Mit Tobias auf dem Weg |
| Die Diözesanstelle Berufe der Kirche Bamberg hat ein Konzept für ein Berufungsjahr entwickelt, das sich an der Tobias-Geschichte im Alten Testament orientiert. Auch wer das Berufungsjahr nicht selbst mitmacht, kann aus den Impulsen für die einzelnen Schritte gute Anregungen finden, über seinen eigenen Lebensweg nachzudenken. P. Georg Matt SDB, Leiter der Diözesanstelle Berufe der Kirche Bamberg, beschreibt den inneren Weg des Berufungsjahres. Wenn einer eine Reise tut ... "Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen". Dieser nicht ganz unbekannte Satz mag manche an langatmige Dia- oder Filmabende denken lassen, an denen "furchtbar schöne" Urlaubserinnerungen vom vergangenen Sommer "breitgewalzt" wurden. Und doch kann der gleiche Satz auch einladen, aufmerksam zuzuhören, besonders dann, wenn jemand eine ähnliche Reise beabsichtigt. Erfahrungen von anderen können schließlich dazu dienen, die eigenen Reisevorbereitungen gezielter zu treffen, für Gefahren und Schönheiten des Weges aufmerksamer zu werden und Enttäuschungen vorzubeugen. Warum sich also auch nicht auf Reiseerfahrungen stützen, wenn es um die eigentliche Lebensreise geht, auf der es gilt, den Zielen oder der Berufung seines Lebens näher zu kommen? Im Alten Testament bietet sich eine Lehr-Erzählung an, in der vom Weg eines jungen Menschen erzählt wird: Das Buch Tobit. Sie ist die kompakte, spannungsreiche und anschaulich gestaltete Geschichte des jungen Tobias, die aufzeigt, wie er seinen Weg findet. Diese Geschichte läßt sich auch leicht öffnen für die eigenen Fragen und Erfahrungen, sowie für das persönliche Suchen nach der jeweils eigenen Berufung. Übertragung der Tobias-Geschichte auf einen Berufungsweg In einem Zeitraum von acht Monaten sollte der Berufungsweg über neun Etappen gehen. Die monatlichen Begegnungen sollten der gemeinsamen Reflexion, der Besinnung und dem persönlichen wie auch dem gemeinsamen Gebet Raum geben und zugleich auch zum weiteren Weg mit "Tobias" ermutigen bzw. hinführen, Impulse für die einzelnen Wochen dazwischen sollten der Vertiefung und Weiterführung dienen. Neun Schritte entdeckten wir für den Berufungsweg im Buch Tobit. Stichworte, Worte, die uns ins Auge "stachen", und Reizworte, Worte, die zur persönlichen Auseinandersetzung reizten, gaben den einzelnen Schritten die Überschrift. Erster Schritt: Auf der Suche nach den Wurzeln "Als ich noch in meiner Heimat im Land Israel lebte ..." Tob 1, 4 a Der Vater des Tobias erzählt von seinem Leben. Alles, was ihm wertvoll geworden ist, aber auch seine Einsamkeit ("Nur ich zog immer wieder zu den Festen nach Jerusalem ...") und seine schmerzhaft erfahrene Hilflosigkeit ("... doch sie konnten mir nicht helfen") werden dabei deutlich und damit die Situation der Familie, in der Tobias aufwächst. Frage: Meine Wurzeln? Zweiter Schritt: Auf der Suche nach den Spuren meines "Fundaments" "É; wahr und gerecht ist dein Gericht in Ewigkeit." Tob 3,2 b Die bitteren Erfahrungen des Tobit lassen das Fundament erkennen, auf das er trotz aller zweifelnder Gedanken letztlich baut. Einerseits will er sterben, andererseits bittet er: "Wende deine Augen nicht von mir ab!" Wie den Sohn Tobias läßt das uns fragen nach unserem Fundament. Frage: Könnte ich auch so beten angesichts ähnlich erlittener Schicksalsschläge? Bietet sich das Fundament des Glaubens auch meinem Lebenshaus an? Dritter Schritt: Auf der Suche nach meinem Vermögen "Du hast ein großes Vermögen, ... " Tob 4,21 Dem Sohn wird ein großes Vermögen zugesprochen, das er sich aber erst nach einem langen Weg aneignen kann. Der Vater hatte es in der Ferne hinterlegt und eröffnet es ihm: "Du hast ein großes Vermögen". Dieser Zusage gilt es nachzuspüren. Für den Weg werden ihm viele Ratschläge ins Reisegepäck mitgegeben. Frage: Was wurde mir hinterlegt? Welche Ratschläge begleiten mich? |
