Beterinnen und Beter - wenn sie oft wüßten!

Ein Zeugnis von Rolf Seger

Von Spiritualität ist heute viel die Rede, zu Recht. Der Rede wert sind aber die vielen Menschen, die im Beten ihren Dienst für andere und für die Kirche sehen. Wo uns etwas geschenkt wird, was wir aus eigener Kraft nicht vermögen, da können Gebete wirksam sein. Wo solches Wirken wenigstens in Spuren erfahrbar wird, kann es spannend werden.
Ein Informationsnachmittag über kirchliche Berufe stand auf dem Programm. Das heißt: 100 km Autobahnfahrt zum Zielort. Auf halbem Weg, etwa 10 km abseits der Autobahn, war noch ein Einzelgespräch eingeplant.
Auf der stark befahrenen Autobahn merkte ich zwar, daß an meinem Auto etwas nicht stimmte. Auf einem Parkplatz hielt ich an, konnte aber keinen Defekt finden. Beim Verlassen der Autobahn, schon auf der Abzweigung zu dem 12 km weiter entfernten Treffpunkt für das Einzelgespräch, bemerkte ich, daß ein Mercedes-PKW ziemlich nahe von hinten auffuhr und mich "verfolgte". Plötzlich, in einer engen Seitenstraße versperrte mir der Mercedesfahrer den Weg. Wir, beide Fahrer stiegen aus und begegneten uns. Der Mercedesfahrer sagte: "Um Gottes Willen fahren Sie nicht weiter, ihr Reifen wird jeden Moment platzen." Sofort schaute ich unter das Auto. Die Innenseite des linken Hinterreifens war aufgerissen. Der Reifen war tatsächlich vor dem Platzen. Der Mercedesfahrer schaute zu, winkte freundlich, stieg in sein Auto und fuhr weg, noch bevor ich mich richtig für seine Aufmerksamkeit bedanken konnte. Schließlich hatte dieser unter hunderten von schnell fahrenden Autos mit seinem wachen Auge einen kaum auffälligen Defekt entdecken können und dann alles unternommen, um mich zu warnen.
Beim sofortigen Reifenwechsel wurde ich sehr nachdenklich. Nach dem vereinbarten Beratungsgespräch setzte ich die Autobahnfahrt fort, um rechtzeitig am Ort meines Informationsnachmittags einzutreffen. Aus dem Autoradio kam die Verkehrsmeldung, daß die Rheintalautobahn gesperrt sei wegen eines schweren Unfalls, veranlaßt durch einen geplatzten Reifen.
Immer deutlicher wurde mir bewußt, daß soeben ein guter Schutzengel in Gestalt eines aufmerksamen Autofahrers mich vor einem ähnlichen Unglück bewahrt hatte. Große Dankbarkeit kam in mir auf, die ich aber nur noch in Gestalt von Gebeten zum Ausdruck bringen konnte. "Mein Schutzengel " war ja weg, bevor ich ihm richtig danken konnte.
Ich kam vorzeitig an und hatte Gelegenheit, aber auch das große Bedürfnis, die geschenkte Zeit in der Kirche zu verbringen. Es gab ja genug Grund, sowohl zum Staunen als auch zum Danken. Es war Nachmittag und
einige Frauen saßen den Rosenkranz betend in dieser Kirche. Bald bemerkte ich, daß dieses Beten dem Anliegen der geistlichen Berufe galt. Also gehörten die Frauen wohl zum Päpstlichen Werk für geistliche Berufe in
ihrer Gemeinde.
Das Rosenkranzgebet ging zu Ende und fast gleichzeitig mit diesen Frauen verließ ich die Kirche. Im Hinausgehen fragte ich eine der Frauen, ob sie regelmäßig im Anliegen der geistlichen Berufe beten würden. Da sagte eine: "Heute findet ein Informationstag über kirchliche Berufe statt. Da vereinbarten wir uns zum Rosenkranzgebet. Es soll denen gelten, die sich für kirchliche Berufe interessieren und ihre Berufung suchen und jenem, der aus Rottenburg kommt und die jungen Menschen berät. Die werden unsere Gebete schon brauchen können."
Es war ein gut besuchter Informationstag, ein Schutzengel und diese PWB-Beterinnen; wenn es da nicht einen großen Zusammenhang gibt.