Berufungspastoral: Ein Beispiel aus Brasilien

Talentsucher in der Berufungspastoral

Vor einigen Jahren unterhielt ich mich mit einem Mitbruder aus Brasilien über die Frage von Berufung. Vor allem die Erfahrungen mit der Berufungspastoral in einer Diözese Brasiliens haben es mir angetan. Sie könnten für unser Nachdenken und vielleicht sogar für unsere Praxis eine Hilfe sein.
Ein Ehepaar als Talentsucher
Pater Marthino Lenz SJ erzählte in dem Gespräch davon, daß es in den verschiedenen Pfarrverbänden der Diözese in jeder Gemeinde ein Ehepaar gibt, das für den Bereich "Berufungspastoral" verantwortlich ist. So wie es Verantwortliche gibt für die Liturgie, für den Bereich der Caritas usw. so auch für den Bereich Berufungspastoral. Meist ist dies ein Ehepaar. Diese Verantwortlichen werden feierlich beauftragt und sind bei entsprechenden Anlässen in der Pfarrei sichtbar, etwa bei einem Besuch des Bischofs, bei entsprechenden Gottesdiensten mit dem Thema Berufung u.ä.Ihre Hauptaufgabe ist die "Talentsuche": Ihre drei Leit- und Suchfragen dabei lauten:
1. Was braucht unsere Gemeinde an Diensten?
2. Wer scheint für welchen Dienst in der Gemeinde bzw. darüber hinaus gerufen zu sein?
3. Wie können wir auf diesem Weg der Entdeckung der Berufung den einzelnen behilflich sein?
Es geht um alle Berufungen
Berufungspastoral ist dabei weit gefaßt: Von der Weckung des allgemeinen Berufungsbewußtseins über die Motivierung zu ehrenamtlichen Diensten in der Gemeinde bis zur Hilfe bei der Entdeckung der Berufung zu einem Lebensweg als Schwester, als Bruder, als Priester. Wenn sie jemandem auf die Spur gekommen sind, dann wird der entsprechende Name an einen hauptverantwortlichen Priester bzw. Ordensmann der Großpfarrei bzw. des Gemeindeverbundes weitergegeben.
Die "Talentsucher" kümmern sich kontinuierlich um die "Gerufenen". Sie halten Gesprächskontakte mit ihnen, laden zu manchen Veranstaltungen ein usw.Es kann auch sein, daß sie an den Hauptverantwortlichen der Berufungspastoral das Signal geben, daß sich nach einiger Zeit zeigt, daß die Berufung wohl in eine andere Richtung geht oder daß eine "Pause", ein Abstand u.ä. sinnvoll sind.
Priester und Ordensleute als Hauptverantwortliche.
Der hauptverantwortliche Priester/ Ordensmann hat zwei Aufgaben:
- Zum einen hält er Kontakt mit den "Talentsuchern", ermutigt sie, beantwortet Fragen, organisiert Kurse für sie.
- Zum andern macht er Gesprächsangebote und Kurse für die "Gerufenen".
Für diejenigen, die sich auf den klösterlichen Lebensweg oder zum Priestertum gerufen fühlen, werden oft schon ca. 2 Jahre vor dem Schulabschluß intensivere Angebote gemacht, um dort schon die Berufung etwas abzuklären, Hilfen zu geben u.ä.
Die große Voraussetzung bei diesem ganzen "Unternehmen" ist, daß die Gemeinden lebendig sind und eingesehen haben, daß ihr Mittragen und Mitsorgen von entscheidender Bedeutung für das Leben der Gemeinde ist und daß dies auch von der ganzen Gemeinde, der Kirche, dem Bistum anerkannt und geschätzt wird.
Nach Aussage meines Mitbruders hat sich diese Weise der Berufungspastoral gut und spürbar ausgewirkt. – Ob darin nicht eine Anregung auch für die Berufungspastoral bei uns steckt?