Aus der Mitte heraus leben

Prächtig leuchtende Farbflächen. Blau, rot, gelb, grün. Auch schwarz. Schwarz eingefaßt ist das bunte Glas. Meine Augen vollziehen die Bewegung mit. Von außen nach innen wandern sie. Schmal ist der Weg, der außen beginnt. Breiter wird er, bis er sich teilt. Zwei Spiralen, die nun parallel laufen. Gelb, grün, dann wieder blau die eine. Schwarz getöntes Rot die andere, die in der Mitte in einem Kreuz endet. Ein blaues Kreuz auf rotem Grund steht im Zentrum. Ein gelbes Viereck ist der Mittelpunkt.

Wege 
Lebens-Wege?
Von außen nach innen führend?
Vom Rand zur Mitte?
Von der Peripherie ins Zentrum?
Streckenweise einsam,
dann in buntem, kontrastreichen Miteinander?
Wege, die auf das Kreuz zentriert sind. Oder geht die Bewegung andersherum?
Ausgehend vom Kreuz, in schwungvoller, kraftvoller Bewegung auslaufend am Rand?

Ein Glasfenster in einer Kapelle. Meine Gedanken wandern. Wie wird unser Lebensweg verlaufen? Werden wir das Gefühl haben, auf einem guten Weg unterwegs zu sein? Wie werden wir mit den Wegabschnitten zurechtkommen, die dunkel überschattet sind?
Wird das Licht aus der Mitte unseren Weg erhellen ? Wird das Licht, das vom Kreuz her kommt, uns Orientierung geben? Werden wir den Eindruck haben, allein unterwegs zu sein, von allen guten Geistern verlassen? Oder werden wir offen sein für die Menschen, die mit uns unterwegs sind, vielleicht nicht auf unserem Weg, aber auf ihrem Weg, in unserer Nähe? Werden wir in Kontakt kommen, uns austauschen über Weg und Ziel?

„Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir“
(Psalm 23, Vers 4)


Wird es auch die andere Bewegungsrichtung geben? Wird die Zusage uns die Zuversicht geben für unseren Lebens-Weg? Werden wir kraftvolle Schritte tun können, weil wir den Ruf gehört haben:

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein“. (Jesa.ja 43, Vers 1)

Auf die Mitte zentriert sein - aus der Mitte heraus leben. Das ist die Botschaft des Fensters an mich. Das ist mein Wunsch für uns.


Text: Bodo Kromus
Glasfenster: Friedensreich Hundertwasser, St. Barbara, Bärnbach
Foto: F. Hruby, Zeltweg