen festen beruflichen Status sucht, wird heute in jedem pastoralen Beruf, den Priesterberuf eingeschlossen, enttäuscht werden. Gefragt sind Menschen, die in Offenheit für die Wege Gottes mit seiner Kirche die Wegstrecke mitgehen und bestehen helfen, die dem Volk Gottes heute aufgegeben ist. Entscheidend auf Zukunft hin ist weder, dass der Pastoralreferentenberuf in seiner heutigen Form erhalten wird, noch dass die ausschließlich männlich-zölibatäre Gestalt des Priesteramtes bewahrt bleibt, sondern dass die Kirche ihrem Auftrag (Verkündigung des Evangeliums) gerecht wird und lebendig ist.

Buchhinweis:
Von der Autorin erscheint im Herbst dieses Jahres im Pustet-Verlag ein Buch zum Thema mit dem Titel: Im Dienst der Kirche Christi.