Chancen für TheologiestudentInnen außerhalb der Kirche |
| Theologie ist immer noch ein gefragtes Studium. Für Priester gibt es in jeder Diözese Stellen, aber viele Männer wollen nicht und Frauen können dieses Amt nicht übernehmen. Die Stellen für PastoralreferentInnen werden z.T. reduziert. Welche Möglichkeiten haben Theologen außerhalb der Kirche? P. Werder sprach mit Franz Stadlberger, Passau, Ausbildungsleiter der TheologiestudentInnen mit dem Berufsziel "PastoralreferentIn". Wieviele BewerberInnen gibt es in Passau auf eine PastoralreferentInnen-Stelle? Gibt es Zahlen für die Bundesrepublik? Pro Kurs wird bei uns in Passau ein Kandidat oder eine Kandidatin in den kirchlichen Dienst übernommen. Eine rückläufige Tendenz bei den Anstellungen läßt sich auch anderswo feststellen. Dennoch hat dieses Jahr bei uns in Passau mit drei Studienanfängern das Interesse an diesem Berufsziel kaum nachgelassen. Theologiestudium war schon immer mit Idealismus verbunden und so vermute ich, daß die Zahl ungefähr gleichbleiben wird. Die Studierenden sind auch gar nicht mehr so festgelegt auf eine Anstellung in der Kirche, sondern denken von sich aus daran, anderswo zu arbeiten. Welche Möglichkeiten haben DiplomtheologInnen, die keine Anstellung in der Kirche finden? Wir haben jetzt noch keine konkreten Erfahrungen, aber ich vermute, daß die Leute keine Probleme haben werden. Sie sind alle gut bis sehr gut tauglich für den pastoralen Dienst. Wenn jemand die Schlüsselqualifikationen für den pastoralen Beruf erfüllt und sich noch eine Zusatzqualifkation aneignet, kann jemand leicht irgendwo unterkommen, z.B. in einem Personalbüro. Solche pastoralen Schlüsselqualifikationen, auf die es auch in der Wirtschaft ankommt, sind: Kommunikationsfähigkeit, soziale Kompetenz, Kooperationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Teamfähigkeit, Lernfähigkeit, Flexibilität im Denken und Handeln. |
Kann man eigentlich unter diesen Umständen heute das Theologiestudium noch empfehlen? Ich denke schon. Es gibt ja heute viele akademische Studiengänge, die keine Stelle garantieren können. Jeder muß schauen, welche Fähigkeiten er hat, und damit muß er dann in der Mitte des Studiums versuchen, sich irgendwohin zu orientieren, sei es durch Praktika oder durch Kontakte. Es gibt Firmen in der Wirtschaft, die Theologen suchen, z.B. AOL oder auch Domicil. Es ist ja auch so, daß die ethischen Fragen in den Vordergrund rücken. Theologen können Aufgaben übernehmen als Ansprechpartner für Suchtproblematiken oder als Schnittstelle zwischen Arbeitnehmern und Führungsebene. Das sind nur einige Beispiele für ihre Einsatzmöglichkeiten. Sie sind sehr optimistisch! Unsere Chance liegt darin, daß unsere Leute gut sind, sie haben eine hohe Kompetenz, sie sind sich bewußt, was sie können. Das hat seinen Grund auch darin, daß es bei uns eine intensive, qualifizierte Begleitung durch Ausbildungsleiter gibt, da sind wir den anderen Studiengängen weit voraus. Das gilt auch auf Bundesebene. Das müssen wir in der Wirtschaft noch mehr bekannt machen. Gibt es dazu schon konkrete Vorstellungen? Zur Zeit wird z.B. zusammen mit den Theologiestudenten ein Fakultätsjahrbuch erarbeitet. In diesem Buch stellen sich die Studenten mit Ihren Interessen vor, mit den Zusatzqualifikationen, die sie z.T. schon erworben haben usw. Das Buch wird dann an die Wirtschaft versandt. Dieses Modell hat den Kulturwirten hier in Passau schon einen großen Erfolg gebracht. Unter den Theologen dürfte dieser Weg im Moment einmalig sein. Schade an der ganzen Entwicklung finde ich nur, daß damit der Kirche ein wesentliches Potential verlorengeht, denn es sind gute Leute. Es ist ein Luxus, sie ziehen zu lassen, sie wären weitere Berufungen der heutigen Zeit. |
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