Vierter Schritt: Auf der Suche nach Begleitung "Such jemand, der mit dir auf die Reise geht" Tob 5,4 Für den langen und unüberschaubaren Weg gibt es keine Adressen für unterwegs und auch keine genaue Landkarte mit dem Verlauf des Weges. Ein Begleiter und gute Wünsche sollen Tobias begleiten. Aber es begleitet ihn auch die Sorge und Trauer seiner Mutter: "Hanna aber weinte ..." Frage: Wer und was begleitet mich? Fünfter Schritt: Erfahrungen auf meinem Weg "Pack zu! Was sich dir in den Weg stellt, kann dir zum Nutzen werden!" vgl. Tob 6,3, 8 u. 9 Der Weg des Tobias verläuft nicht ohne Probleme. An einer Stelle springt ihn eine Gefahr an und droht ihn zu verschlingen. Da wird er ermutigt, zuzupacken. Durch die bestandene "Prüfung" wächst ihm Kraft zu. Das Innerste der Gefahr erscheint ihm geheimnisvoll und auch bitter (Herz, Leber, Galle). Er hört auf den Rat des Begleiters und nimmt all das für ihn noch Geheimnisvolle mit auf den Weg, ohne zu ahnen, daß es ihm selbst einmal von Nutzen sein wird. Frage: Welchen Herausforderungen bin ich bisher begegnet? Vor welchen ergreift mich "Panik"? Wie steht es um meine Fähigkeit, zu hören? Sechster Schritt: Mein Vertrauen schenkt mir Entscheidung "Hab Vertrauen, mein Kind!" Tob 7,17 Das Vertrauen auf den Segen Gottes, das ihm im Elternhaus grundgelegt wurde und auf seiner Reise gestärkt wird, läßt ihn eine Entscheidung für seine Braut treffen, obwohl dies nicht ungefährlich ist. Der Vater der Braut warnt ihn. "Ich muß dir aber die Wahrheit sagen: Ich habe meine Tochter schon sieben Männern zur Frau gegeben; doch jeder, der zu ihr ins Brautgemach ging, ist noch in derselben Nacht gestorben. Aber laß es dir jetzt trotzdem gutgehen!" Tob 7, 10 b, 11 Frage: Wovon werde ich bei meinen Entscheidungen bewegt, von Vertrauen, Mißtrauen, Vorsicht? Siebter Schritt: Meine Entscheidungen schenken mir Leben "Darum nehme ich sie aus wahrer Liebe" Tob 8,7 Tobias und seine Braut stehen auf gegen die Angst und beten. Sie dürfen erfahren, wie ihre Entscheidung ihnen selbst und denen in ihrer Umgebung Leben schenkt. Frage: Welche Entscheidungen ließen mich aufleben? Welche Entscheidungen stehen heute an? Welches Leben ersehne ich hinter diesen Entscheidungen? Achter Schritt: Früchte des Weges "Tobit aber bezeugte ihnen, daß Gott Erbarmen mit ihm gehabt hatte" Tob 11, 16 Tobias erkennt mit seiner ganzen Familie, wie sie in der Vergangenheit beschenkt wurden. Wie einen Früchtekorb erleben sie Gottes Erbarmen. Frage: Womit erfahre ich mich heute beschenkt auf meinen Lebensweg, auf dem Weg des Berufungsjahres? Neunter Schritt: Der rote Faden für meine Zukunft "Es ist gut, zu beten und zu fasten ... " Tob 12,8 Ganz am Schluß werden Zusammenhänge deutlich. Sie erkennen nicht nur die einzelnen "Geschenke", sondern auch die Begleitung und Führung Gottes. An der Hand Gottes kann Tobias die Entscheidung gut leben, die auf dem Weg reifen konnte und Hochzeit feiern. Frage: Wo zeigt sich ein roter Faden? Gibt er mir Mut, meine Entscheidung zu leben? |
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